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Life is too short for boring stories

„Du liebst mich“, denkt er, „Und eigentlich hast Du mich schon immer geliebt. Du hast es Dir nur nicht eingestanden, nicht zugestanden. Wie ein Licht in der maroden Dunkelheit, eine Positionierung inmitten der Unbestimmtheit Deines armen, trostlosen Lebens. Doch was, so hattest Du Dich sicher gefragt, was, wenn ich Dich verlassen hätte, wenn Du es Dir eingestanden hättest. Ich hätte es tun müssen, irgendwann, aber dass Du mir zuvorgekommen bist, das konnte ich nicht hinnehmen, um Deinetwillen.“ Er stellt die Kaffeetasse weg. Es war an der Zeit, sein Werk zu vollenden.

„Eine Woche ist es nun her, dass Du diesen unsäglichen Ausspruch getan hast“, sagt er in die Dunkelheit hinein, in der sie da war, „Nein, Du hast es nicht ausgesprochen. Du hast es mir geschrieben. Wie feig Du doch bist. Obwohl, als ich Dich dann bat, mich noch einmal zu treffen, da schafftest Du es zuzusagen. Du bist also doch nicht so feig. Aber Du wirst verstehen, dass ich Dich nicht gehen lassen konnte. Du hast es nicht gleich begriffen, aber ich konnte Dir Zeit geben, eine Woche, in der Abgeschlossenheit, ohne Ablenkung, bewegungslos. Damit Du endlich erkennst, was gut für Dich ist. Drei Mal am Tag kam ich, brachte Dir zu essen und zu trinken. Doch vor allem fragte ich Dich, ob Du nicht endlich zur Vernunft gekommen wärst. Du warst es nicht, dabei war ich mir sicher, dass Du es inzwischen besser wissen müsstet. Aber ich hatte auf Deine verdammte Sturheit vergessen, die Dich veranlasst eine Entscheidung beizubehalten, auch wenn Du daran zugrunde gehst. Und das wärst Du, hätte ich es zugelassen, dass Du mich tatsächlich verlässt. Armes, kleines, uneinsichtiges Mädchen. Wie kann man nur so klug und gleichzeitig so uneinsichtig sein. Es geschieht alles nur zu Deinem Besten. Einmal am Tag habe ich Dich gevögelt. Du wolltest es nicht, hast Du gesagt. Deshalb ließ ich die Fesseln dran. Dein Körper sprach eine andere Sprache. Nie würde Dich jemand mehr so gut vögeln wie ich. Auch das hast Du negiert. Und jetzt, wo die sieben Tage um sind und Du immer noch keine Einsicht hast, da musste ich Dich mit anderen Mitteln überzeugen. Dabei hätte es so schön sein können. Immer und immer wieder habe ich es Dir gesagt, so schön, wenn Du auf Dein Herz und nicht auf Deine Angst gehört hättest, die Dich dazu verführte, mich verlassen zu wollen. Ich weiß schon, Du wolltest es nicht wirklich. Du weißt es auch, im Grunde genommen. Du konntest es nicht zugeben. All das weiß ich. Natürlich, es hätte Dir irgendwann das Herz zerrissen, wenn ich Dich verlassen hätte. Aber so wäre es richtig gewesen, nicht, dass Du das machst. Weißt Du, dass das sehr ärgerlich ist, nachdem ich Dich würdig befunden hatte, meiner Person und meines Schwanzes. Aber Du kannst froh sein, ich habe alles wieder in Ordnung gebracht, was Du durcheinandergeworfen hattest. Jetzt ist wieder alles, wo es hingehört. Ich frage mich nur, warum Du es unbedingt darauf ankommen lassen musstest. Immer wieder habe ich es Dir erklärt, aber Du hast es nicht verstanden. Nichts hast Du verstanden. Dabei hattest Du sieben Tage Zeit gehabt, sieben Mal 24 Stunden der absoluten Kontemplation. Jetzt ist die Zeit abgelaufen. Und jetzt weißt Du, dass Du mich liebst, für immer.“ Er nimmt den Spaten in die Hand und schaufelt die Erde in das Loch, verschließt es mit den vorbereiteten Brettern, um dann nochmals auf die Uhr zu sehen. Er hatte noch ausreichend Zeit, zu duschen und sich umzuziehen. „Du läufst mir nicht mehr davon, nie wieder“, denkt er, bevor er den Raum verlässt und sorgfältig hinter sich abschließt.

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