Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!
„Mararete, Liebes, wollen wir unseren Hochzeitstag so feiern wie immer“, fragte Wilhelm Blümel seine Frau. Mit „wie immer“ war das Gasthof zur Kastanie gemeint, dem Restaurant, in das er seine Frau, mit der er nunmehr 50 Jahre verheiratet war, zum ersten Mal ausgeführt hatte. Seitdem war es ihr bevorzugtes Lokal. Die Hochzeitstafel hatte ebenso dort stattgefunden wie die Feiern zur Geburt ihrer immerhin drei Kinder, die folgenden Hochzeits- und Geburtstag. Das Gasthaus war ebensowenig dasselbe geblieben, wie die beiden Eheleute. Doch während das Wirtshaus aus bescheidenen Anfängen immer größer und facettenreicher geworden war, waren die Menschen alt geworden. Mit jedem Jahr gab es weniger Feiern, denn die Kinder waren ausgezogen, hatten eigene Familien gegründet und der Kontakt war spärlich bis nicht vorhanden.
„Sehr gerne“, stimmte Margarete ihrem Mann zu, „Es ist doch eine wunderbare Gelegenheit, den Nachmittagskaffee dort zu nehmen und gleich einen Tisch zu reservieren.“ Gegen drei Uhr nachmittags brachen sie auf und genossen die Aprilsonne, die bereits an Kraft gewann und sie angenehm erwärmte.
„Was für ein Glück, dass wir im Juni geheiratet haben“, meinte Wilhelm, „Es war ein wunderschöner Tag gewesen und das Wetter hat uns noch kein einziges Mal im Stich gelassen.“
„Ich denke, es ist nicht ganz so, aber es ist wunderbar, dass Du selbst die verregneten Jahrestage als schön in Erinnerung hast“, erwiderte Margarete mit diesem sanften Lächeln, das ihr eigen war.
„Da kannst Du recht haben“, erklärte er nachdenklich, „Aber es war immer schön mit Dir. Wir hatten wohl auch schwierige Zeiten zu überstehen, aber es war trotzdem immer schön, weil wir zusammengehalten haben.“ Und sie gingen Hand in Hand, auch noch nach 50 gemeinsamen Ehejahren.
„Ihr wollt also wieder Euren Hochzeitstag bei uns feiern“, fragte die korpulente Wirtin, Maria Frisch.
„Oh ja, das möchten wir“, erklärte Margarete Blümel mit Nachdruck.
„Und wie viele Gäste erwartet ihr?“, fuhr Maria fort, „Kinder, Schwiegerkinder, Enkelkinder, Freunde …“
„Nur für uns zwei“, sagte Margarete leise, „Du weißt ja, wir haben unser Leben lang das Geschäft aufgebaut und dafür gesort, dass wir immer genug verdienten. Da war neben der Familie keine Zeit für Freunde und die wenigen, die wir hatten, die sind mittlerweile von uns gegangen.“
„Und die Familie?“, insistierte die Wirtin.
„Die Kinder haben den Kontakt so gut wie abgebrochen“, meinte Wilhelm traurig, „Sie geben uns die Schuld, dass wir nie Zeit hatten für sie. Und das stimmte wohl auch. Aber es war nicht leicht. Ich habe sie angerufen, aber sie haben keine Zeit.“
„Aber wir haben uns“, setzte Margarete hinzu.
„Das stimmt, Liebes“, stimmte Wilhelm zu.
„Also gut, dann ein Tisch für zwei“, resümmierte die Wirtin, verließ den Tisch und verschwand in der Schank.
„Habe ich das richtig verstanden?“, fragte leise Eleonore, die Tochter der Wirtin, ihre Mutter, „Die eigenen Kinder haben keine Zeit, um mit ihren Eltern den 50. Hochzeitstag zu feiern?“
„Ja, so ist es, genauso wie letztes Jahr und das Jahr davor“, meinte Maria achselzuckend, „So ist das Leben.“
„So ist das Leben, sicher, aber es gibt so viele Menschen, die haben keine Eltern mehr, weil sie allzu früh gestorben sind oder aus sonst einem Grund keine Verbindung haben und dann gibt es Eltern, wie diese, die keine Kinder haben oder solche, die nichts mit ihnen zu tun haben wollen. Das ist doch fürchterlich ungerecht“, meinte Eleonore ernst.
„Da hast Du recht, aber es gibt eben Dinge, an denen kann man nichts ändern“, meinte Maria achselzuckend.
„Vielleicht kann man nicht direkt was ändern, aber man kann zumindest etwas versuchen, etwas, was Menschen zusammenbringt …“, sagte Eleonore.
„Was meinst Du? Was hast Du vor?“, fragte Maria ihre Tochter verwirrt.
„Lass mich nur machen, ich habe da so eine Idee“, erklärte Eleonore kryptisch.
Einige Wochen später betraten das Ehepaar Margarete und Wilhelm Blümel das Restaurant und wurden zu ihrer Überraschung nicht zu einem Tisch für zwei Personen geführt, sondern zu einer langen Tafel.
„Aber wir sind nur zu zweit und haben nur für zwei reserviert“, erklärte Wilhelm Blümel verdutzt Eleonore, „Das kann nicht unser Tisch sein.“
„Machen Sie sich keine Sorgen, das ist ganz richtig“, sagte Eleonore lächelnd, „Nehmen Sie bitte Platz und lassen Sie sich überraschen.“
„Wollen Sie uns nicht verraten, was das wird?“, versuchte Margarete zu erfahren, doch Eleonore war bereits verschwunden. So setzten sich die beiden und harrten der Dinge, die da kommen mochten.
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