Die Rückkehr

Ich bin gegangen, meine Wiese, den schwarzen Stuhl, meinen fast fertig gefügten Gedanken und Dich, vor allem Dich, hinter mir lassend.

 

Ich bin gegangen, und kein neuer Gedanke wollte sich finden gefügt zu werden, denn die Wunde war noch nicht verheilt.

Ich bin gegangen, lange und weit, mir eine neue, jungfräulich unberührte Wiese zu finden, doch ich fand keine und konnte es wohl auch nicht, denn mein Blick war verklebt vom Gewesenen.

 

Ich bin gegangen, eine neue Begegnung zu erfahren, doch Dein Bild war, und es stand im Weg, stand vor den anderen Gesichtern, als gäbe es immer nur eines, Deines.

 

Ich bin gegangen, sah den Sommer enden, und auch den Herbst.

 

Was hatte es auf sich, mit all dem Kommen und Gehen? Was hatte es auf sich, mit all dem Werden und Vergehen? Was hatte es auf sich, mit all dem Leben und Sterben? Was hatte es auf sich mit all dem Atmen, immer ein und aus? Ich war von jeglicher Antwort weiter entfernt als je zuvor.

 

Ich bin gegangen, und in einem Moment sah ich auf, und erkannte, dass ich wieder dort war, woher ich gekommen war, auf meiner Wiese. Sie hatte sich verändert, war beruhigt unter einer dichten Schneedecke. So wie ich meinen schwarzen Stuhl und meinen fast fertig gefügten Gedanken mit einem Leichentuch bedeckt hatte, so war es nun die ganze, meine Wiese.

 

Ich bin gegangen, barfuß, über dieses Leichentuch aus jungfräulich weißem Schnee, der es nicht vermochte meiner Wiese die Unschuld zurückzubringen, Nichts kann verloren Unschuld wiederbringen, höchstens den Anschein erwecken.

 

Ich bin gegangen, barfuß, über den weißen Schnee, ohne eine Spur zu hinterlassen, ohne einzusinken, als würde mich sogar der Schnee abweisen, mich nicht annehmen, mich zurückverweisen auf das Gehen.

 

Ich bin gegangen, barfuß, über den weißen Schnee, bis zu der Stelle, an der ich den schwarzen Stuhl und den fast fertig gefügten Gedanken vermutete.

 

Ich bin gegangen, die Schneedecke herabzuziehen, aufzudecken, was nicht aufgedeckt werden sollte, und unter dem Leichentuch fand ich sie vor, völlig unversehrt.

 

Ich bin gegangen, weit und lang, nur um wieder zurückzukehren, als könnte ich nicht anders, da ich gegangen war ohne abgeschlossen zu haben. Ich band den Stuhl auf meinen Rücken, setzte meinen fast fertig gefügten Gedanken darauf und bedeckte beides wieder mit dem Leichentuch, mitten im Leben den Tod zu gewahren, mahnend und vollstreckend. Nahtlos schloss sich die Schneedecke wieder. Und als ich aufsah, bemerkte ich Dich, am anderen Ende der Wiese, die einstmals meine gewesen war, die mich nun so spröde abwies. Du warst in Tätigkeit begriffen, wie immer. Ich konnte mich nicht erinnern Dich jemals anders gesehen zu haben.

 

Ich bin gegangen, über die mich abweisende Schneedecke, zum anderen Ende der Wiese, zu Dir.

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