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Life is too short for boring stories

Der Dia.log der Einheit, Ganzheitlichkeit, von Leib und Seele, der das Getrennt-sein noch nicht kennt, im Raum des vorsprachlichen, unartikulierten Wortes, wird gebrochen, indem wir sprechen lernen. Ganz natürlich, ganz menschlich, gehen wir in die Gebrochenheit und erachten es als Fortschritt. Was ja wohl auch seine Berechtigung hat, wenn man die Möglichkeit hat schnell und einfach darum zu bitten, dass einem das Salz gereicht wird oder man mit der Nachbarin den neuesten Tratsch verbreiten kann. Doch wenn ich durch den Wald gehe, wenn ich mich einlasse auf die Stille und meine Gedanken, die das Neu-entdeckte der letzten Tage durchspielen, weiterspinnen und neue Gedanken gebären, wenn ich mich an deren Werden und sich gegenseitig Befruchten erfreue, wenn sich ganz neue Konstellationen und Verknüpfungen finden, dann fällt es mir schwer die richtigen Worte zu finden, wenn mir eine flüchtige Bekannte über den Weg läuft und mich zwingt höflich zu sein, und höflich zu sein bedeutet mich in Konversation zu üben. Genauerhin im Small Talk, oder was es noch besser zum Ausdruck bringt, im Fast Talk.

Ein schnelles Gespräch, nichtssagend, bedeutungslos. Phrasendreschereien. Nichts was wert ist behalten zu werden. Schade um all die schönen Worte, die da sinnlos verschleudert werden. Schnell, weil die paar höflichen Floskeln gleich einmal heruntergeleiert sind, und dann verabschiedet man sich wieder, denn jeder hat es eilig. Wir gehen schon davon aus, dass der andere es eilig hat und wenn es der andere nicht eilig hat, dann fühlt er sich dazu genötigt dies zu rechtfertigen.

 

„Ausnahmsweise, ganz ausnahmsweise, habe ich es nicht eilig. Ich habe heute einen freien Tag“, wird dann gesagt, wobei diese freien Tage dann vollgestopft werden, zumeist, mit all den Freizeitverpflichtungen, die man meint schnell einmal abhaken zu müssen. Ein schnelles Gespräch, das rasch vorübergeht, nicht tangiert, aber doch all die schönen Gedanken und Erkenntnisse von gerade eben vertreibt, und das für etwas, das nicht des Wortes wert war.

 

Fast Talk, weil es fast ein Gespräch ist, im Sinne von beinahe. Es benutzt zwar Worte, die einen aber nichts angehen. Es geschieht zwischen Dir und mir, doch es werden vorgefasste Antworten erwartet und gegeben, denn man will ja nicht unhöflich sein. Was soll denn der andere von einem denken. Doch die eigentliche Missachtung des Anderen liegt in diesen Beinah-gesprächen.

 

Dia.log im gebrochenen sprachlichen, artikulierten Sinne zeichnet sich durch Achtsamkeit aus, Achtsamkeit für Dein mich Ansprechen, auf die Wahl Deiner Worte und die Gesamtheit Deines Sprachbildes, Deine Mimik, Gestik, Deine Blicke und Bewegungen. Achtsamkeit macht aus einem Fast Talk einen Dia.log, in dem wir gemeint sind. Das ist Höflichkeit sich die Zeit zu nehmen Dir in der Achtsamkeit auf die Worte, die für Dich Inhalt und Bedeutung haben, Aufnahme und Annahme zu sein. Da bin ich auch bereit meine Gedanken fahren zu lassen, für Dich leer zu werden, damit ich Dir Platz bin für Deine Ankunft, dass ich Dich so weit verstehe, wie es nur irgend möglich ist.

 

Vollkommenes Verstehen ist in einer Welt der sprachlichen, artikulierten Worte nicht mehr möglich, in der die Bedeutung schwankend ist, doch eine Annäherung ist möglich, wenn ich bereit bin offen und achtsam zu sein, wenn ich bereit bin mich auf Dich einzulassen. Achtsamkeit ist der Schlüssel, der einzige Schlüssel zu einem Verstehen, das über den bloßen Wortsinn weit hinausgeht, das Dich meint und Dich annimmt, das nicht im Vorübereilen geschieht, sondern im Stehenbleiben und auf Dich Einlassen, dass Dir Einladung ist zu Dir selbst, dass sich lebt und entwickelt und weitet und verstärkt in der Gegenseitigkeit des Werdens.

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