Die Schriftstellerin, eine aussterbende Art

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Zum Welttag des Artenschutzes und der Schriftstellerin

Meine Profession ist die einer Schriftstellerin. Profession nicht wegen der Höhe des Verdienstes, denn sonst wären viele Wissenschaftler, die nicht das erforschen was vom Kapital bezahlt wird, bloße Amateure. Sondern Profession, weil ich es mit viel Einsatz, Wissen und Gewissenhaftigkeit ausführe. Meine Geschichten kommen aus meinen Gedanken, die sich natürlich aus meinen Erfahrungen und Erlebnissen zusammensetzen. So dass man es getrost als menschliches Informationspool bezeichnen kann. Diese menschlichen Erfahrungen sind natürlich begrenzt. Aber es lässt sich trotzdem viel daraus machen, denn letztlich entstehen Gedanken niemals aus dem Nichts, sondern aus etwas was man wie bei einem Kuchenteig zusammenmixt. Bei meinen Kuchen bin ich immer wieder erstaunt, dass sie immer anders aussehen, obwohl ich überzeugt davon bin, dass ich es genauso gemacht habe, wie beim letzten Mal. Bei den Geschichten kommen auch immer unerwartete, neue Wege zustande, die ich schreibend begehe. Und ja, es ist Arbeit, manchmal mühsam und anstrengend, aber immer lohnend. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass ich jemanden für mich schreiben lasse, egal ob menschliche oder künstliche Intelligenz. Es wäre nicht mehr mein Schreiben, sondern etwas künstlich Zusammengepanschtes.

„Wie lange schreibst Du an so einem Buch?“, fragte mich letztens eine Dame, die ich für eine Kollegin hielt, da sie laut ihrer Webseite schon etliche schriftstellerische Werke veröffentlicht hatte.
„Das kommt darauf an“, erwiderte ich zögerlich, denn diese Frage ist tatsächlich nicht leicht zu beantworten, „Wenn es um den Schreibprozess an sich geht, dann dauert es nicht lange, je nach Umfang zwischen zwei bis vier Wochen, also wenn ich wirklich jede verfügbare Minute nutze. Allerdings geht dem schon viel Gedanken- und Konzeptionsarbeit voraus. Manchmal dauert es Jahre, bis sich die Handlung beispielsweise eines Romans so vollständig ist, dass ich mich daran setzen kann, ihn zu schreiben. Dazwischen gibt es auch immer wieder Stolpersteine, bei denen ich strauchle oder Knoten in der Handlung, die ich erst auflösen muss.“ Es ist allerdings immer noch ein Versuch der Erklärung.
„Also ich brauche für ein Buch höchstens eine Woche“, gab sie unumwunden zurück und ich staune nicht schlecht.
„Du meinst, allein zum Schreiben oder bis es fix fertig ist, mit Cover und Lektorat usw.?“, zeigte ich mich erstaunt, weil ich mir noch dachte, unglaublich, die muss gut sein.
„Ja, natürlich, obwohl, Lektorat brauche ich keines, denn es ist auf Anhieb alles perfekt“, erklärte sie mir, „Auch das Cover ist stimmig. Das geht in einem Aufwaschen.“ Ich wurde immer erstaunter. Wie kann das gehen? Und vor allem, was mache ich falsch? Oder bin ich einfach so langsam, so undiszipliniert, so lasch?
„Das ist ja unglaublich“, gab ich zu, „Wie geht das? Ich meine, kannst Du mir Tipps geben, wie ich meine Arbeit effizienter gestalten kann? Ich nehme zwar nicht an, dass ich je so schnell bin wie Du, aber zumindest verbessern könnte ich mich. Schließlich schöpfe ich wahrscheinlich mein Potenzial immer noch nicht ganz aus.“
„Das ist ganz leicht erklärt“, winkte sie lässig ab, „Du brauchst nur die richtige KI, sagst ihr, was Du möchtest und schon schreibt sie das. Dann brauche ich es nur noch publizieren. Fertig.“
„Das heißt, das was Du schreibst, das ist eigentlich nur abgeschrieben? Du schreibst es nicht selbst?“, versuchte ich meine Verwunderung in Ruhe zu wandeln.
„Was heißt abschreiben? Das, was die KI schreibt, das ist nicht abgeschrieben, sondern neu“, erklärte sie mir.
„Nein, ist es nicht“, widersprach ich mit aller Vehemenz, „Die KI macht nichts anderes, als aus allen verfügbaren Büchern das Passende zusammenzusuchen und es dann zusammenzustoppeln. Das ist nichts Neues, sondern letztlich abgeschrieben, wenn auch aus Millionen, wenn nicht gar Milliarden von Texten herausgesucht. Dennoch ist es letztlich ein Plagiat. Nein, darauf würde ich nie meinen Namen setzen, weil es auch nicht stimmt. Darüber hinaus ist es schändlich, denn die Texte der Autorinnen, die für die KI herhalten müssen, wurden nicht gefragt, ob man sie verwenden darf. Es ist also indirekt gestohlen.“
„Du bist doch nur neidisch“, erklärte sie mir, „Nur, weil Du nichts auf die Reihe bekommst und nichts verdienst, machst Du mich schlecht.“
„Nein, ich mache Dich nicht schlecht“, erwiderte ich ruhig, „Du kannst gerne machen, was Du möchtest. Ich würde es aber zumindest ehrlich finden, wenn man den Leserinnen offen sagt, das hat kein Mensch, sondern eine KI geschrieben. Alles andere ist Täuschung. Gerne dürfen sie auch kaufen, was sie möchten, nur wissen sollten sie es.“
„Warum denn? Ist es nicht letztlich egal, ob es ein Mensch oder eine KI geschrieben hat, wenn es den Leserinnen gefällt und sie bereit sind, dafür Geld auszugeben?“, fragte sie mich.
„Wenn es eh egal ist, dann kann man es ja offen zugeben“, gab ich zurück, „Ich werde mich auf jeden Fall weiter bemühen und keine KI benutzen, denn wenn mein Name auf dem Cover steht, dann soll es stimmen. Und natürlich gebe ich das so weiter an Deine Leserinnen.“ Damit verließ ich sie. Ich denke, sie wollte mir noch einiges sagen, aber ich hatte keine Lust mehr, es zu hören.

Und wie seht Ihr das? Sollte man KI für künstlerische Werke verbieten, egal ob Bilder, Musik oder Literatur? Oder geht es Euch so wie mir, dass Ihr es einfach wissen wollt, dass ein Werk entsprechend gekennzeichnet ist? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen.

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