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Life is too short for boring stories

Gedankenverloren lasse ich den Blick durch den Raum schweifen. Unkontrollierbar ist dieses Schweifen. Es wird Zeit zu gehen. Sobald ich ausgetrunken habe, denke ich, als Du Dich zu mir setzt.

„Hallo!“, sagst Du und ich erwidere den Gruß, merke, wie ich mich an einem Lächeln versuche. Das geschieht, ganz automatisch.
„Schön Dich zu sehen“, fährst Du fort.
„Das finde ich auch“, erkläre ich leichthin.
„Kann es sein, dass Du mir aus dem Weg gehst?“, fragst Du unvermittelt.
„Kann es sein, dass Du auf Abwegen gehst?“, gebe ich automatisch zurück.
„Du bist eine gutaussehende Frau“, fährst Du unbeirrt fort.

„Ach ja?“, werfe ich ein, aber es ist letztlich völlig egal, was ich sage, denn Du würdest sagen, was Du Dir zu sagen vorgenommen hattest, ganz gleich, wie ich reagiere. Es ist so altbekannt und dementsprechend langweilig. Und ich spüre, wie sich die Schicht aus Raureif um mich verhärtet, im Winter des Althergebrachten und Alltäglichen, wie diesem wohlbekannten Spiel, das sich gemeinhin als Umwerben bezeichnen lässt.
„Und ich bin ein attraktiver Mann, der viel zu bieten hat“, fährst Du fort und Dein Blick verrät unmissverständlich, wovon Du viel zu bieten hast. Ich bin höflich genug, das nicht zu hinterfragen, auch, weil ich keine empirische Grundlage dazu vorzuweisen habe und diese auch nicht zu haben wünsche.
„Lass uns das ganze Spiel abkürzen“, schlage ich Dir vor, „Ich bin zu müde, um daran Gefallen zu finden.“ Eigentlich langweilt mich das Spiel schon seit Jahren, weil es immer das Gleiche ist und das macht mich müde, aber das muss ich nicht unbedingt hinzufügen, stattdessen ergänze ich, mit allem gebotenen Respekt: „Ich sage jetzt gleich Nein. Und lassen wir es gut sein.“
„Schau, wir können es doch mal probieren. Du wirst sehen, es wird Dir gefallen“, erwiderst Du ungerührt und ich erkenne, dass ich meinem üblichen Denkfehler unterlegen bin, nämlich, dass Männer ein Nein verstehen. Sie verstehen es nicht. Das ist auch der Grund, warum sie immer behaupten, dass Frauen nicht Nein sagen oder wenn, dass sie es nicht meinen. Frauen sagen und meinen es, nur Männer verstehen es nicht.
„Oder bist Du vielleicht eine Lesbe oder so?“, fragst Du.
„Es ist spannend, dass Du mich in die Lesbenecke schiebst, nur, weil ich kein Interesse an einem intimen Miteinander mit Dir habe“, gebe ich unbeirrt zurück, während der Ärger in mir aufsteigt, weil es sich anhört, als würde ich mich rechtfertigen. Ein Nein ist ein Nein ist ein Nein. Sollte es sein.
„Ich sag Dir was, die Mädels stehen sichs nur deshalb auf Pussys, weil sie noch keinen richtigen Schwanz gehabt haben, aber das lässt sich sehr leicht ändern“, erklärst Du mir. Unverhohlen sehe ich Dich an, während ich versuche abzuschätzen, ob Du das tatsächlich glaubst.
„An den Schwänzen dieser Welt, muss die Lesbenwelt genesen“, gebe ich zurück.
„So habe ich das nicht gesagt, aber in Deinem Fall, da kann ich sicher heilend wirken“, meinst Du, offenbar immer noch Dein Ziel vor Augen, aber ohne zu merken, dass Du mir mit jedem Wort eine weitere Bestätigung lieferst, warum ich Nein sage und dabei bleibe. Aber da ist auch etwas, was ich nicht erklären will.

Kopulierende Körper, verschwitzt, stöhnend, röchelnd, ineinander verkeilt. Seine Finger bohren sich in ihren Rücken. Sie spürt es nicht. Durch den Raureif der Vereinzelung. Nicht einmal der Schmerz kann ihn durchdringen. Noch weniger die Wärme eines Körpers. Konvulsivisches Zucken zeigt das Ende dessen an, das nur dem Zweck dient, letztlich, Leben zu erschaffen. Neun Monate später wird es aus der Fotze ausgespien. Ein schleimiges, blutiges Bündel, das nichts kann als Schreien. Die Mutter ist nicht zuständig für das Blut und den Schleim. Sauber wird diese bloße Hoffnung auf einen Menschen gemacht. Dann wird es an den Zitzen angelegt, gedrängt zu saufen. Vielleicht gelingt es, für einen Moment, die Ummantelung aus Raureif zu durchbrechen.

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