Liebe Tierrechtsaktivist*innen!

Liebe Tierrechtsaktivist*innen! – Aktivismus

Wir sind diejenigen, die sehen, was andere nicht sehen, sehen es, obwohl wir aufgehört haben, es zu verursachen, und die, die es nicht sehen, fahren fort es zu verursachen. Die Rede ist von diesem unfassbaren Leid, das sich in Statistiken findet, auch nur näherungsweise, weil es keine große Rolle spielt, ob 1.000.000 oder 10.000.000 oder 100.000.000. Es spielt keine Rolle, weil diese Lebewesen, die dieses menschengemachte, ihnen von Menschen aufgezwungene Leid jeden Tag ihres Lebens ertragen müssen, gar nicht als solche gesehen werden, sondern als ein atmendes Produktionsmittel zur Befriedigung unserer obskuren Bedürfnisse.

Die Armbanduhr mit dem Krokolederband, für das ein Krokodil sterben musste oder die noblen Schuhe aus Schlangenleder, für die eine Schlange gehäutet wurde. Kein Mensch hat ein besseres oder schlechteres Leben, wenn er kein Krokolederband hat oder Schlangenlederschuhe. Es würde ihm nichts abgehen, aber das Krokodil oder die Schlange haben ein schlechteres Leben und recht bald keines mehr, ihnen geht was ab, ihre Freiheit und letztendlich ihr Leben. Wir sehen nicht die teuren Dinge, die sich jemand leisten kann, weil er oder sie in der Gesellschaft weit oben steht, indem er oder sie viel Geld verdient oder zumindest so tut als ob, sondern wir sehen einen unfassbar ignoranten Menschen, der für sein Prestige oder seine Selbstdarstellung oder Befriedigung des Ego Mitgeschöpfe in den Tod schickt. All diese Millionen, nein, gar Milliarden. Sie haben keine Namen, keine Geschichte, eigentlich noch nicht mal wirklich ein Dasein, weil sie auch keinen Ort haben, keinen Platz, an dem sie sich ausstrecken können, keine Minute, die ihnen gehört, kein Spiel, kein Licht, keine Freude, kein Miteinander, nur Funktion. Und weil wir es sehen, was andere nicht sehen, möchten wir sie dazu bringen, es auch wahrzunehmen, ernstzunehmen, zu verstehen, einzusehen, was sie anderen antun. Wir erzählen davon, von den Müttern und den Kindern, die niemals Mütter und Kinder sein dürfen, nur Ware, von den Vätern, die nur dazu da sind, die Kinder zu zeugen. Eingepfercht, versteckt, entrechtet. Wir erzählen es, in der Hoffnung, dass wir verstanden werden, doch stattdessen werden wir angefeindet, bekämpft, diffamiert, beschimpft und angegriffen. Die Freund*innen, die Familie, die Arbeits- oder Studienkolleg*innen, die Mitschüler*innen, alle sind ratlos, wie es so weit kommen konnte, dass jemand, den sie kannten oder zu kennen glaubten, plötzlich so komisch wird und das Leid der Tiere aufzeigt, weil sie es nicht sehen wollen, weil sie in ihrer Blindheit verharren möchten und sich nicht schlecht fühlen wollen wegen ihres Tuns oder das Tun anderer, das in ihrem Auftrag geschieht, das ständige Ausbeuten, Quälen und Morden. Und dann geschieht etwas Seltsames, eigentlich Unfassbares. Nicht, dass sie sagen, es ist schrecklich was wir machen und wir wollen sofort damit aufhören, nein, sie erklären uns zu denen, die radikal, militant, extrem sind. Militant, radikal und extrem ist man offensichtlich, wenn man Leben schützen, Leid beenden will, aber normal und gemäßigt, wenn man daran festhält, Leid zu verursachen und Leben zu vernichten. Eigentlich lässt es einen fassungslos zurück, doch es ist eigentlich ganz einfach. Wenn man etwas macht, was nicht in Ordnung ist, aber es die meisten machen, dann wird nicht darüber geredet, ja es wird unter Verschluss gehalten, denn schließlich wollen alle gute Menschen sein. Das widerspricht aber dem eigenen Gut-sein. Verdrängung auf allen Ebenen ist die Devise. Dann kommt plötzlich jemand daher und weist frech darauf hin, zieht ans Licht, was im Dunklen bleiben soll und zeigt damit, dass es nicht in Ordnung ist, was sie machen. Man hat nun zwei Möglichkeiten, sein Verhalten ändern und den Aktivist*innen recht geben oder sein Verhalten beibehalten und die Aktivist*innen verteufeln. Wir erleben zweiteres. Abgesehen vom Schmerz, den wir empfinden über das Leid, finden wir uns unter Menschen wieder, die uns plötzlich wie Monster erscheinen, unverstanden, isoliert und ausgestoßen. Deshalb ist es wichtig, sich mit anderen auszutauschen, die einen verstehen, sich zur Not freizumachen von den Menschen, die einem nicht guttun. Miteinander, Trost und die Gewissheit, das Richtige zu tun. Denn egal, was man uns antut, es kann nie so schlimm sein, wie das, was unseren nicht-menschlichen Mitgeschöpfen zugemutet wird.

Mir ist es ein Anliegen, Euch zu sagen, dass ihr großartige Menschen seid, großartig im Einsatz, im Engagement und Eurem Mitfühlen mit den Allerschwächsten in unserer Gesellschaft. Es ist Eure Standhaftigkeit, Eure Aufrichtigkeit und Eure Konsequenz, die es ermöglichen, dass Änderungen geschehen. Ich möchte Euch danken für Euer Durchhaltevermögen, die Kraft und den Mut, die ihr einbringt. Bleibt dran und lasst Euch nicht entmutigen, denn die Tiere haben niemanden außer uns, die sich für sie einsetzen. Mit jedem Mal, das wir auf der Straße stehen oder vor einem Schlachthof oder einem Zirkus oder einem Zoo oder uns mit Menschen auseinandersetzen, ihnen unsere Sicht darlegen, wächst die Chance auf eine wirkliche Befreiung. Es ist nicht leicht, aber es ist unumgänglich. Wir sind ihre Hoffnung. Es ist ein anstrengender Weg der kleinen Schritte, der uns alles abverlangt, psychisch und physisch, aber ihr habt ihn begonnen. Lasst uns die Hände reichen und so weitergehen, denn gemeinsam sind wir stark. Immer mehr werden sich uns anschließen und wir werden eine Welt erschaffen, in der jede und jeder glücklich, frei, unbeschwert und seinen Bedürfnissen gerecht leben darf.

Danke für Euren Einsatz, für Eure Selbstlosigkeit. Lasst sie uns im Miteinander immer mehr entfalten.

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