Ablenkungsmanöver

Ablenkungsmanöver – Aktivismus

Nach einem langen, arbeitsreichen Tag sitze ich hier auf der Wiese des Lebenshofes, auf dem wir heute mitgeholfen haben. Eine Kuh grast neben mir. Ihr Kälbchen springt auf dem Grün herum und freut sich des Lebens. Da ist plötzlich etwas, was es schreckt. Ich kann nicht ausnehmen, was es ist, doch es läuft sofort herbei und versteckt sich hinter der Mutter. Da ist es sicher. Auch die Schweine wühlen in der Erde, die kleinen und die großen. Hühner picken oder graben im Sand, legen sich hinein, denn es ist ein sehr warmer Tag. Die Hauskatze schnurrt und streicht um meine Beine. Das Kälbchen kommt neugierig näher. Sie beschnuppern sich, um sich zu begrüßen. Sie kennen sich. Beide sind ungefähr zur gleichen Zeit auf den Hof gekommen. Es ist, wie es sein soll. Idyllisch, friedlich und vertrauensvoll. „Euch wird nichts geschehen“, denke ich, während ich durch das samtene Fell der Katze streiche. Vielleicht ist es langsam Zeit in den Stall zu gehen. Sie wissen, wann der rechte Moment dafür ist.

Ein Kälbchen, das bei seiner Mutter ist. So wie es sein soll.
Die Hühner, die picken und scharren, mit ihren Küken, wenn es welche gibt. So wie es sein soll.
Die Schweine, die ihre Jungen aufzieht, ihnen ein Nest baut. Für sie singt. So wie es sein soll.

Kuhmuttermilch ist für Kuhbabies, nicht für Menschen.
Schweinemütter möchten sich um ihre Babies kümmern, nicht von ihnen getrennt werden.
Küken wollen aufwachsen können, nicht geschreddert werden.
Alle drei Spezies wollen leben, nicht Futter für den Menschen sein, der es nicht braucht, der andere Möglichkeiten hat sich zu ernähren.

Kaum, dass man diese Sätze sagt, wird man angegriffen.
Der Mensch hat schon immer Milch getrunken.
Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen.
Den Tieren ginge es eh gut.
Der Profit schwindet.
Die sog. Ersatzprodukte sind schlecht.
Die sog. Nutztiere würden aussterben, wenn wir sie nicht nutzen.
Die Nährstoffe, vor allem die Vitamine, würden uns fehlen.
Die Menschen haben in die Bibel geschrieben, dass Gott uns erlaubt hat, sie zu unterwerfen.
Und viele andere Argumente mehr, die keinen Wert haben und nur dem Eingeständnis aus dem Weg gehen wollen:

Ja, wir sind Menschen, die keine Skrupel haben, Tiere auszunutzen, zu misshandeln, zu massakrieren und zu missbrauchen, für unsere Nahrung, unsere Kleidung, unsere Medizin, unsere Kosmetik, unsere Unterhaltung. Es ist uns völlig egal, wie es ihnen dabei geht, wir wollen es nur nicht sehen. Schließlich werden dafür andere bezahlt, dass sie uns diese Zustände fernhalten. Wir haben kein Problem, dass wir die Natur und die Wildtiere wegen unserer Gier nach mehr Fläche für die Ausgebeuteten, zerstören. Die nachfolgenden Generationen sind uns egal. Wir wollen unsere Gier befriedigen.

Doch es sagt niemand, wohl auch, weil sich das nicht nach gutem Menschen anfühlt, sondern nach dem, was es ist: Lebewesen, die anderen alles absprechen, was sie haben, in ihrem Größenwahn und ihrer Machtgier.

Ganz schnell führt die Diskussion weg, von den eigentlich Leidtragenden, zu den Menschen, die jene angreifen, die den Schmerz, die Trauer und das Leid nicht hinnehmen wollen. Es macht mich traurig und wütend, zu erleben, in fast allen Gesprächen aufs Neue, dass die ausgeblendet werden, um die es eigentlich geht, um unsere Mitgeschöpfe.

Aber ganz gleich, wie oft ich beschimpft wurde und werde, wie viel Aggression mir entgegenschlägt, es ist kein Vergleich zu dem, was die Tiere durch die aushalten müssen, die mich angreifen, weil ich für sie meine Stimme erhebe. Und ich weiß, ich bin nicht allein.

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2 Kommentare

  1. Oh nein, Du bist nicht alleine!
    und doch… noch viel zu wenige sind bei Dir und mir, bei uns, die wir unsere Stimme für unsere Mitgeschöpfe in dieser Welt, auf dieser Erde, erheben. Viel zu wenige, die sehen, was wir alles zerstören und wieviel Leid wir erzeugen – doch ALLE werden es zu spüren bekommen, wenn diese Welt, unsere Erde, von uns mehr und mehr, immer schneller zerstört wird.
    …vor allem unsere Kinder, Enkelkinder und mit ihnen die gesamte Tier- und Pflanzenwelt.
    Danke für Deine Worte, vielleicht… vielleicht denken ja mal mehr Menschen nach und um, ändern endlich und schnell ihr Verhalten… Die Hoffnung, das es schnell genug sein wird – sie schrumpft bei mir jeden Tag ein Stück mehr…

    1. Liebe Nadine! Vielen Dank für Deinen einfühlsamen Kommentar. ich kann nur sagen, ich sehe es genauso. Leider denke ich mir manchmal, die Menschheit hat es sich verdient, zu verschwinden, wenn da nicht die wären, die unschuldig mituntergehen, die Tiere, die Natur und alle Menschen, die sich nicht an dem Wahnsinn beteiligen. Ich habe keine Hoffnung mehr, aber das macht nichts. Wir werden uns weiter einsetzen. Und ja, ich spüre, ich bin nicht alleine, Dein Kommentar zeigt es. Alles Liebe, Daniela

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