8. März ist Kampftag – nicht Konsumtag

Rede Weltfrauenkampftag | Daniela Noitz Bücher und Lesungen

Rede zum Internationalen Weltfrauenkampftag

Genossinnen und Genossen!
Kolleginnen, die ihr jeden Tag dieses Land am Laufen haltet!

Der 8. März ist kein Tag für billige Rosen vom Supermarkt.
Er ist kein „Dankeschön, dass es euch gibt“.
Er ist kein Werbegag.

Der 8. März ist Weltfrauenkampftag!

Er wurde erkämpft von Sozialistinnen, von Arbeiterinnen, von Revolutionärinnen. Von Frauen, die nicht artig lächeln wollten, sondern kämpfen, für die Rechte der arbeitenden Frauen.

Clara Zetkin und ihre Genossinnen und Genossen  habenhat diesen Tag nicht eingeführt, damit Konzerne heute Rabattaktionen starten.
Sie wollte einen Kampftag gegen Ausbeutung, gegen Krieg, gegen Unterdrückung!

Und August Bebel hat klar gesagt:
Solange der Kapitalismus besteht, bleibt die Frau unfrei.

Wer putzt die Welt – und wer kassiert?

Schauen wir uns die Realität an!

Wer arbeitet im Handel für Niedriglöhne?
Wer pflegt im Krankenhaus bis zur Erschöpfung?
Wer arbeitet Teilzeit, weil Kinderbetreuung fehlt?
Wer kümmert sich um die Eltern, wenn der Staat spart?

Es sind die Frauen der Arbeiterklasse!

Und was passiert danach?
Nach der Schicht beginnt die zweite Schicht:
Kochen. Putzen. Pflegen. Zuhören. Organisieren. Sorgen.

Unbezahlt.

Diese Reproduktions- und Carearbeit – diese Sorgearbeit – ist das unsichtbare Fundament dieser Gesellschaft.
Ohne sie gäbe es morgen keine Arbeitskräfte.
Keine Profite.
Keine Dividenden.

Aber bezahlt wird sie nicht oder sehr schlecht.
Anerkannt wird sie kaum.
Abgesichert wird sie schon gar nicht ausreichend.

Die Kosten tragen die Familien.
Die Gewinne streichen sich andere ein.

Das ist kein Zufall – das ist System

Man erzählt uns, das sei „Tradition“.
Man erzählt uns, das sei „Natur“.
Man erzählt uns, Frauen seien eben „so“.

Nein!

Das ist keine Natur – das ist Ökonomie.
Das ist Kapitalismus.

Die bürgerliche Familie ist für dieses System perfekt:
Der Mann voll erwerbstätig.
Die Frau flexibel, verfügbar, aufopfernd.
Teilzeit hier, unbezahlte Pflege dort.

Wenn der Staat kürzt – springt sie ein.
Wenn die Löhne nicht reichen – organisiert sie den Mangel.
Wenn alles zusammenbricht – hält sie es zusammen.

Und dann bringt man ihr am 8. März eine Blume.

Das ist Hohn!

Gleichstellung im Kapitalismus? Eine Illusion!

Sie feiern Managerinnen in Konzernen.
Sie klopfen sich auf die Schulter für Frauenquoten in Aufsichtsräten.

Aber was hat die Kassiererin davon?
Was hat die Reinigungskraft davon?
Was hat die Alleinerzieherin davon?

Nichts!

Ein paar Frauen an der Spitze ändern nichts am System, das Millionen unten hält.

Wir wollen keine Gleichberechtigung im Elend.
Wir wollen keine „gerechte“ Verteilung von Armut.

Wir wollen ein Ende der Ausbeutung!

Frauenbefreiung heißt Klassenkampf

Solange Profit über Menschen steht,
solange Pflege sich „rechnen“ muss,
solange Kinderbetreuung vom Einkommen abhängt,
solange Frauen ökonomisch abhängig gemacht werden –

solange wird es keine echte Befreiung geben.

Darum sagen wir:
Frauenbefreiung ist Klassenfrage!

Nicht Blumen, sondern höhere Löhne!
Nicht Applaus, sondern Arbeitszeitverkürzung!
Nicht Symbolpolitik, sondern kostenlose Kinderbetreuung!
Nicht warme Worte, sondern soziale Sicherheit! Es braucht den Sozialismus als Grundlage für Gleichheit der Geschlechter!

Und hier, in unserem Bezirk?

Hier wissen wir, was es heißt, jeden Euro umzudrehen.
Hier wissen wir, was steigende Mieten bedeuten.
Hier wissen wir, was es heißt, wenn am Ende des Monats nichts mehr übrig bleibt.

Und hier wissen wir auch:
Ohne uns läuft gar nichts.

Keine U-Bahn fährt.
Kein Geschäft öffnet.
Kein Krankenhaus funktioniert.

Wir sind nicht das Problem.
Wir sind die Mehrheit!

Darum:

Der 8. März ist kein Feiertag.
Er ist ein Kampftag!

Ein Tag der Wut –
aber auch ein Tag der Hoffnung.

Denn wenn wir uns organisieren,
wenn wir uns zusammenschließen,
wenn wir uns nicht spalten lassen –

dann sind wir stärker als jede Konzernzentrale!

Die Befreiung der Frau wird nicht geschenkt.
Sie wird erkämpft.

Nicht irgendwann.
Nicht von irgendwem.

Sondern von uns.

Hoch die internationale Solidarität!

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