Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!
Sophie saß im Stall bei Lilly, die tief und fest schlief, ohne sich Sorgen zu machen. Ganz im Gegensatz zu Sophie, die vor lauter Angst nicht schlafen konnte. Vor ein paar Stunden hatte ihr ihr Vater eröffnet, dass Lilly und ihre Geschwister am nächsten Morgen abgeholt werden würden. Schließlich hatte der Vater einen sehr guten Preis für sie bekommen, was er nicht ausschlagen konnte und auch nicht wollte, denn schließlich war es sein Geschäft. Sein Geschäft! Das bestand darin, dafür zu sorgen, dass Schweine geboren wurden, aufwuchsen und, sobald sie groß genug waren, geschlachtet wurden. Was sollte das für ein Geschäft sein, jemanden ins Leben zu bringen, bloß um es ihm kurz darauf wieder zu nehmen?
Natürlich war Sophie auf dem Hof aufgewachsen und lange Zeit hatte sie nicht darüber nachgedacht, doch vor ungefähr einem Jahr war ihre Mutter so schwer krank geworden, dass ihr Vater es für gut befand, Sophie zu ihrer Tante zu schicken. Diese Tante, die Schwester ihres Vaters, nahm sie herzlich auf und Sophie durfte überall mitarbeiten. Ja, Tante Erna hatte auch Tiere, nur nutzte sie diese nicht. Vielmehr hatte sie viele aus schlechter Haltung gerettet. Jetzt durften sie auf dem Hof so lange in Ruhe leben bis sie natürlich starben. Dort wurden die Tiere nicht weit vor der Zeit ermordet. Nun fühlte sich die Mutter wieder stark genug, um sich um das Mädchen zu kümmern, auch um ihre Pflichten als Hausfrau. Deshalb durfte Sophie wieder nach Hause kommen. Natürlich war das Mädchen froh, dass es ihrer Mutter wieder gut ging, aber sie war auch traurig, denn sie wollte gerne bei Tante Erna und den glücklichen Tieren bleiben. Es war, als würde sie aus dem Paradies direkt in die Hölle geschickt werden. Diese Hölle hieß Leid und Ausbeutung. Jetzt, da Sophie erlebt hatte, wie wunderbar Schweine waren und auch alle andere Tiere, wie viel Lebensfreude sie zeigten, jetzt war es richtig schlimm für das Mädchen. Aber es kam noch dramatischer. Eine Muttersau, die natürlich keinen Namen, sondern nur eine Nummer hatte, schenkte 14 Ferkeln das Leben. Zwei starben knapp nach der Geburt, was Sophies Vater nicht unrecht war, denn schließlich gab es für 14 Babies zu wenige Brüste zum Trinken. Auch, wenn er mit Unterstützung eines Pharmaerzeugnisses dafür gesorgt hatte, dass es mehr Babies gab als Möglichkeiten sie zu nähren, war ihm der Schwund, wie er es nannte, egal. Elf Ferkel waren gesund und munter. Da war nur mehr eines, das zwar nicht starb, aber zu schwach war, um aus eigener Kraft zu überleben. Einen Kümmerling nennt man dies in der Fachsprache. Es ist üblich, diese unbrauchbaren Lebewesen ebenso rasch wie brutal zu töten. Beim Mittagessen erzählte der Vater von diesem Kümmerling und dass er sich nach dem Mahl um dieses kümmern würde. Sophie hörte es und wusste, sie musst handeln. Wenn sie schon sonst nichts tun konnte, so musste sie zumindest dieses eine retten. So bat sie ihren Vater, er möge ihr das Baby schenken, weil er es doch nicht wollte. Sie würde sich darum kümmern. Der Vater zuckte nur mit den Achseln und gestattete es großmütig, wobei er es nicht unterlassen konnte, anzumerken, dass das vergebene Liebesmüh wäre, denn das Viech würde sowieso krepieren. Einige Tage lang schwebte das kleine Schweinemädchen, dem Sophie den Namen Lilly gegeben hatte und mit der Flasche aufzog, zwischen Leben und Tod, doch sie erholte sich und nun sprang sie lustig auf der Wiese herum. Das durften ihre Geschwister nicht. Am Abend blieb Sophie noch lange bei Lilly, die sich an ihre Retterin kuschelte. Dennoch war für den Vater klar, auch Lilly würde zum Schlachter kommen. Und Sophie war verzweifelt. Was sollte sie tun? Sie würde es nicht zulassen, dass der Vater ihr dieses Baby wegnahm und einfach so töten ließ, bloß, dass ein Haufen Saufköpfe ein paar Minuten Genuss hatten. Dieser wäre schnell vergessen, aber Lilly wäre für immer tot. Natürlich hatte keines dieser kleinen Kinder dies verdient, aber alle konnte sie sowieso nicht retten. Schließlich wusste Sophie noch nicht einmal, wie sie Lilly vor dem Abgeschlachtet werden bewahren sollte. So saß sie im Stall, streichelte Lilly gedankenverloren, während ihr die Tränen über das Gesicht liefen. Was sollte sie tun?
Hier kommst Du zu Teil 2 und zur Antwort, wie Sophie die Situation gemeistert hat.


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