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Life is too short for boring stories

Unversehens hatte sie sich in ihn verliebt. Wie das eben so passiert, immer und überall auf der Welt, mit Schmetterlingen im Bauch, begleitet von Appetitlosigkeit und dem ständigen Wunsch bei ihm zu sein, nichts weiter, als bei ihm zu sein. Ihm erging es wohl genauso, denn sie verbrachten wirklich jede freie Minute miteinander. Sie überschütteten sich mit Aufmerksamkeit und Zuwendung und Zärtlichkeit. Eines Abends, sie saßen in ihrem Lieblingskaffee und unterhielten sich. Er wirkte nachdenklich und entfernt.

„Was ist los mit Dir? Du wirkst, als würde Dir etwas Sorgen bereiten“, fragte sie, und aus ihrem Blick sprach echte Besorgnis.

„Du kennst mich wirklich gut. Ja, es gibt etwas, was mir Sorgen bereitet“, antwortete er.

„Was ist es? Hat es etwas mit uns zu tun?“, fragte sie weiter.

„Ja, es hat was mit uns zu tun. Ich will nur nicht, dass Du mich falsch verstehst“, begann er umständlich.

„Dann sag es doch einfach. Ich werde es schon verstehen“, ermunterte sie ihn.

„Wir haben sehr viel Zeit miteinander verbracht. Eigentlich jede freie Minute. Wir haben uns völlig auf uns konzentriert und uns nur mit uns beschäftigt“, fuhr er fort.

„Aber ist das nicht normal, wenn man sich kennenlernt und alles voneinander wissen will?“, fragte sie.

„Natürlich ist es das, aber ich denke, es ist nicht, wenn wir uns nur auf uns konzentrieren, denn dann kann es nur allzu schnell passieren, dass sich unsere Beziehung totläuft, weil keine neuen Impulse hereinkommen und wir uns bald einmal langweilen“, versuchte er zu erklären.

„Was schlägst Du vor?“, fragte sie pragmatisch.

„Wir sollten uns auch noch mit anderen treffen, sollten Freundschaften pflegen und unsere Beziehung dadurch bereichern“, führte er seine Gedanken aus.

„Du schlägst eine offene Beziehung vor?“, brachte sie es auf den Punkt.

„Wenn Du es so nennen willst, ja“, gab er zaghaft zu.

„Meinst Du auf rein freundschaftlicher Ebene oder dass wir auch mit anderen schlafen?“, wollte sie weiters wissen.

„Wie es sich ergibt“, antwortete er ausweichend.

„Du weißt aber, dass das ein sehr gefährliches Spiel ist?“, gab sie zu bedenken.

„Ich sehe es keinesfalls als Spiel, sondern nur als Erweiterung unseres Lebens. Aber vor allem möchte ich vermeiden, dass wir in ein Besitzdenken verfallen, dass wir uns nicht als selbstverständlich sehen, sondern als einmaliges, unvergleichliches Geschenk“, erläuterte er.

„Gut. Aber ich habe eine Bedingung“, meinte sie.

„Und die wäre?“, fragte er erfreut darüber sie offen und verständnisvoll zu erleben.

„Dass wir mit diesem Experiment sofort aufhören, wenn sich einer von uns nicht wohl fühlt dabei oder sogar unglücklich ist.

„So wollen wir es machen!“, bestätigte er ihr Anliegen.

Fortan verbrachten sie wohl noch viel Zeit miteinander, aber nicht nur miteinander, sondern auch gemeinsam mit Freunden oder auch getrennt. Sie musste feststellen, dass er recht hatte, dass neue Impulse ihre Beziehung bereicherten. Sie fühlten sich wohl, im Miteinander. Sie spürten, dass es gut war Sehnsucht nacheinander verspüren zu können, einander zu vermissen, bis es dazu kam, dass sie ein romantisches Rendezvous hatten, allerdings nicht miteinander.

Hier gehts zu Teil 2

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