„Diese Truhe gehörte tatsächlich Ihrer Großmutter“, wich der Antiquar noch aus, „Ich habe sie quasi in Verwahrung genommen, als Ihre Eltern dringend Geld brauchten, überzeugt davon, dass es wirklich nur vorübergehend wäre. Doch die Zeit verging und ich wurde ein wenig unsicher, aber was machte das schon. Ich bin überzeugt, Ihre Eltern brauchten das Geld wirklich dringend und ich nicht.“
„Das stimmt“, gab ihm Tia recht, „Aber möchten Sie mich nicht duzen?“, fragte sie unvermittelt, da es ihr schon etwas komisch vorkam, wo sie doch gerade einmal 16 war.
„Gut“, nahm er ihr Angebot an, „Aber nur, wenn Du es auch tust. Ich heiße Justus. Wie ist Dein Name?“
„Tia“, antwortet sie knapp.
„Also gut, Tia, wie viel Geld hast Du denn?“, fragte Justus weiter.
„€ 800,–, aber ich bin fleißig und schaffe auch den Rest zu sparen“, zeigte sie sich eifrig.
„Davon bin ich überzeugt“, erklärte Justus, „Deshalb folgender Vorschlag. Ich überlasse Dir die Truhe für € 800,–, wenn Du mir ein Jahr lang jeden Samstag im Geschäft hilfst. Was sagst Du dazu?“
Tia war sprachlos. Nie im Leben hatte sie damit gerechnet, dass es so freundliche, verständnisvolle Menschen geben könnte. Vor allem, da sie Luis kannte, der immer mit dem angab, was er hatte.
„Hat es Dir die Sprache verschlagen?“, unterbrach Justus amüsiert ihre Gedanken.
„Ja, ich weiß nicht, was ich sagen soll“, brachte Tia stotternd heraus, „Ich bin so glücklich und ich würde alles tun, für diese Truhe. Ich kann es gar nicht glauben.“
„Glaub es ruhig“, sagte Justus lachend, „Und wenn Du magst, kannst Du bei mir lernen, wie man Möbel restauriert und den Wert erkennt.“
„Das ist großartig!“, stimmte Tia zu und weil sie nicht anders konnte, umarmte sie den alten Mann. In dem Moment betrat Luis das Geschäft.
„Hallo Opa“, sagte er knapp, „Was soll das werden? Seit wann lässt Du Dich von so einem Gossenkind umarmen?“
„Guten Tag Luis“, antwortete der Großvater ruhig, „Dieses Gossenkind, wie Du sie so despektierlich nennst, ist ein toller Mensch, fleißig und zielstrebig. Eigenschaften, die Dir komplett fehlen.“
„Du hältst die da also für besser als mich, Deinen Enkel?“, spitzte er die Aussage seines Großvaters zu.
„Ich halte sie für einen guten Menschen“, meinte der alte Mann ausweichend, da er um das aufbrausende Temperament seines Enkels wusste, „Und ich bin überzeugt, dass Du noch viel lernen musst.“
„So siehst Du das also?“, fragte Luis grimmig, „Dann hast Du einen Enkel gehabt. Du wirst mich nie wieder sehen. Aber Du hast ja jetzt die da.“ Damit wandte er sich um, rannte aus dem Geschäft und knallte die Türe so fest zu, dass man meinen mochte, das Glas würde zerspringen.
„Es tut mir so leid“, sagte Tia tonlos, nachdem sie den ersten Schock überwunden hatte.
„Ist schon gut“, tat es Justus ab, aber Tia erkannte seine Traurigkeit, „Du kannst Dir die Truhe holen, wann immer Du willst. Und dann sehen wir uns am Samstag.“
Nachdem Tia sich nochmals bedankt hatte, rannte sie so schnell sie konnte nach Hause, um das Geld zu holen.
„Warum so eilig?“ fragte Ernst, ihr ältester Bruder, als sie durch den Garten lief, während dieser gemeinsam mit Fritz, dem Zweitgeborenen, Holz hackte.
„Ich freue mich so, dass ihr da seid, weil ich Euch was erzählen muss und weil ich so glücklich bin“, schoss es aus Tia geradezu heraus, um ihnen dann genau zu schildern, was passiert war.
„Das freut mich ungemein“, meinte Ernst, „Aber was meintest Du, wie Du die Truhe nach Hause bringen würdest?“
„Ich kann mich erinnern, wenn das die Truhe der Großmutter ist, dann ist sie doch zu groß, um sie einfach wegzutragen“, fügte Fritz hinzu, „Warte kurz, ich hole den Leiterwagen.“ Und während ihr Bruder tat, was er angekündigt hatte, lief Tia in ihr Zimmer, das sie sich mit ihren Schwestern teilte und holte das Geld. Wenige Minuten später waren sie unterwegs, um die Truhe zu holen. Voller Vorfreude lief Tia voran, während ihr ihre Brüder lächelnd folgten. Es war so schön, ihre kleine Schwester so glücklich zu sehen. Vor allem, nachdem sie der Tod der Großmutter so mitgenommen hatte. Für einen Moment entschwand Tia ihrem Blickfeld, denn sie war bereits um die Ecke gebogen. Da vernahmen sie einen Schmerzensschrei. Die beiden jungen Männer liefen nun so schnell sie konnten und als sie um die Ecke bogen, packte sie unbändiger Zorn, denn Tia, ihre kleine Schwester, lag bewusstlos am Boden und ein Bursche hatte sich über sie gebeugt, als würde er etwas suchen.
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2 Kommentare
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nice 🙂
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Thank you!
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