Zum Weltwaltag
„Man of Aran“ ist ein Film aus dem Jahre 1934, also noch nicht einmal 100 Jahre alt, in dem das Leben auf den Aran Islands, an der Westküste Irlands gelegen, beschrieben wird. Es ist ein raues Land, dem man alles abtrotzen muss. Das Klima und die Bodenbeschaffenheit machen es schwierig, etwas anzubauen. Man sieht in diesem Stummfilm, wie ein ganzer Ort zusammenhilft, um dem Land ein fruchtbares Gebiet abzutrotzen. Die Steine müssen entfernt werden, Erde wird zusammengetragen. Und dann gedeihen eigentlich nur Erdäpfel. Was hilft den Bewohner*innen noch beim Überleben? Das ist der Walfang. Doch wie sah dieser aus.
Man sieht kleine Boote, von denen man kaum annimmt, dass sie überhaupt seetüchtig sind. Sie wirken zerbrechlich, doch sie halten stand. Gemeinsam jagen sie einen Wal. Natürlich wehrt sich dieses mächtige Tier. Der Walfang erfordert nicht nur die Zusammenarbeit aller Menschen des Dorfes, sondern er ist auch lebensgefährlich. Sie kämpfen gegen die raue See ebenso wie gegen das mächtige Geschöpf. Der Wal hat eine Chance. Wenn sie einen erlegen, dann wird er bis zum letzten Rest verbraucht. Das Öl, das sie aus der dicken Fettschicht gewinnen, ist besonders wichtig. Sie taten es, weil sie keine Wahl hatten. Und wenn sie einen erlegt hatten, dann wird dieser an alle verteilt. Eine Gemeinschaft, die aufeinander acht gibt. Doch wie ist es heute?
Es gibt noch immer Länder, in denen der Walfang betrieben wird. In Norwegen, Japan und Island werden jedes Jahr viele dieser beeindruckenden Geschöpfe hingemetzelt, aus purer Lust am Morden. Kein Mensch braucht mehr das, was der Wal zu geben hat. Man sieht das Massaker. Jahr für Jahr. Hatten die Menschen auf den Aran Islands noch einen guten Grund für ihre Tat, nämlich das eigene Überleben, ist der moderne Walfang ein makabres Massenmorden ohne Sinn und Verstand. Dennoch ist das nicht das größte Problem, mit dem die Wale zu kämpfen haben.
Viele tausende Wale sterben jedes Jahr, weil sie sich in modernen Schleppnetzen verfangen und ertrinken. Was zunächst einmal merkwürdig klingt, ist logisch, wenn man sich vor Augen führt, dass Wale Säugetiere sind und Luft atmen müssen. Sind sie im Schleppnetz gefangen, können sie nicht mehr auftauchen, um Luft zu holen. Aber selbst wenn sie sich losreißen können, tragen sie oft schwere Verletzungen davon. Außerdem findet man Walmägen kiloweise Plastikmüll, mit dem wir unsere Meere verschmutzen, neben Schwermetallen, Pflanzen und Insektengiften. Dies nehmen die Wale über die Nahrung auf, was sie anfälliger für Krankheiten macht und dazu führt, dass sie weniger Nachwuchs bekommen.
Selbst die Zerstörung der Ozonschicht hat einen immensen Einfluss auf die Walpopulationen, denn darauf reagiert das Plankton empfindlich. Durch die intensivere Strahlung vermehrt sich dieses weniger stark und das Nahrungsangebot für die Bartenwale sinkt beträchtlich. Darüber hinaus führt die Übersäuerung der Ozeane durch die vermehrte Aufnahme von Kohlenstoffdioxid dazu, dass zwar der globalen Erwärmung entgegengewirkt wird, da der erwärmende Kohlenstoff in der Atmosphäre abnimmt, aber mit Wasser reagiert CO2 zu Kohlensäure, die den Bau der Kalkskelette verschiedener Algen und Kleinstlebewesen stört, von denen die Wale abhängig sind.
Und wenn das noch nicht schlimm genug wäre, so sorgen starke Sonore von Militär und Geologie, Sprengungen und Schiffsverkehr für immer mehr Lärm in den Ozeanen. Das führt dazu, dass die Orientierung und Kommunikation der Wale, die sich der Biosonare bedienen, gestört wird und sie dazu bringt, panisch aufzutauchen. Dabei perlen im Blut gebundene Gase aus, die die Gefäße blockieren und dazu führen, dass der Wal stirbt.
Selbst in den Tiefen der Ozeane schafft es der Mensch, Tod und Elend zu verbreiten. Wo immer er auftaucht, zuletzt verwandelt sich der Ort in ein riesiges Schlachthaus. Dabei ist der Mensch ein Säugetier und fühlt sich in der Gruppe geborgen, so wie der Wal. Diese spielen und stupsen sich. Man möchte fast meinen, sie küssten einander. Wenn ein Baby zur Welt kommt, dann wird die Mutter durch eine Hebamme unterstützt, die dafür sorgt, dass das Baby rechtzeitig seinen ersten Atemzug an der Wasseroberfläche machen kann. Wenn sie vor Lebensfreude überschäumend das Wasser aufpeitschen oder hochspringen, ist es wunderschön zu sein. Sanfte Riesen, die einfach da sein wollen.
Und wenn der Mensch auftaucht, so bringt der Tod und Zerstörung, ganz ohne Notwendigkeit. Nur, um seine merkwürdigen Ziele zu verfolgen, Profit und Erfolg. Wer daran zugrundegeht, ist ihm egal. Desto wichtiger ist es, einen Tag zu haben, an dem wir uns daran erinnern, wofür wir uns einsetzen müssen, denn letztlich geht es um unser eigenes Überleben. Denn wenn die Wale gehen, stirbt der Ozean.
Zum Nachschauen:
Man of Aran, der Film
Grönland: Blutige Treibjagd von Save the Ocean dokumentiert


Kommentar verfassen