Gemeinsam

Gemeinsam – Aktivismus

Es geschah an einem wunderschönen Tag im Mai. Florian, Markus und Tobias wollten eine Wanderung machen. Jetzt, da sie endlich sechzehn waren, wollten sie unter Beweis stellen, wie mutig und tapfer sie waren. D.h. sie würden nicht nur ein paar Stunden durch den Wald gehen, bewehrt mit der Jause, die ihnen ihre Mütter eingepackt hatten, sie würden auch über Nach draußen bleiben, denn sie fürchteten weder Nacht noch Abgeschiedenheit. In dieser Hochstimmung, begleitet von den üblichen, mütterlichen Bekundungen der Besorgnis, verließen sie, aufrecht und mutig ihr Zu Hause. Natürlich, Mütter mussten so sein, denn sie waren schließlich auch nur Frauen, die eben sehr emotional und vor allem ängstlich waren. Da waren sie aus ganz anderem Holz geschnitzt, furchtlos, stark und unbesiegbar. Richtige Männer eben oder was sie sich eben unter richtigen Männern vorstellten.

So durchstreiften sie den Wald bis zur Dämmerung. Sie wollten gerade daran gehen, ihre Schlafsäcke für die Nacht auszubreiten, als sie ein klägliches Winseln vernahmen. Vorsichtig folgten sie dem Geräusch und fanden einen Fuchs, dessen Vorderlauf in einer Falle steckte. Florian, dessen Vater Tierarzt war, ging daran, den Fuchs aus seiner misslichen Lage zu befreien, als er mehr spürte als sah, dass hinter ihm eine Gestalt näherkam, die sich bedrohlich anfühlte. „Kommt, helft mir doch, ich kriege die Falle nicht auf“, sagte Florian im Umdrehen, als er erstarrte, denn hinter ihm stand Markus, einen dicken Ast bedrohlich erhoben. „Geh auf die Seite, ich werde diesem Mistvieh den Rest geben“, sagte er und Florian erschrak zutiefst. Aber was war von Markus anderes zu erwarten, schließlich war sein Vater Jäger und Schlachthofbesitzer. „Nein, das wirst Du nicht tun“, mischte sich endlich auch Tobias ein, scheuchte Markus weg, der sich das anstandslos gefallen ließ, weil Tobias seit Jahren Kampfsport betrieb und eindeutig der Stärkste war. Deshalb schaffte er es auch, das schwere Eisen zumindest so weit zu öffnen, dass die Pfote des Fuchses daraus entfernt werden konnte. „Danke“, sagte Florian, während Tobias die Falle zerstörte. Kein Tier sollte darin mehr leiden müssen. „Und was hast Du jetzt vor mit dem Vieh?“, höhnte Markus, „Willst Du ihn jetzt da langsam krepieren lassen, Du Gutmensch?“ „Immer noch besser als ein Schlechtmensch zu sein“, erwiderte Florian, „Nein, ich bringe ihn jetzt zu meinem Vater, der kann ihm sicher helfen.“ „Jetzt, Du spinnst ja“, meinte Markus, „Es ist mitten in der Nacht und wir sind kilometerweit von zu Hause entfernt.“ „Das ist mir egal“, sagte Florian überzeugt, „Ich werde alles versuchen, was mir möglich ist.“ „Ich komme mit Dir“, entschied Tobias. „Was seid ihr für Memmen, ihr Muttersöhnchen, alles wegen einem blöden Fuchs, den eh keiner braucht, den hätten wir krepieren lassen sollen“, zeterte Markus während Florian und Tobias ihre Sachen schweigend zusammenpackten. Während sich die beiden, den Fuchs vorsichtig tragend, auf den Weg machten, beschloss Markus, dass er auch alleine weit käme. Er brauchte schließlich niemanden.

Florian und Markus suchten sich den Weg zur nächstgelegenen Straße, von wo sie Florians Vater kontaktierten, der, trotz der späten Stunden, sofort kam, nachdem sie ihm die Situation erklärt hatten. Der Fuß musste dem Fuchs abgenommen werden, doch er war noch jung und lernte mit der Behinderung zu leben. Markus, der alleine zurückgeblieben war, tappte beim Rückweg zu seinem Schlafsack in eine weitere Falle und als sie ihn am nächsten Tag fanden, erging es ihm genauso wie dem Fuchs. Trotzdem eiferte er seinem Vater nach, sowohl als Jäger als auch als Schlächter, denn dieses Ereignis hatte nicht dazu geführt, dass er Fallen ablehnte, sondern dass sich sein Hass auf die Tiere konzentrierte, die es notwendig machten, solche Fallen überhaupt aufzustellen. Florian wurde Tierarzt und setzte sich für die Rechte der Tiere ein, während Tobias Tierarzt mit der Fachrichtung Homo Sapiens wurde. Befreundet blieben Florian und Tobias. Doch mit Markus verband sie nichts mehr.

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