Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!
Fridolin Froschmaul was ein Mann, so ein richtiger, echter und unverfälschter. Das stand für ihn fest, wie das Amen in der Kirche oder das Bier beim Fernsehen. Er hatte strenge Prinzipien. Männer machten. Frauen ließen für sich machen. Dafür zogen sie die Kinder auf und hatten schön zu sein für ihren Mann, nur für ihren und keinen sonst. Er wollte dies nicht direkt als Besitz bezeichnen, aber es war nicht weit davon entfernt. Schließlich investiert ein richtiger, echter und unverfälschter Mann sehr viel Geld und Zeit in eine Frau. Und wie bei jeder anderen Investition, wird eine entsprechende Rendite erwartet. Bis auf die nicht zu unterschätzende Kleinigkeit, dass Wertpapiere oder Aktienfonds oder ähnliches nicht zurückredet, gibt es zwischen ihnen und einer Frau nicht viele Unterschiede. Das beginnt schon bei der Auswahl. Bei einer Geldanlage schaut man sich an wie hübsch die Renditeaussichten sind, bei einer Frau das Äußere. Ein frischer Teint spricht für Gesundheit und etwas ausladendere Hüften für Gebärfreudigkeit. Darüber hinaus muss man immer auch kritisch zu beurteilen wissen, wie viel Mühe sich die Anlage, pardon, die Frau gibt. So weit die Einstellung von Fridolin Froschmaul, die er auch offen eingesteht und völlig perplex ist, warum er immer noch keine Frau hat. Ehrlich ist er, der Fridolin.
Aber er gibt nicht auf, denn Fridolin weiß mit Gewissheit, dort draußen gibt es eine Frau, eine richtige, echte und unverfälschte, die zu einem richtigen, echten und unverfälschten Mann passt. Deshalb gibt er nicht auf. Schließlich ist er erst 40 und bringt genügend Leibesfülle mit, um der Frau ein weiches Lager bieten zu können, auch wenn die Frau, die er zu finden gedenkt, dies kaum in Anspruch nimmt, dazu hat sie einfach keine Zeit. Sie arbeitet, für ihn, für die Familie und hat auch ansonsten nichts im Kopf. Er gibt nicht auf, obwohl er von einer Enttäuschung in die nächste stürzt. Diese eine, die er heute getroffen hat, wie hieß sie doch gleich? Irgendein fremdländischer Name war es. Als wenn es keine guten, echten, deutschen Namen gäbe. Damit fängt sich das ganze Unglück schon an, denn durch diese Namen aus irgendeiner Sing-Sang-Sprache, französisch oder italienisch oder so, ganz ohne Härten, Ecken und Kanten, wie sie die gute deutsche Sprache hat, werden auch nur zickige Diven draus. Ach ja, beim Stichwort französisch fällt es ihm wieder ein, Chantal war der Name. Als wenn das jemand aussprechen könnte, zumindest niemand, der sich nicht einen Knoten in die Zunge machen wollte. Dann kam sie, total unverblümt und unvorbereitet, burschikos gekleidet und so gut wie nicht geschminkt. Fridolin konnte auf den ersten Blick erkennen, die hatte sich keine Mühe gegeben. Und das, wo sie ihn treffen durfte. Die hat er aber auch gleich entsprechend abgefertigt.
Und während Fridolin vor dem Fernseher sitzt, eine Dose Bier in der Hand, macht besagte Chantal ihrem Kummer bei mir Luft, legt all den Frust, aber auch die Beschämung offen. Sie kam zum verabredeten Treffpunkt, teilt sie mir mit. Statt einer Begrüßung wurde sie von oben bis unten taxiert. „Kein Make-up, kein Besuch beim Friseur, der Kosmetik, der Maniküre, ein bereits mindestens einmal getragenes Kleid und flache Schuhe“, konstatierte er, „Du kannst gleich wieder gehen, denn eine Frau hat sich Mühe zu geben, um einem Mann zu gefallen. Daran erkennt er nämlich sofort, ob eine Frau gewillt ist, im gemeinsamen Leben Mühe auf sich zu nehmen oder sich gehen zu lassen.“ Mit gesenktem Haupt und peinlichst berührt, verließ Chantal das Lokal, um sich sofort zu mir zu begeben. „Ich habe offenbar alles falsch gemacht“, schluchzte sie an meiner Brust. Sanft schob ich sie von mir weg und stellte eine einzige Frage: „Hat er all das erfüllt, was er von Dir wollte?“ „Ich denke nicht, aber das muss ein Mann doch auch nicht“, erwiderte Chantal derart verwundert, dass ich so eine komische Frage überhaupt stellte, dass sie sogar aufs Schluchzen vergaß. „Liebe Chantal, ich denke, es ist ein Trugschluss zu meinen, nur Frauen müssten sich Mühe geben“, erklärte ich ihr, „Männer haben dem auch zu entsprechen?“ „Wenn ich es mir so überlege, hast Du recht“, erklärte sie, wobei ihr Tonfall ihre Aussage Lügen strafte, aber das ließ ich dahingestellt. „Pass auf, ich werde ihn treffen und ihn mit seinen eigenen Waffen schlagen“, erklärte ich ihr und schrieb ihm eine Anfrage, in der ich ihn um eine Verabredung bat. Wenige Minuten später war dies geschehen. „Was hast Du vor?“, fragte Chantal verunsichert.


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