Zum Welttag der streunenden Tiere
Erwachsene Menschen wissen, was sie tun. Wenn sie sich ein Tier nehmen und es zu ihrem Haustier, also 100%ig von ihnen abhängig, machen, dann sehen sie die Tragweite der Entscheidung ein. Wohlüberlegt und alles genau abwägend, was damit in Zusammenhang steht, so gehen sie an die Entscheidung heran. Natürlich ist ihnen bewusst, dass die Verantwortung für ein Tier, das man zu seinem Besitz macht, ein Leben lang andauert. Also ein Tierleben lang. Aber das braucht man niemanden zu erzählen.
Hunde werden mitunter 18 Jahre alt. Katzen bisweilen 25. Pferde noch älter. Schildkröten überhaupt sehr alt. Wenn man sich kümmert. Ja, sie setzen sich mit der bestimmten Spezies und deren Eigenheiten genau auseinander. Sie wissen Bescheid. Niemals würden sie sich ein Tier nehmen, das nicht zu ihnen passt. Auch keine Qualzucht, das wäre doch zu dumm.
Die Menschen sind sich auch im Klaren darüber, dass ein Tier krank werden kann. Deshalb versichern sie sie, um nicht von den Kosten überrascht zu werden. Oder sie legen jedes Monat einfach so ein wenig Geld beiseite, weil die Tierarztrechnungen häufiger werden, je älter ein Tier wird. Dafür haben sie auf jeden Fall vorgesorgt.
Außerdem sind sie so klug, dass sie wissen, mit dem Urlaub wird es vielleicht nichts, weil sie ihr Tier auf gar keinen Fall alleine lassen wollen. Da kann man eben nichts machen. Niemals wären sie so egoistisch, das Tier deshalb zu vernachlässigen. Oder sie haben schon vor der Anschaffung dafür gesorgt, dass es jemanden gibt, der sich um das Familienmitglied kümmert. Ganz zweifellos.
Es würde auch niemanden einfallen, sein Tier den ganzen Tag alleine zu lassen, bloß weiß man arbeiten gehen muss. Das überlegt man sich im Vorhinein und weiß, ja, man hat genug Zeit für das Tier, das man sich gefügig macht und das auf den Menschen angewiesen ist. Wäre man zu dem Schluss gekommen, ich habe nicht genug Zeit, dann würden sie sich erst gar keines nehmen. So gerne sie auch wollten.
Auch dass man sich während Corona ein Tier genommen hat, weil man ja im Home Office oder einfach nur in Quarantäne ist, das hat auch kein vernünftiger Mensch gemacht, denn es war jedem klar, dass auch Corona wieder vorbeigeht und dass danach alles wieder so sein würde wie zuvor. Und wenn in diesem Zuvor kein Platz war im Leben für ein Tier, dann würde es danach auch wieder so sein.
Auf gar keinen Fall werden Tiere zu Weihnachten verschenkt, schon gar nicht an Kinder, deren Aufmerksamkeitsspanne und Interesse so lang ist wie die Hutschnur, die mir reißen würde, würde so etwas jemand tun. Aber das passiert ja nicht, außer in der komischen Phantasie von Geschichtenschreiberinnen. Weiß doch schließlich jeder, Tiere sind keine Geschenke, sondern eine Verantwortung, die Kinder nicht ermessen, geschweige denn übernehmen können.
Und selbstverständlich gibt es niemanden, der sich ein bestimmtes Tier zum persönlichen Gebrauch nimmt, um es wieder abzuschieben, wenn es den Gebrauch nicht mehr erfüllt, wie ein Galgo, der zu langsam.
Und obwohl das alles ganz bestimmt nicht passiert und sowas von außerhalb alles Möglichen liegt, wie jede bestätigen wird, gibt es auf der Welt geschätzte 900.000.000 Straßentiere.
Und trotzdem gehen die Tierheime über, weil immer wieder Lebewesen einfach vor ihre Türe gesetzt werden.
Und dennoch pflanzen sich diese Tiere, die auf die Straße gesetzt werden, hurtig weiter, weil Kastration kostet Geld.
Und trotzdem werden immer wieder Tiere entdeckt, die krank oder verletzt sind und darunter leiden, weil der dazugehörige Menschen keine Anstalten macht für die ärztliche Versorgung aufzukommen.
Und dennoch werden Jahr für Jahr tausende Galgos aufgehängt, erschlagen, ins Meer geworfen oder man lässt sie verhungern. Nicht nur Galgos, auch andere Jagdhunde trifft es, aber da sind die Jäger meist so gnädig, sie zu erschießen.
Und trotzdem findet man jedes Jahr zur Urlaubszeit Tiere, die irgendwo ausgesetzt werden, weil man sie gerade nicht brauchen kann. Man muss einsehen, dass deren Bedürfnisse sich nicht ein paar Wochen verschieben lassen.
Und dennoch werden immer wieder Tiere entdeckt, die verhungert oder verdurstet sind, weil der Mensch sie einfach zurücklässt. Aus den Augen aus dem Sinn.
Und obwohl alle immer vernünftig, tierlieb und umsichtig handeln, passiert das.
Und ich frage mich, wie kann das sein, wo doch der Mensch über so ein großes Gehirn verfügt. Wäre schön, wenn er es auch ab und zu nutzen würde, vor allem, wenn es um Gedeih und Verderben eines anderen Lebewesens geht.


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