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Life is too short for boring stories

Diana hatte sich so sehr danach gesehnt, nach einem Halt, einem sicheren Hafen und jemand, der ihr zuhörte, für sie da war, wo sie sich fallen lassen und schwach sein konnte. Nach all den Jahren, in denen sie sich alleine durchs Leben gekämpft hatte, für ihre zwei Kinder da war und sich selbst aufrecht halten musste. Für sie, ihre Kinder. Ja, sie war verheiratet gewesen, doch so lange sie sich zurückerinnern konnte, war dies eher eine Erschwernis, als eine Erleichterung gewesen. Auch wenn in ihrem Hinterkopf immer der Gedanke wohnte, sie könne sich nicht trennen, denn dann hätte sie niemand mehr, der sie unterstützte. Realistisch betrachtet hatte sie auch nie jemand gehabt. Es war nichts weiter, als eine Illusion gewesen. Selbst als er noch da war, war er nie für sie da gewesen, hatte sich vielmehr aus allem herausgehalten. Dann hatte er den Schritt von sich aus getan und war ausgezogen. Es hatte sich nichts geändert, außer, dass sie sich nicht um ihn auch noch kümmern musste. Beinahe war es eine Erleichterung gewesen. Jetzt hielt sie die amtliche Bestätigung ihrer Trennung in Händen, die Scheidungspapiere. Obwohl es nichts weiter war, als die Verschriftlichung von etwas, was sowieso schon längst Realität war, tat es dennoch höllisch weh. Sie fühlte sich als Versagerin, auch wenn sie nicht gewusst hätte, was sie anders machen hätte sollen.

Die Kinder nahmen es hin. Der Vater war auch schon lange nicht mehr Teil ihres Lebens gewesen. Es änderte sich also nichts. Dennoch spürte sie, dass speziell ihre Tochter, Kendra, darunter litt. Doch mit ihren mittlerweile 17 Jahren ließ sie sich das nicht mehr anmerken. Doch Diana kannte ihre Tochter. Sie versuchte, so gut wie möglich für sie da zu sein und sie auch in dem aufzufangen, was sie nicht aussprach. Doch was war mit ihr, Diana? Sie sehnte sich, so sehr, dass sie sich verliebte, Hals über Kopf. Jetzt, wo sie wieder durfte. Es war ein wunderbares, entrückendes Gefühl, als wäre sie endlich angekommen. Er schien genau der Richtige zu sein, der sie, verwundet und erschöpft, wie sie war, aufrichtete und beschützte und beheimatete. Es war wie ein Rausch, der allerdings nur allzu rasch verflog. Denn bereits nach wenigen Wochen zeigte er Anzeichen veränderten Verhaltens. Er meldete sich nicht mehr so oft, schien sich nicht mehr zu freuen, wenn sie kam, nahm es eher hin. Doch Diana meinte, sie bildete sich das ein. Er versicherte ihr, dass alles in Ordnung sei und sie sich keine Sorgen machen müsse. Diana glaubte es, weil sie es glauben wollte, mit aller Unbedingtheit der Liebenden. Doch dann kam jener Tag, an dem sich herausstellen sollte, dass sie ihr Gefühl nicht getrogen hatte. Am Abend waren sie miteinander ausgegangen und sie hatte die Nacht bei ihm verbracht. Sie stand immer sehr früh auf, um rechtzeitig zu Hause zu sein, wenn ihre Kinder aufstanden. Normalerweise begleitete er sie noch zum Auto. Nicht an diesem Morgen. Er hatte ihr ungefähr eine Stunde später immer eine SMS geschrieben, um sich zu vergewissern, ob sie gut nach Hause gekommen wäre. Nicht an diesem Morgen. Sie war sich nun sicher, dass irgendetwas nicht stimmte. Es dauerte jedoch bis zum späten Nachmittag, bis sie es wagte, ihn zu fragen. Es stellte sich heraus, dass er eine andere hatte. Wann er es ihr denn hätte sagen wollen, begehrte sie zu wissen. Er meinte nur, er habe das nicht für nötig befunden, weil er könne ja beide Frauen haben. Sie jedoch eingeschränkt, denn in die andere wäre er verliebt. Es war ihr, als würde ihr der Boden unter den Füßen weggezogen und sie fiele in ein abgrundtiefes, schwarzes Loch. So erfüllt wie die letzten Wochen mit Freude waren, so waren es diese Stunden mit dem Schmerz. Nicht nur jenem, um ihre Liebe betrogen worden zu sein, dieses wunderbare, scheinbar unerschütterliche Bewusstsein, angekommen und angenommen zu sein. Darüber hinaus war sie auch betrogen und belogen worden. Und dennoch blieb diese hartnäckige, schreckliche Sehnsucht. Doch es war nicht die einzige schlechte Nachricht, die sie an diesem Tag ereilte. Ihre Tochter Kendra war nicht zu jener Zeit nach Hause gekommen, da Diana sie erwartet hatte. Sie versuchte sofort sie zu erreichen, doch es gelang ihr nicht. Kendra nahm weder ihre Anrufe entgegen, noch beantwortete sie ihre SMS. Endlich, es gegen acht Uhr abends, kam die Nachricht: „Mama, ich bin in Montpellier, ohne Geld und ohne Benzin. Kannst Du mir was überweisen.“ Was war nur passiert? Wie war sie nur nach Montpellier, an die französische Südküste gekommen und vor allem, warum? Diana war völlig am Boden zerstört. Zunächst war sie abserviert worden, wie ein ausrangiertes Möbelstück und dann musste sie erfahren, dass ihre Tochter irgendwo ganz alleine in Südfrankreich war und das ohne Geld.

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