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Life is too short for boring stories

Ein wunderschöner Frühlingssonnentag. Ich beschließe, mich mit meinem Buch in die Wiese zu legen. Um mich herum blühen die Blumen und erhalten viel Besuch. Überall summt und brummt es. Die Menschen dürfen nicht zueinanderkommen, aber die Natur folgt ihrem Rhythmus, völlig unabhängig von den unbehaarten Zweibeinern. Ich lege das Buch nieder, um den fleißigen, geflügelten Tierchen zuzusehen. Wie leicht ich mich ablenken lasse. Aber das Leben ist spannender als jedes Buch. Das läuft mir nicht davon, aber diese Blumen werden nur eine gewisse Zeit blühen. Die leuchtenden Farben, der Duft, den sie aussenden, sind nur allzu verlockend. Ein wunderbares, reibungsloses Zusammenspiel, bei dem jede Seite gewinnt, ohne sich zu verschwenden oder auszubeuten. Natürlich ist mir bewusst, dass es in der Natur auch sog. Parasiten gibt, die ihren Wirt nach und nach so ausnehmen, dass er daran zugrunde geht, aber der Großteil lebt in einer Symbiose. Sie finden sich ihre Nischen und Überlebensstrategien, die nicht auf Kosten anderer gehen. Es gibt nur eine Spezies, die in allem was sie tut, auf diese Grundweisheit zu vergessen scheint. Das ist der Mensch. Die Spezies, der auch ich angehöre, mit diesem ungeheuer großen Gehirn, das ihn dazu bringt, aus blühenden Wiesen, grüne Wüsten zu machen, die Insekten und all die anderen Kleinlebewesen zu verscheuchen und diese Art der Denaturierung auch nach als schön zu empfinden.

Aber ich habe das Glück inmitten der blühenden Blumen zu liegen, die wachsen wie sie wollen. Zunächst war es auch nur Gras, aber jetzt leuchten dazwischen weiße, violette, gelbe und orange Blüten. Der Wind hat die Samen hierhergetragen oder die Vögel. Und wo sie niederfallen und ihr Stückchen Erde finden, in der sie ihre Wurzeln verankern können, wachsen sie. Wie es ihre Bestimmung ist, wie es auch meine wäre. Zu wachsen, mehr zu werden, mit der Erfahrung, mit der Begegnung.

So wie in der Begegnung mit Dir. Unwillkürlich schweift mein Blick von der Wiese weg, den Nussbaum entlang nach oben, bis er sich im Himmel verliert, der so weit ist, wie meine Gedanken, scheinbar unbegrenzt und umfassend, dennoch wie ein Schirm über der Erde. Er ist so weit weg, wie Du. Seit Wochen schon. Ich merke wie die Betrübnis darüber meine gedankliche Weite einengt. Ein wenig beleidigt, aber auch traurig fühle ich mich, weil ich nicht einsehe, dass Du schon lange weit weg bist, wie der Himmel. Es ist ungerecht, dass es nicht zu enden scheint. Verdrossen verschränke ich die Arme vor der Brust. Gefangen in dieser Kleinlichkeit verliere ich die Farbenpracht, die Lebensfreude und gar die Neugierde aus dem Blick. Selbstmitleid verengt die Wahrnehmung. Da spüre ich ein Kitzeln auf der Haut. Es sind die Sonnenstrahlen, die mich necken, ein klein wenig wie Du, wenn ich mir einbilde, ich müsse mir leidtun. Aber auch wie die Wärme Deiner Berührung. Meine Haut erinnert sich, an diese Nähe und das Vertrautsein und das Miteinander. Ganz nahe bist Du mir in diesem Moment, in dem Du doch so weit weg bist, weil Du Dich unverrückbar in mein Leben eingebracht hast, ganz gleich wie weit Du weg bist oder wie lange. Nichts kann mir dieses Gefühl des Mit-Dir-seins wieder nehmen, nichts es auslöschen, so dass auch das Lächeln zurückkehrt und die Offenheit. Ich blicke empor zum Himmel, diesem strahlendblauen, wolkenlosen Himmel und mit einem Mal weiß ich, dass es dieser Himmel ist, der uns auch in dieser Zeit des Getrennt-seins verbindet. Er umspannt die Erde hier, genauso wie an dem Ort, an dem Du Dich aufhältst. Wenn wir unseren Blick erheben, dann finden wir uns dort, so wie wir auch wieder zusammenkommen werden. Niemand weiß wann und wo, aber ich bin wieder voller Zuversicht, dass es sein wird. Denn der Himmel lügt nicht. Unwillkürlich umspielt ein Lächeln meine Lippen. Ich schicke es Dir, so wie einen Kuss und eine Umarmung und all die belebenden Gedanken, die ich mehr ahne, als dass ich sie ausformuliere. Es ist nicht notwendig, denn Du verstehst mich, auch so oder vielleicht gerade so. Es ist gut wie es ist, sich im Leben zu finden, in sich, in Dir und im Miteinander, mit dem Himmel über uns, der uns beschirmt und behütet, so wie wir uns.

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