Zum Welt-Baumpflanztag
Kultur und Zivilisation ist das Beste, was uns passieren konnte. Wir wohnen in Häusern oder Wohnungen, die warm sind, gedämmt, geheizt und mit Strom versorgt, für die Beleuchtung, das Kochen, das Waschen und mit fließendem Wasser ausgestattet, zum Duschen, zum Baden und für vieles andere. Und weil jeder immer mehr Wohnraum will, am besten umgeben von einem eigenen Garten, der zwecks der Territorialität umzäunt ist, damit jede weiß, wo man sich aufhalten darf und wo nicht. Und weil man immer von diesem Wohnraum braucht, weil bald jede allein lebt, wird auch immer mehr gebaut, am besten in Stadtnähe, wodurch sich die Stadt immer mehr vergrößert. Natürlich braucht es auch noch Infrastruktur, Straßen, Parkplätze, Schulen, Parkplätze, Einkaufszentren, Parkplätze, Einkaufsgelegenheiten ohne Zentrum, Parkplätze und Arbeitsplätze mit Parkplätzen.
Um all das zu bauen und der braven, arbeitsamen, konsumierenden, sich amüsierenden Bevölkerung stellen zu können, muss man immer mehr bauen. Dafür braucht es Ressourcen. Beliebt sind solche, bei denen, die es sich leisten können, die sogenannten nachwachsenden Stoffe. Holz zählt man darunter. Obwohl sehr viele Dinge, die jetzt aus Holz gemacht werden, besser aus Hanf produziert werden kann, besser, flächenschonender und effizienter, aber was kümmert das, wenn die Holzlobby schlägern will und massiv in die Werbung investiert. Hanf wächst in 100 Tagen bis zu vier Meter hoch. Ein Baum braucht viel länger. Und da ist noch nicht der Zusammenhang mit dem Ökosystem bedacht, über und vor allem auch unter der Erde. Aber wen schert das schon, wenn man abholzen und verschwenden kann. Außerdem werden in Österreich ja mehr Bäume gepflanzt als gefällt, heißt es. Das mag wohl stimmen, aber was für Bäume werden gesetzt? Solche, die schnell, hoch wachsen. Deshalb werden sie in Monokulturen angesetzt, in Reih und Glied, damit sie auf einmal geschlägert werden können. Das bedeutet, kommt es dazu, dass ein Schädling sich gütlich tut, hat er ein weitreichendes Büffet und so vermehrt er sich hurtig. In Wäldern, in denen die Bäume, die er braucht, weiter voneinander entfernt stehen, braucht es schon sehr viel mehr Aufwand, um genauso schädigend zu agieren. Die Erde als scheins unerschöpfliche Ressource für unsere Bedürfnisse.
Nun gibt es Menschen, die sich denken, nein, man kann einen Wald auch einfach lassen. Man muss nicht alles nutzen, wachsen, gedeihen, blühen und leben lassen. Das ist ganz einfach, indem man einen Wald kauft, also wenn einer auf den Markt kommt, dafür ein Gebot abzugeben und der Verkäufer, der bisherige Besitzer gibt den Wald ab. Der Übergang des Besitzes wird im Grundbuch vermerkt. Am besten gründet man noch eine gemeinnützige Stiftung mit dem Wald als Einlage bzw. Gründungskapital, damit der Wald nicht nur während der Lebenszeit des neuen Besitzers geschützt wird, sondern auch danach, für immer, was man mit einer Stiftung tun kann, indem dies in der Stiftungsurkunde festgelegt wird. Und einen Wald zu kaufen kann doch in einer Welt des freien Handels nicht anders sein, als irgendein anderes Gut. Denkt man zumindest. Aber dem ist ganz und gar nicht so.
Wenn in Österreich ein Wald verkauft wird, dann legt man ein Angebot. Dieses geht zur Grundverkehrskommission, die das öffentlich aushängt. Im Falle, dass sich jemand meldet, der laut Gesetz befugter ist, als irgendein dahergelaufener Mensch, z.B. ein Forstwirt oder ein Landwirt, möglicherweise sogar ein Gastwirt, aber das weiß ich nicht so genau und der dasselbe zahlt, erhält er den Vorrang. Dann muss man wieder anfangen zu suchen. Es ist aber sogar möglich, dass diese Grundverkehrskommission sagt, nein, an Dich wird kein Wald verkauft. Warum nicht? Weil Du den Wald nicht nutzt, mehr noch, Du willst ihn einfach in Ruhe lassen. Das kann doch niemand mitansehen, so eine Rücksichtslosigkeit gegenüber der Zivilisation, denn nur wer Wald zerstört, ihn mit Monokulturen zu Grunde richtet und am besten noch engmaschig mit Jagd belegt, der ist der wahre Naturkenner. Doch wer sich erdreistet, die Natur einfach sich selbst zu überlassen, dem kann man keinen Wald geben.
Zusammengefasst kann gesagt werden:
Nur wer glaubwürdig dafür einsteht, einen Wald zu zerstören, darf ihn kaufen.
Wer glaubwürdig dafür einsteht, einen Wald zu schützen, darf keinen haben.


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