Fridolin Froschmaul und die Frauen (2)

Fridolin Froschmaul und die Frauen (2) – Alle Geschichten

„Was hältst Du davon, dass Du Dich unauffällig in der Nähe aufhältst und live miterlebst, was ich vorhabe?“, schlug ich Chantal vor. „Mit Hut und großer Sonnenbrille?“, fragte sie verunsichert, „Du weißt schon, nicht dass er mich noch erkennt.“ „Von mir aus auch so“, beruhigte ich sie. Wenige Stunden später betrat ich das Lokal, in dem wir uns verabredet hatten. Es war nicht schwer, den Fridolin Froschmaul zu erkennen, denn sein Aussehen machte seinem Namen alle Ehre. Während ich zielstrebig auf ihn zuging, folgte mir Chantal, um sich an einen Tisch in der Nähe zu setzen, der vorteilhafter Weise von einem Blumenstock verdeckt war, so dass sie zwar zuhören, aber selbst nicht entdeckt werden konnte.

Fridolin Froschmaul erhob sich ächzend, als er sah, dass ich mich seinem Tisch näherte. Dann reichte er mir die Hand, um sich vorzustellen. „Gestatten, Fridolin Froschmaul“, erklärte er, was ich mit einem lapidaren, „Wer sonst“ quittierte, woraufhin er mich aufforderte mich zu setzen. Dies sollte allerdings die letzte Aufforderung bleiben, der ich Folge leistete. „Ich muss sagen“, begann er das Gespräch, nach einem zweifachen Ächzen, dem seiner Wenigkeit und der des Stuhls, „Ich bin sehr irritiert.“ „Das kann ich sehr gut nachvollziehen“, erklärte ich prompt. „Tatsächlich?“, wandte er ein. „Davon auch“, gab ich postwendend zurück. „Wovon?“, zeigte er sich überrascht. Irgendwie schien das Gespräch nicht die Richtung zu nehmen, die er vorgesehen hatte. „Dass Sie mich en passant unterbrechen“, erklärte ich. „Ohne Pass? Was soll das? Ich bin ein guter deutscher Staatsbürger!“, meinte er. „Sehen Sie, Sie tun es schon wieder. Keine Manieren und ein minimaler Bildungsstand“, sagte ich kopfschüttelnd, „Aber ich will mal nicht so sein. ‚En passant‘ bedeutet nicht ‚ohne Pass‘, sondern ‚im Vorübergehen‘, also in der Bedeutung von nebenbei. Seine Gesprächspartnerin zu unterbrechen, bevor die Stimme zum Ende der Aussage hinunter bzw. einer Frage hinauf gegangen ist, ist respektlos. Aber das ist nur die kleinste Respektlosigkeit, neben den viel wichtigeren.“ „Also wer da die Respektlosigkeit zeigt“, echauffierte er sich, „Darauf wollte ich gerade zu sprechen kommen.“ „Sehen Sie, Sie tun es schon wieder“, erklärte ich, „Aber ich werde Sie nicht länger im Umklaren lassen: Sie kommen zu einer Verabredung, wohl in der Hoffnung, einer Frau zu imponieren und sind nicht in der Lage auch die geringsten Voraussetzungen zu erfüllen. Fangen wir bei ihrer Kleidung an. Die sieht aus, als hätten Sie darin geschlafen, und wenn schon das nicht, so schon seit mindestens 14 Tagen an. Es wäre das Mindeste, ja, ich sage, das Mindeste, sich entsprechend halbwegs vorzeigbar zu kleiden. Übrigens, wegen dem was zusammenpasst, können Sie sich gerne beim entsprechenden Herrenausstatter beraten zu lassen. So, wie Sie jetzt angezogen sind, sieht es aus, als hätten Sie blind, womöglich im Finstern in Ihrem Kasten gegraben und angezogen, was Ihnen gerade unterkam. Dann, Ihre Frisur. Die sieht aus, als hätten Ihre Haare seit Wochen kein Wasser, geschweige denn Shampoo gesehen oder auch einen Kamm. Sie sind schlecht rasiert und die Fingernägel ungepflegt. Davon, dass Sie nicht geschminkt sind oder zumindest so weit ihr Gesicht verschönert haben, dass die schlimmsten Unstimmigkeiten beseitigt sind, davon rede ich gar nicht erst, aber dass Ihr Hemd Schweißflecken aufweist und Sie einen Duft verströmen, wie ein Stück Tofu, das seit Wochen in der Sonne lag und leise für sich hin schimmelt, das ist wirklich irritierend. Ich sage Ihnen, was ich sehe, einen Mann, der zwar eine Frau möchte, von der erwartet, dass sie sich am besten den ganzen Tag mit Kosmetik, Garderobe und Auftreten abmüht, der es aber als selbstverständlich sieht, dass er selbst keine fünf Minuten oder auch nur fünf Cent darin investiert, als wenn Sie immer noch nicht bemerkt hätten, dass die Frau aussucht und nicht der Mann.“ „Das muss ein Mann trotzdem nicht“, versuchte er eine Erwiderung, „Ein Mann muss nicht aussehen, sondern das Geld nach Hause bringen, und das tue ich.“ „Als kleiner Beamter?“, erwiderte ich süffisant, „Glauben Sie mir, ich verdiene mindestens das Dreifache. Wenn wir zusammenkämen, dann würde wohl ich das Geld nach Hause bringen.“ Deshalb forderte ich den Kellner auf, die Rechnung zu bringen. Ich zahlte für beide, denn das war quasi meine soziale Tat des Tages. Allerdings bin ich nicht sicher, ob er es verstanden hat. Wichtiger ist jedoch, dass Chantal ihre Lehren daraus zog und sich nur mehr dann etwas über Ihr Auftreten sagen ließ, wenn auch der Mann mindestens genauso viel Aufwand betrieben hatte und selbst dann nur möglicherweise.

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