Zerstörung am Meeresgrund

Zerstörung am Meeresgrund – Aktivismus

Wir haben uns gewöhnt. Das ist das eigentlich Fatale, die Gewöhnung. Egal ob es um die Verfolgung indigener Völker geht, deren Land man zu Monokulturen umbauen möchte oder das Fracking, das nicht nur mehr Energie verbraucht, als es bringt, was natürlich sehr vernünftig ist und dem Homo, der sich selbst als sapiens bezeichnet, wohlansteht, oder die Erdölbohrungen im Meer, die wohl auch einiges durcheinanderbringen oder die ganz normale, alltägliche Ausbeutung der Natur und unserer Mitgeschöpfe. Es wird seit 1962 davon erzählt, also nicht vom Fracking, aber vom Artensterben, die Vergiftung der Tierwelt mit Pestiziden und anderen Giften, die Verschmutzung und Zerstörung der Lebensräume und wir sind es müde, weil wir es ja eh wissen und uns daran gewöhnt haben. Erzählt uns doch mal was anderes, weil wir eh nicht gedenken, irgendetwas daran zu ändern. Aber warum passiert das alles?

Weil die Menschen, die es sich leisten können, immer mehr Ressourcen verbrauchen, um ihren Lebensstandard zu halten bzw. wenn möglich noch ausbauen. „Das steht mir zu, weil ich mir das leisten kann“, wird mir erklärt, egal ob es sich um den Privatjet, die Kreuzfahrt oder das Helikopter-Schifahren handelt. Aber auch ganz normal reiche Menschen ohne Privatjet verbrauchen viel mehr Ressourcen, als ihnen zustehen würden, legt man die Regenerationskraft der Erde zugrunde. Das ist die eine Seite. Die andere ist das Angebot. Natürlich wird es Unternehmen geben, die diese Nachfrage durch ein entsprechendes Angebot erfüllen wollen. Es geht ums Geld. Sehr, sehr viel Geld. Aber warum gibt es das Angebot? Weil es die Nachfrage gibt. Es ist eine typische Katze-in-Schwanz-beiß Geschichte. Natürlich kann man anführen, dass die bösen Konzerne immer mehr und mehr Geld machen wollen und deshalb die Ressourcen vergeuden, um das Angebot zu schaffen. Das stimmt wohl auch, ist aber nur eine Seite der berühmten Medaille. Denn die Menschen kaufen es. Müssten sie nicht, doch selbst wenn sie es nicht brauchen und dessen schon lange überdrüssig sind, zwingt eine gewisse soziale Stellung zu einer gewissen Lebensart, was Kleidung, Fortbewegungsmittel, Heim, Wahl des Urlaubszieles etc. betrifft. Gezwungen, weil man sonst nicht als zu einer gewissen sozialen Klasse zugehörig erkannt wird. Man könnte auch sagen, sie sind die Sklaven ihres eigenen Wertesystems. Es gehören also beide Seiten zusammengedacht, denn sonst werden sich immer die einen auf die anderen rausreden und den berühmten Schwarzen Peter zuschieben. Dabei ist offensichtlich, jeder, der sich beteiligt, trägt Verantwortung für sein Tun. Aber man putzt sich lässig ab und macht so weiter, wie bisher. Doch da gehen die Ressourcen tatsächlich aus. Auf der Erde, unter der Erde, am Festland. Und weil der Mensch doch ein findiges Wesen ist, kommt er auf neue Ideen, zumindest was die Ausbeutung von Rohstoffen betrifft.

Die neueste Errungenschaft ist, wenn man schon kaum mehr Nachschub an Land bekommt, diese von Stellen zu beziehen, die mit Wasser bedeckt sind. Z.B. vom Grund der Meere. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn dort hat noch niemand gesucht und wen schreckt das heutzutage noch ab, dass da ein bisschen Wasser ist. Schließlich haben wir – klug wie wir sind – die nötigen technischen Errungenschaften bereits gemacht und ziehen jetzt los, um unsere Abbautätigkeit am Meeresgrund fortzusetzen, denn die Rohstoffe liegen dort eh nur herum. Was spricht also dagegen, dass wir sie uns holen? Ja was eigentlich, schließlich gehört das Land dort niemandem und man kann sich ungestört davon bedienen, wenn man über die notwendigen Maschinen und das entsprechende Kapital verfügt. „Ich kann es mir leisten, neue Abbaugebiete zu erobern“, wird da großspurig getönt.

Das Titelbild zeigt, wie das aussehen wird. Die Versuche sind im vollen Gange. Am Meeresboden wird schweres Gerät aufgefahren, das den Lebensraum von Millionen Pflanzen und Tieren zerstört, auch die Lebensgrundlage, denn wie wir inzwischen wissen sollten, hängt alles miteinander zusammen. Die Lebewesen, die sich von den Pflanzen ernähren oder darin Zuflucht finden, sterben aus. Dann wiederum die Beutegreifer, die sich von diesen ernähren usw. bis hinauf zum Wal. Dazu kommt der ständige Lärm, der die empfindlichen Sonarsysteme der großen Meerestiere empfindlichst stören. Die Folge sind Orientierungslosigkeit und Zerstörung der sozialen Strukturen, da sie nicht mehr miteinander kommunizieren können. Jetzt, wo die Meere sowieso schon rettungslos überfischt sind, sie als Abladeplatz für unseren Wohlstandsmüll missbraucht werden, finden wir noch eine zusätzliche Zerstörungsmöglichkeit. Wäre man Zyniker, könnte man sagen, ist schon gut so, dann geht die Menschheit desto schneller unter. Kann man, muss man aber nicht. Man kann sich auch dafür einsetzen, dass diesem unseligen Treiben ein Ende gesetzt wird. Z.B. indem man Greenpeace unterstützt. Wer das nicht will, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen.

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