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Life is too short for boring stories

„Du neigst immer wieder zu Übertreibungen“, konstatiertest Du messerscharf, „Aber im Ernst, was hast Du eigentlich gegen Frauen, die sich bemühen, nett und adrett auszusehen.“

„Ich habe nichts gegen Frauen, die sich bemühen, nett und adrett auszusehen“, erklärte ich nachdenklich, „Ich kann nur nicht verstehen, dass es Menschen gibt, und das sind nicht nur Frauen mittlerweile, die bei jedem Fältchen, das sie entdecken, sofort zur Kosmetikerin laufen, um sie sich aufspritzen zu lassen und in Panik verfallen, wenn sie jemand so alt schätzt wie sie sind. Das scheint mir so viel nutzloser Zeit- und Energieaufwand. Dabei gäbe es so viel Wichtigeres zu tun.“

„Du meinst also, es gibt tatsächlich Wichtigeres als Botox, Hyaluron & Co.?“, fragtest Du, mit diesem speziellen Unterton, den ich nur allzu genau kannte und der mir offenbarte, dass Du etwas Bestimmtes im Sinn hattest, aber ich beschloss für den Moment, es zu ignorieren.

„Ja, das gibt es!“, erwiderte ich mit dieser unerschütterlichen Gewissheit, die ich mir schwer erarbeitet hatte.

„Und was könnte das sein?“, erwidertest Du, immer noch mit diesem Unterton.

„Spielen, zum Beispiel“, antwortete ich kurz und knapp, während ich zwei Quietschentchen ins Wasser setzte, „Eins für Dich und eins für mich.“

„Ist das jetzt Dein Ernst?“, meintest Du und Dein Unterton hatte sich in vorwurfsvoll oder ungläubig gewandelt, je nach Interpretation.

„Nein, ernst ist das gar nicht, sondern verspielt“, entgegnete ich, „Es ist sowieso viel zu viel Ernst im Leben, obwohl, wenn man das Spiel wirklich spielt, dann muss es doch mit einem gewissen Ernst geschehen, also im Sinne von Konzentration oder Dabei-sein. Am schönsten ist es, wenn man sich gänzlich im Spiel verliert und ganz bei der Sache ist. Das kann einem auch bei der Arbeit passieren und das ist dann wie ein Spiel.“

„Das lass mal nicht die Konservativen hören. Arbeit kann keine Arbeit sein, wenn man Spaß daran hat. Arbeit kann nur Arbeitsleid bedeuten und nicht Freude. Wer Spaß an der Arbeit hat, der bekommt nicht den nötigen Druck. Der ist nicht ausgelastet“, gabst Du zurück.

„Also Du meinst, dass alles was Spaß macht, nicht Ernst ist und was nicht Ernst ist, das darf ein erwachsener Mensch nicht machen. Außer es ist in der Freizeit und dann muss der Spaß am besten viel Geld kosten und nicht bloß darin bestehen, dass man zwei Quietschentchen hat, die sich im Wasser tummeln, mal untertauchen, unter Dir durch und miteinander spielen, wenn Du es schon als unter Deiner Würde empfindest“, warf ich ein.

„So ähnlich denke ich mir das, ja, so könnte ich es gelernt haben, also Du wahrscheinlich auch“, meintest Du.

„Und weißt Du auch, warum wir das gelehrt bekommen?“, hakte ich nach, um die Frage auch gleich selbst zu beantworten, „Weil Menschen, die Freude an ihrem Tun haben, glücklicher sind, die sich im Tun verlieren, miteinander etwas bewegen und ihren Freiraum nutzen. Und diese glücklichen Menschen konsumieren weniger und sind seltener krank. Mit einem Wort, glückliche Menschen ruinieren die Wirtschaft, aber tun sich selbst gut. So wie beim Liebesspiel.“

„Also jetzt gehst Du aber zu weit!“, warfst Du rundweg vor, „Du willst doch nicht sagen, dass die Liebe ein Spiel ist.“

„Doch, weil sie die gänzliche Präsenz erfordert, ein sich einlassen, ein Miteinander und ihren Raum“, erklärte ich sanft, „So wie das Leben. Also wahres lebendiges Leben ist Liebe ist Spiel ist Spiel ist wahres lebendiges Leben.“

„Es klingt fast, als wäre es austauschbar“, sagtest Du sinnend, „Leben ist Spiel ist Liebe ist Spiel ist Leben.“

„Wer wirklich lebt, der lässt sich gänzlich darauf ein, verliert sich darin, im Moment, denn Leben ist immer nur der eine Moment, in dem wir sind, nichts weiter“, meinte ich, „So wie ich mich jetzt auf den Moment einlasse, in dem ich hier mit Dir in der Badewanne bin und wir uns unterhalten. Das ist ein gelebter Moment, wenn wir wirklich ganz präsent sind.“

„Und man darf keinen Moment ungenutzt verstreichen lassen, sondern ihn annehmen, wie er uns geschenkt wird?“, fragtest Du.

„Genauso ist es. Ich wusste ja, dass Du es verstehst“, antwortete ich, erfreut darüber, einfach mal verstanden zu werden.

„Ich wollte nur sicher gehen“, sagtest Du, woraufhin Du energisch die Quietschenten aus der Badewanne bugsiertest und mich auf Deinen Schoß. Ja, und wie wir den Moment mit Lebendigkeit erfüllten, das überlasse ich Eurer Phantasie.

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