Ein notwendiger Schlussstrich (1)

Ein notwendiger Schlussstrich (1) – Alle Geschichten
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Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!

Sabrina war enttäuscht, vom Leben, den Umständen und vor allem, von sich selbst. Sie konnte sich nicht erklären woran es lag, aber jedes Mal, wenn sie an ihn dachte, ging es ihr schlecht. Der Gedanke daran, dass es nun möglich wäre wieder fragen, wann sie sich wiedersehen würden, bereitete ihr Übelkeit und veranlasste sie dazu, sofort nach einer passenden Ausrede zu suchen, warum es auf gar keinen Fall ginge. Doch sie rief sich zur Ordnung. Schließlich wollte sie nicht lügen. Selbst wenn es einfacher gewesen wäre. Doch letztlich brachte es nichts, sondern würde das Problem nur verschieben. „Ich will Dich nicht mehr sehen“, das hätte sie sagen müssen. Sie war sie ihm schuldig, die Wahrheit, nach all den Jahren, aber dann hätte er natürlich gefragt, warum sie ihn nicht mehr sehen wollte. Und darauf hatte sie keine Antwort, keine rationale, außer, dass sich in ihr alles verkrampfte, beim bloßen Gedanken daran. Das war nicht von heute auf morgen gekommen, doch während der Monate der Isolation war sie davon verschont geblieben, sich damit auseinanderzusetzen. Das war jetzt vorbei und sie würde nicht mehr entkommen. Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen.

Damals, als sie ihn kennenlernte, war er ihr eloquent, weltgewandt und humorvoll erschienen Vielleicht hatte sie sich selbst das eingebildet, denn schließlich war er Künstler. Die mussten das sein. Sie hatte ihm, so erkannte sie jetzt, viele positive Eigenschaften unterstellt, ohne ihn zu kennen. Auch positive Vorurteile sind letztendlich Vorurteile. Das könnte sie sich selbst ankreiden, jetzt, da sie es durchschaute, sich selbst durchschaute, aber damals hatte sie es als gegeben hingenommen. Außerdem passte ihre intime und doch zugleich lose Beziehung wunderbar in ihre Lebenssituation. Gerade einer einengenden Beziehung entkommen, wollte sie zwar die Freuden des Liebeslebens genießen, aber dabei frei und ungebunden bleiben. Da war eine Affäre mit einem verheirateten Mann doch optimal. „Aber meine Frau darf nie etwas erfahren, weil wenn sie sich scheiden lässt, verliere ich das Haus“, schärfte er ihr ein. Natürlich nicht. Schließlich war es auch in ihrem Sinne, nur Spaß zu haben, ohne weitere Verpflichtungen. Und wenn er sich scheiden ließe, was er – wie gesagt – wegen des Hauses schon nicht täte, hätte sie ihn an der Backe. Sie gestand es unumwunden ein, es war egoistisch, egozentrisch und selbstverliebt. Sie würden sich ab und an treffen, Spaß haben und ansonsten einfach ihr Leben weiterleben, er seines und sie ihres. Es war ein Arrangement, mit dem beide einverstanden waren. Alles andere war nicht ihr Problem. Mit der rosaroten Brille auf der Nase, genoss sie ihre wenigen gemeinsamen Stunden, die Zärtlichkeit und den Spaß, den sie hatten, um dann gestärkt in den Alltag zurückzukehren. Doch irgendwann begann diese Idylle Risse zu bekommen. Wann war es noch, das erste Mal? Oder besser, was war es gewesen?

Wann genau es gewesen war konnte Sabrina beim besten Willen nicht mehr sagen, aber sie erinnerte sich, dass es einer dieser magischen Momente gewesen war, in denen sie sich bei ihm und in seinen Armen besonders wohlgefühlt hatte. Das war auch der Grund, warum sie in Plauderlaune gewesen war. „Und deshalb bin ich nun eine alleinerziehende Mutter“, schloss sie, „Obwohl es bei mir nicht mehr tragisch ist, denn die Kinder sind groß, können ihren Vater besuchen, wann immer sie wollen und finanziell geht es mir auch gut. Aber es gibt viele, die kleine Kinder haben und mit der Obsorge völlig auf sich alleine gestellt sind. Sie müssen arbeiten gehen, weil sie sonst nicht finanziell über die Runden kommen und gleichzeitig schauen, dass die Kinder gut untergebracht sind. Eine tolle Leistung, die diese Frauen jeden Tag erbringen. Ich meine, dass sie mehr Unterstützung verdient hätten.“ Daraufhin antwortete er prompt, dass das völliger Unsinn sei, weil die Frauen selbst schuld seien. Ständig ließen sie sich Kinder anhängen, und beim kleinsten Ungemach in der Beziehung würden sie sich trennen. Dann sollten die anderen dafür einspringen. Verblüfft hatte sie ihn angesehen, weil sie nicht recht glauben konnte, ob sie ihn richtig verstanden habe. „Du meinst also, dass alle gleich wären und alle aus Jux und Tollerei von einer Beziehung in die nächste hopsen, bloß weil sie gerade lustig sind?“, hatte sie deshalb nachgefragt. „Ja, kein Durchhaltevermögen und völlig verantwortungslos, alle. Dafür dürfen unsere Steuergelder nicht herangezogen werden“, hatte er bestätigt. „Wie viele solcher alleinerziehenden Mütter kennst Du, dass Du Dir solch ein Urteil erlauben kannst?“, hatte sie noch nachgehakt. „Keine, aber das weiß man doch“, hatte er achselzuckend erklärt. Da hatte sie sich noch gedacht, gut, die besten Menschen können auf einem Auge blind sein. Deshalb hatte sie nicht weiters darüber nachgedacht. Noch konnte sie die Zeit mit ihm genießen.

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