Ein paar Menschen, die offenbar zusammengehören. Man erkennt es an der Kleidung, vor allem, aber auch daran, dass sie Schilder tragen, mit Sprüchen, eingängigen und unverkennbaren Bildern über Misshandlung, Leid und Ausbeutung, die hinter alltäglichen Gewohnheiten stehen, denen die „Normalos“ frönen. Wie dem Verzehr von Fleisch oder anderen tierlichen Produkten, dem Tragen von Leder, Wolle oder Pelz. Die Produkte, zu denen die nicht-menschlichen Mitgeschöpfe gemacht werden, sprechen weder den Schmerz noch die Trauer, verbergen die Schreie und die die Angst. Fein säuberlich sind sie, derart verarbeitet, dass sie gefallen, schmecken. Was dahintersteckt, wie die Tiere gehalten, verfrachtet und letztlich ermordet werden, das wollen sie nicht sehen. Es könnte den Appetit verderben oder die Ansicht vergällen, etwas Schönes, ja Nobles, wie es bei Pelz oder Angorawolle der Fall ist, zu tragen.
Das System der Verharmlosung, des Versteckens und Schönredens ist gewollt. So lange die meisten Menschen nicht darauf aufmerksam gemacht werden, so lange niemand zu genau hinsieht und alles am besten hinter versteckten Türen und hohen Mauern abläuft, ist alles gut. Was wir nicht wissen, kann unsere Entscheidungen nicht beeinflussen. Denn die Werbung wird uns schon die Wahrheit sagen. Wir können aufatmen, wenn wir die Tiere auf der Weide sehen oder das lächelnde Schaf, das mit sanften Bürstenbewegungen geschoren wird. Doch diese Bilder sind gestellt oder betreffen nur eine Minderheit der Tiere. Und das Ende, der Schlachthof, der wird gar nicht gezeigt. Damit sind alle zufrieden, die Menschen, die die zu Produkten entwürdigten Lebewesen verkaufen und damit Profit daraus schlagen, die Menschen, die sich in ihrem Konsumverhalten wohl fühlen wollen und weiterhin von sich glauben mögen, sie seien gute Menschen, die doch niemandem etwas zu Leide tun. Alle sind zufrieden.
Doch dann kommen die, die mit ihren Schildern und Bildern und Ansagen. Sie kommen, nicht um jemandem das Essen oder die Kleidung zu vermiesen, nicht grundsätzlich, sondern um den Menschen die Möglichkeit zu geben, informationsbasiert zu wählen. Denn wahre Entscheidungsfreiheit habe ich nur, wenn ich das Wissen darüber habe. Diese Menschen mit den Schildern, sie zeigen, was die Industrie hinter geschlossenen Türen und hinter hohen Mauern verbirgt, damit die Menschen sich der wahren Haft- und Tötungsbedingungen bewusst sind.
Im Sommer hat ein Restaurant einen Gastgarten, der gerne frequentiert wird. Von Familien auch, also Erwachsenen mit Kindern oder auch ohne. Es ist angenehm, in der Sonne zu sitzen und Mahlzeiten zu sich zu nehmen, die nur möglich sind, weil es das Leid, Elend und die Ausbeutung unserer nicht-menschlichen Mitgeschöpfe gibt. Die Schilder offenbaren dieses. Dann stehen sie dort und die Menschen sehen es. Manchen vergeht der Appetit und sie beginnen ihren Konsum zu überdenken. Manche reden mit den Menschen mit den Schildern, lassen sich erzählen, was sie bisher nicht wussten oder nicht wissen wollten. Es ist eine Einladung dazu, sich zu informieren und sich entsprechend der Informationen zu entscheiden. Doch der Wirt, der schreit Zeter und Mordio, denn das, was diese Menschen mit den Schildern machen, ist geschäftsschädigend. Das bedeutet aber nur, dass er Geschäfte mit etwas betreibt, das so schlimm ist, dass man die Menschen vor der Wahrheit schützen muss, sonst konsumieren sie es nicht mehr. Nicht die Menschen mit den Schildern sind geschäftsschädigend, sondern die traditionelle Verbohrtheit, an etwas festzuhalten, was schlecht für Menschen, Tiere und Umwelt ist. Es ist an der Zeit, dieses Geschäftsmodell zu ändern. Und vielleicht lernt sogar der Gastwirt dazu.


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