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Life is too short for boring stories

Heiter und leicht und beschwingt.

Anbeginn und Verheißung und Erwartung.

Der Himmel ist blau.

Und Du siehst es.

Die Luft ist warm.

Und Du spürst es.

Der Duft des Glücks liegt in der Luft.

Und Du riechst es.

Der Geschmack der Vorfreude benetzt Dich.

Und Du schmeckst es.

Anbeginn und Verheißung und Erwartung.

Heiter und leicht und beschwingt.

Es sollte doch bleiben, dieser Anbeginn, doch er wandelt sich und wird zu einer Fortsetzung, in der mehr von Dir gewollt wird, mehr zu geben, vor allem, mehr von Dir. Denn Du bist gemeint, bist herausgerufen aus dem Einerlei in eine Einzigartigkeit, bist herausgefordert zu Dir selbst. Und Du lässt es zu, ein kleines Stück lässt Du es zu, dass Du erkannt wirst. Ein kleines Stück lässt Du es zu, dass Du Dich zu erkennen gibst. Doch dann geht es auch über dieses kleine Stück hinaus, und Du merkst, dass Du Dich der Stelle näherst, an dem Du Deinen Schmerz verborgen hast, einen Schmerz, den Du ganz tief in Dir vergraben hast. Es gibt weder eine Bezeichnung der Stelle noch einen Plan. Du hast Dir geschworen sie nie mehr wieder zu finden, doch Du wirst dorthin geführt. Zielsicher scheinbar. Und Du schreckst zurück. Es ist gefährlich. Nie wieder, hast Du Dir geschworen. Für einen Moment denkst Du, dass Du es mit dieser Hand in Deiner schaffen kannst, endlich daran zu rühren, an dieser immer noch schwelenden, wenn auch verborgenen Wunde. Ganz nahe, so nahe wie noch nie zuvor, lässt Du es zu, dass Du geführt wirst. Du rührst daran. Bloß an der Oberfläche. Ein Schauer durchzieht Deinen Körper und Dein Herz. Du schreckst zurück. Dabei war es doch nichts weiter als ein Vorgeschmack auf den richtigen Schmerz. Doch es genügt, dass Du Dich zurückziehst, doch die Hand in Deiner will es nicht zulassen, will mit Dir weitergehen, aber Du schaffst es nicht. Lieber die Hand loslassen, die so warm und sicher in Deiner liegt. Lieber wieder zum Anbeginn und zur Verheißung und zur Erwartung zurückkehren, als den Schmerz zu durchleiden und die Wunde zu heilen. Lieber in einem Stadium der verhaltenen Zuneigung verbleiben, als Tiefe und Intensität zuzulassen.

Weil Du gemeint hast, dass es möglich ist zu lieben, und dennoch ganz zu bleiben, ganz so, wie Du zuvor warst, doch die Liebe ist ein Sturm, der alles, was Du bisher warst, durcheinanderwirbelt. Nichts mehr bleibt so wie es war. Nichts kann bleiben wie es war, denn die Liebe ist die existentielle Erschütterung. Aber der Sturm, der Dich durcheinanderwirbelt, der Dich erschüttert, er legt Dein Innerstes frei, das Du doch so sorgsam versteckt und geheim gehalten hast, vor aller Augen, für so lange Zeit. Selbst vor Deinen eigenen Augen. Du hast es gewusst. Eigentlich hast Du es gewusst, und Du meintest, es könnte sein. Diesmal. Dieses eine Mal. Doch dann bist Du doch wieder zurückgeschreckt und wolltest lieber alles im Geheimen belassen, als zur Liebe geheilt zu werden.

So ließest Du lieber die Hand los, die sich doch so gut anfühlte, die Dir so viel Sicherheit und Zutrauen schenkte, als Dich preiszugeben und verwundet zu zeigen. So löstest Du lieber die Umarmung, die Dir wohl tat, Dir Geborgenheit und Vertrauen schenkte, als Du Dich in Deiner Zerstückelung zu erkennen. So entzogst Du Dich lieber der Berührung, die Dich so wärmte, tief unter die Haut drang, Dich umgab wie ein Schutzschild, als sie  bis in Dein Innerstes dringen zu lassen, in dem zuerst der Schmerz war, bevor die Heilung käme.

Heiter und leicht und beschwingt. So wolltest Du es haben. Wie am Anfang, doch einen Anfang gibt es nur am Anfang, so dass Du gingst, um Dir diesen neuen Anfang zu suchen.

Aus: Geschichten über die Liebe und andere Absonderlichkeiten

4 Gedanken zu “Meinst Du, Du kannst lieben und ganz bleiben?

  1. Darpan sagt:

    Puuuhh, liebe Daniela!

    Das geht wieder einmal unter die Haut!!

    Lieber Gruß, Darpan

    1. novels4utoo sagt:

      Vielen Dank. Es freut mich sehr, das zu lesen. Liebe Grüße, Daniela

  2. nimue2016 sagt:

    Ich weiß nicht, mein erster Kommentar hat sich wohl ins Nirwana verabschiedet. 🙁 😉

    Auf jeden Fall, DAS „sitzt“ mal wieder!!

    Danke sehr. So gerne würde ich das an E. weiterleiten!! Ich lass es aber bleiben. 🙂

    Lieber Gruß, Darpan

    1. novels4utoo sagt:

      Nein, nein, der ist schon angekommen. Das verstehe ich gut. Es gibt wohl mehr Menschen, die in sich gehen sollten. Liebe Grüße, Daniela

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