„Lasst uns Veganer triggern“

"Lasst uns Veganer triggern" – Alle Geschichten

„Ich will wieder einmal Veganer triggern“, schrieb er und als Behelf diente das Bild von einem Steak. Das fand er dann lustig. Eigentlich wollte er Veganer*innen ärgern. „Das macht so Spaß, wenn sie sich aufregen über ein Stück Fleisch“, meinte er eigentlich damit, aber das hört sich viel zu altbacken an, triggern macht mehr Spaß, denn es klingt so englisch. Dabei bedeutet triggern eigentlich nichts anderes, als etwas auszulösen wie einen Affekt, eine Empfindung etc. Das klingt schon weniger nach lustvoller Befriedigung eines kindischen Bedürfnisses. Aber wahrscheinlich meint er gar nicht triggern, sondern er will Veganer*innen, ethisch motivierte Veganer*innen, die mit den anderen Lebewesen mitleiden und deshalb alles dafür tun, was in ihrer Macht steht, kein Leid zu verursachen, ärgern. Auch das hat der Schreibende nicht verstanden, denn in seiner Sicht sind es wohl nichts weiter als moralinsaure Kostverweigerer, die in Panik verfallen, wenn ihnen ein Stück Kadaver gezeigt wird. Was für ein verengtes Weltbild muss man haben, dass es einem einen Kick gibt, mit dem Leiden anderer zu prahlen.

Lieber Triggerer! Nein, Dein Stück Fleisch triggert mich nicht. Ich denke mir höchstens, das was Du mir zeigst, das hat es schon überstanden. Dann denke ich an dieses wunderbare Lebewesen, das für dieses Stück Fleisch, das für nichts anderes gut sein soll, als andere zu provozieren, sein Leben lassen musste. Mehr noch, ich denke an seine Qualen, die es seit seiner Geburt erleiden musste. Eigentlich ist es für die Tiere in der Ausnutzungsindustrie eine Erlösung, der Tod. Aber wie sinnlos! Das alles siehst Du nicht, denn Du kannst über das Stück Fleisch nicht hinausdenken. Wie armselig muss doch ein Leben sein, dass Du Freude daran hast, anderen ständig vor Augen zu führen wie mental und emotional minderbemittelt Du bist. Natürlich könnte ich dabei stehen bleiben und sagen, Du hast Dich als herz- und hirnlos geoutet, als jemand, der es gut findet, dass unsere nicht-menschlichen Lebewesen leiden, mehr noch, die es super finden. Also kurz gesagt, der dazu steht ein desolater Tierausbeuter zu sein. Herzlichen Glückwunsch zu so viel Offenheit und Selbsterkenntnis. Aber damit ist noch lange nicht alles gesagt, denn er gibt nicht nur zu verstehen, dass er herz- und hirnlos ist, sondern auch noch ein vehementer Verfechter der angeblichen Mehrheitsmeinung. Er tut es nicht nur, weil es Spaß macht, Veganer*innen zu ärgeren bzw. einen Affekt auszulösen, sondern er will vor allem gelobt werden, von denen, die sich im Recht meinen, einfach weil sie die zahlenmäßige Majorität darstellen. Er bringt damit zum Ausdruck, dass er ein mitlaufender Speichellecker ist. Würden jetzt alle anfangen Hundefleisch zu essen, würde er auch da mitmachen, einfach, weil es cool ist, so viele Menschen um sich zu haben, die der gleichen Meinung ist. Ob das Sinn macht oder nicht, ob das, was man macht, gut oder schlecht ist, ob es nicht gar zerstörerisch ist, spielt keine Rolle, denn das Wichtigste ist, in der Masse mitzuschwimmen und zu verkünden, ich mache, was alle machen, weil es alle machen. Und weil die Veganer*innen in der Minderheit sind, die lieben Tierchen so schützen wollen, ist es lustig, ihnen zu zeigen, dass ich das ermorden toll finde. Dafür muss ich es selbst gar nicht so empfinden, denn es genügt zu wissen, dass ich in der Mehrheitsmeinung aufgehoben bin.

Lieber, armer Triggerer! Nein, Du triggerst mich nicht. Du schaffst es noch nicht einmal, mich zu ärgern. Aber ich kann davon etwas lernen. Nicht nur, dass Du ein kleiner, feiger Massenmensch bist, der sich wie ein Fähnchen im Wind dreht, sondern vor allem, dass der Mensch an sich offenbar weder Mitgefühl noch Verstand kennt, wenn es darum geht, sich sein eigenes Bild zu machen. Modeerscheinungen ersetzen das eigene Denken und die Empathielosigkeit das Mitgefühl. Schade für Dich. Aber letztendlich wirst Du genauso anfangen Fleischesser*innen triggern zu wollen, wenn es einmal als normal, natürlich und notwendig erachtet wird, Leben zu schützen. Das bedeutet aber auch, dass es nicht darum geht, dazuzulernen, sondern nur darum, eine Mehrheit zu erzeugen, die in die andere Richtung zieht. Dann wirst Du genauso mitschwimmen, wie zuvor mit der anderen Strömung. Schade nur, dass es so viele von Dir gibt, die sich zwar mit dem Leid unserer Mitgeschöpfe, das wir verursachen, nicht auseinandersetzen wollen, aber jederzeit kampfbereit sind, wenn man nichts weiter tut, als ihnen vorzuleben, dass es möglich ist, Leid zu vermeiden.

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