Der lange Weg Zu-Einander (1)

Der lange Weg Zu-Einander (1) – Alle Geschichten
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Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!

Katie Garland saß gelangweilt an ihrem hübschen, zierlichen Sekretär und sah hinaus in die pechschwarze Nacht. Gelangweilt, das war das Attribut, das ihr Leben seit Monaten begleitete. Sie straffte ihren schlanken, hochgewachsenen Körper unter dem neuen, schweren Samtkleid. Trotz allem unterließ sie es niemals sich derart zu kleiden, dass sie in jeder Gesellschaft gute Figur gemacht hätte. Doch nicht nur ihre Garderobe, auch der Schmuck, den sie an- und das Make-up, das sie auflegte, waren zu jeder Zeit untadelig und perfekt. Was nützte ihr das alles, wenn sie dazu verdammt war in diesem wunderschönen Schloss, so idyllisch es in der Hochebene Irlands auch immer gelegen sein mochte, vor Langeweile einzugehen. Sie hatte ihre Kindheit und Jugend hier auf diesem Schloss verbracht, und so lange sie denken konnte, hatte sie nur das eine Ziel vor Augen gehabt, dieser Einöde zu entkommen.

Kurz vor ihrem 18. Geburtstag fand sich endlich die Gelegenheit dazu, in Gestalt ihres derzeitigen Ehemannes. Eines Tages war er von ihren Eltern zu einer Gesellschaft geladen worden, und sie hatten sich Hals über Kopf ineinander verliebt. Der anschließende Briefwechsel führte sie noch mehr zueinander, wobei der Briefwechsel darin bestand, dass er schrieb, immer verwegener und leidenschaftlicher, und sie sich darin verlor ihn dafür zu bewundern. So bekam jeder, was er wollte. Es war nach geradezu unausweichlich, dass sie ihm alsbald die Hand fürs Leben reichte und im Zuge dessen zu ihm nach Dublin übersiedelte. Sie genoss ihren Status als Frau eines erfolgreichen und vielgeachteten Autors und das rege Stadtleben in vollen Zügen. Deshalb störte es sie auch nicht im Geringsten, dass ihr Mann eben das tat, was Schriftsteller zu tun pflegen, nämlich zu schreiben. Derart arrangiert war es ihnen ein Leichtes eine mustergültige Ehe zu führen, bis zu jenem verhängnisvollen Tag, an dem ihre Eltern ihrem Schwiegersohn den Vorschlag unterbreiteten die Unterkünfte zu tauschen, d.h. ihre Eltern wollten in ihr Stadthaus ziehen und im Gegenzug sollte das junge, glückliche Paar in das Schloss übersiedeln. Katies Mann war von diesem Ansuchen sofort angetan, denn in dieser Ruhe könne er wunderbar arbeiten. So war Katie letztendlich wieder dort gelandet, von wo sie geflüchtet war. Ihr Mann zog sich immer mehr in sein Arbeitszimmer zurück um in aller Ruhe zu schreiben, und was ihr bisher nichts ausgemacht hatte, wurde ihr zur Last. Sie fühlte sich alleingelassen und um ihr Leben betrogen. Allerdings ließ sie auch keine Gelegenheit ungenutzt es ihrem Mann vorzuwerfen. Er reagierte auf ihre ständigen Vorwürfe entsprechend, indem er sich noch mehr zurückzog. Gelangweilt, ja, das war das richtige Attribut für ihr Leben.

Unverhofft wurde sie durch ein kurzes Klingeln, das sie darüber in Kenntnis setzte, dass sie eine E-Mail erhalten hatte, aus ihren trüben Gedanken gerissen. Erfreut über diese Abwechslung, setzte sie sich sofort vor ihren Laptop, doch diese Freude war nur von kurzer Dauer, denn sie musste Folgendes lesen:

„Wenn Sie Ihren Mann lebend wiedersehen möchten, so müssen Sie ihn vom Marterpfahl retten.“

‚Wem wohl so ein Unsinn einfällt!’, dachte sie, und antwortete entsprechend:

„Mein Mann sitzt in seinem Arbeitszimmer und schreibt. Er braucht vor nichts und niemandem und auch nicht von mir gerettet zu werden.“

Prompt kam die Entgegnung:

„Wie können Sie sich da so sicher sein? Wann haben Sie Ihren Mann das letzte Mal gesehen?“

Hier geht es zu Teil 2.

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