Die Feminismus-Falle (3)

Feminismus Falle - Daniela Noitz | vegane österreichische Autorin

„Aber es geht doch bei der Ehe um Liebe und Verbundenheit, dass man die Stärken einbringt, die man hat und zusammenhält und das heißt, jeder macht das, was er am besten kann. Und Frauen sind nun mal gut im Haushalt, in der Pflege und bei den Kindern. Und Männer sind gut im Beruf. Und so gilt es, den Männern den Rücken freizuhalten. Dafür bekommt man ein schönes Heim und alles was man braucht. Oder meinst Du, es wäre besser so zu tun, wie es Kerstin macht?“, fragte Helena nach.
„Du meinst die Kerstin, die Wirtschaft studiert hat und jetzt eine erfolgreiche Managerin ist, zwei Kinder hat und einen Mann und alles super gut auf die Reihe bekommt?“, hakte Sophie nach.
„Genau, aber was ist der Preis dafür? Sie arbeitet ständig, sie hat eine Putzfrau, ein Kindermädchen und ihren Mann sieht sie so gut wie nie. Ich möchte aber meine Kinder aufwachsen sehen und nicht nur fremdbetreut wissen. Und außerdem, ich glaube nicht, dass sie glücklich ist. Warum wird uns Frauen von den Feministinnen eigentlich immer eingeredet, dass wir Karriere machen müssen? Das ist doch auch ein mieses Leben. Nein, da ist meine Entscheidung schon besser.“, erklärte Helena im Brustton der Überzeugung.

„Egal was Feministinnen propagieren, es ist ein Fehler, egal wie man es dreht. Bleibt die Frau zu Hause und arbeitet nicht, dann ist sie vom Mann abhängig und muss sich tatsächlich alles gefallen lassen, so wie unsere Großmütter. Oder sie geht arbeiten, dann ist sie zwar unabhängig, ist aber immer erschöpft. Das ist es, was eigentlich gewollt ist. Ganz gleich, wie sie sich entscheidet, es ist immer zu Ungunsten der Frau. Das ist auch so gewollt“, sagte Sophie nachdenklich.
„Siehst Du, und nachdem es falsch ist, entscheide ich mich für den richtigeren Weg, denn einen dritten gibt es nicht“, trumpfte nun Helena auf.
„Es gibt nur dann keinen dritten Weg, wenn man meint, man muss das traditionelle, bürgerliche Familienbild aufrechterhalten. Dabei ist es alles andere als natürlich. Es dient einfach nur dazu, die Gesellschaft in viele kleinste Einheiten zu zersplittern und ihr dadurch die politische Zugkraft zu nehmen“, meinte Sophie.
„Natürlich, die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft. Darin kann sich die Liebe entfalten und alle halten zusammen“, entgegnete Helena.
„Die Auflösung der Familie zugunsten einer weiterreichenden Gemeinschaft, das sollte das Ziel sein. Es ist doch völlig ineffizient, wenn in jedem Haus extra gekocht wird z.B. Oder die Wäsche gemacht wird. Oder die Kinder betreut werden. Die Lösung wären Gemeinschaftsküchen, Wäschereien und gemeinschaftliche Kinderbetreuung. Echte Frauenbefreiung bzw. echte Gleichwertigkeit kann nur erreicht werden durch die Befreiung aus ökonomischer und emotionaler Abhängigkeit. Wenn die Reproduktionsarbeit vergesellschaftet wird, können Frauen sich politisch, ökonomisch und kulturell frei entfalten. Damit wird auch die Kleinfamilie als ökonomische Einheit überflüssig“, führte Sophie aus, „Das bedeutet, Freiheit wird nicht erreicht, wenn sich die Frau zwischen Erwerbs- und/oder Hausarbeit entscheiden kann, sondern nur durch die richtigen strukturellen Bedingungen. Aber solange nur Reformen innerhalb des bestehenden Systems erfolgen, ist ein Scheitern vorprogrammiert, so wie wir es heute tagtäglich erleben. Kurz zusammengefasst lässt sich sagen: Nicht Frauen müssen zwischen Markt und Abhängigkeit wählen – die Gesellschaft muss so organisiert werden, dass Care, Liebe und Arbeit frei möglich sind.“
„Ich habe es zwar nicht verstanden, außer dass Du alles abschaffen möchtest, was ich mir wünschte und jetzt habe“, sagte Helena stirnrunzelnd, „Das ist gegen alles, was der Mensch schon immer gemacht hat. Aber auf jeden Fall, das würde meinem Mann nicht gefallen. Also musst Du jetzt gehen, denn ich muss schauen, dass das Essen rechtzeitig am Tisch steht. Mit viel Liebe zubereitet.“

Sophie sah ein, dass hier nichts mehr zu machen war. Vielleicht sollte sie einfach abwarten, wie sich alles entwickeln würde. Rasch verabschiedete sie sich von ihrer Freundin aus Kindertagen. Es könnte sein, dass es ein endgültiger Abschied war, was sie sehr schmerzte. Andererseits, man konnte nie wissen. Doch wenn sie eines gelernt hatte, dann das, dass man niemanden zu einer Veränderung zwingen kann. Die Einsicht muss von diesem Menschen selbst kommen. Vielleicht würde sie tatsächlich noch geschehen. Sophie wünschte es sich. Nicht für sich, sondern für all die Frauen, die immer noch der Falle des bürgerlichen Feminismus aufsaßen, egal ob sie ihn befürworteten oder ablehnten, und im Besonderen für Helena.

Kommentar verfassen

Noch mehr Lesestoff:

Kommentar verfassen