Das namenlose Geschlicht (7): Wenn Nerven Funken sprühen

Sacht waren ihre Berührungen, sacht und fordernd zugleich. Ich schloss die Augen, um mich gänzlich auf das Fühlen einzulassen. Ihre Finger wirkten wie eine Aufforderung, stießen Nerv um Nerv an, die sich in Schwingung versetzten, lösten kleine Funken aus, wie einen Sprühregen, der sich über das weitverzweigte Netz der Nervenbahnen, ergoss, ausgehend von meiner Klitoris, von meiner Vagina, die sie synchron stimulierte. Nervenbahnen, die sich verzweigen, wie ein graziles, dichtes Geflecht. Und die Knotenpunkte waren die Lichter. Eines um das andere entzündete sich, eine lebendige, helle Flamme, mich mit Licht und Wärme erfüllend. Jedes einzelne schimmerte in einer anderen Farbe. Bunte Lichtspiele, die sich ausbreiteten, erglühen ließen, von meiner Mitte, zu meinem Herzen, zu meinem Kopf, sich vereinten mit den Gedanken, bis das Fühlen Gedanken und die Gedanken Fühlen waren.

Jede einzelne ihrer sinnlichen Zuwendungen waren, als würde sie eine Wasseroberfläche durchbrechen und eine Welle auslösen, die sich ausbreitete, sich vereinte mit den anderen, zu einem Ineinandergreifen und Vereinen, hinabreichend bis zum Grund. Ausgehend von der Oberfläche meiner Haut, die von Wellen der Empfindsamkeit überspült wurden, sich überschneidend, vereinend, übergreifend, ineinander findend, unter die Oberfläche verstärkend, Schicht um Schicht, bis hinauf zum Kopf, bis in die Finger-, in die Zehenspitzen.

 

Ihre Berührungen waren die Anfrage, meine Bewegungen die Antwort. Ein wortloser, einfühlsamer Dialog, sich gegenseitig verstärkend. Je reger die Funken sprühten, die Wellen sich erhoben, desto stärker und intensiver wurde ihre Anfrage, bis sich in einem letzten Aufbäumen manifestierte, dass das Lichterwerk in einem Feuerwerk kulminierte, das im Ausklingen mich mit Licht und Wärme durchfluteten, die Wellen sich in eine Fontäne hinaufschraubten, die sich über mich ergoss. Inspirierend, belebend, beflügelnd. Meine Sinne waren geschärft und sensibilisiert. Als ich ihre Lippen sanft auf den meinen spürte.

 

Ihr entgegen, in den Kuss, der wie eine Besiegelung war, öffnete ich die Augen. Es war nicht notwendig zu fragen, ich sah es, dass es ihr ebenso ergangen war. So dass ich sie lächelnd in die Arme schloss, meine Hände an ihrem Körper, um ihn ganz nahe an meinem zu spüren, denn es war erst der Anfang, ein erster Anstieg, ein kleiner Gipfel, von dem aus sich die nächsten bereits abzeichneten.

 

„Kannst Du es zuordnen?“, fragte sie unvermittelt, während sich die Wogen langsam glätteten und die Lichter zu einem sanften Glimmen wurden.

„Nein, es war überall, ohne Trennung oder Vereinzelung, überall, in meinem Körper, in meinem Denken, in meinem Fühlen“, sagte ich, dem Erlebten nachspürend, „Wie eine Vereinigung von Himmel und Erde, bei der alle Grenzen sich in Luft auflösen und alles Eins wird, wie die göttliche Yoni. Jetzt weiß ich, dass es keinen anderen Namen geben kann, der alles zusammenfasst und wirklich Ausdruck sein kann.“

„Den Namen hätten wir also gefunden“, meinte sie, sich ein wenig von mir wegdrückend, um mich ihr Lächeln sehen zu lassen.

„Aber wie können wir es vermitteln? Wie können wir erklären, was sich nur im Erleben erweist?“, meinte ich nachdenklich.

„Würde es nicht genügen, wenn jede Frau achtsam mit sich umgeht und sich auf sich selbst einlässt?“, erwiderte sie gelassen und voller Vertrauen.

„Auf sich selbst einlassen, sich selbst entdecken, das wäre wohl der Ausgangspunkt“, gab ich ihr recht, „Und wenn ich mich auf Dich einlasse, Dich entdecke, dann ist es, als würde ich mich auf mich selbst einlassen, mich selbst entdecken, und doch Du. Es ist Du und ich in einem, in Gleichklang und Harmonie.“

„Es ist wie ein Sich-Spiegeln und Spiegel-sein zugleich“, bestätigte sie.

„Aber ich möchte noch mehr wissen, mehr erfahren, mehr sehen“, erklärte ich, da ich sie vorsichtig dazu brachte, sich auf den Rücken zu legen, die Arme neben ihren Kopf platzierend, „Ich möchte mehr.“

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