novels4u.com

Life is too short for boring stories

Der Waggon raste weiter, ungelenkt, ungebremst, dem Anhang entgegen, und niemand war da, der eine Weiche umstellen konnte. Oder wollte? Instinktiv war ich von Dir weggerückt, auch äußerlich. Instinktiv hatte ich die Arme vor der Brust gekreuzt, um mich noch unzugänglicher zu machen, mich noch mehr zu verschließen.

Ein einziges Wort zu viel, löste eine Lawine von Worten aus, die mithalf, den Waggon noch zusätzlich zu beschleunigen. Immer näher rückte er dem Abgrund der Entzweiung. Und anstatt nach einer Bremse, nach irgendeiner Art von Ausweg zu suchen, musste ich es wissen, musste ich noch zulegen: „Und ich bin doch nichts weiter als Deine Lückenbüßerin!“, wiederholte ich, kämpferisch und doch in Abwehrhaltung.

Du sahst dem Waggon nach, wie er dem Abgrund entgegenraste, und mich an, erstmals an, ohne mich zu berühren, erstmals ohne mir nahe zu gehen, erstmals mit einer solchen Entfremdung, dass ich mir wünschte, Du wärst weit, weit weg, ganz gleich wo, bloß weg von mir. Es fühlte sich so falsch an, aber ich übersah dabei, dass es nicht falsch war, dass Du da warst, sondern falsch war nur, dass wir diese Mauer zwischen uns aufbauten und es nicht hinderten, dass wir den Waggon Richtung Abgrund rasen ließen und ihn nicht hinderten.

Du schienst so fern, nur die Trauer in Deinem Blick konnte ich noch erahnen, wollte sie jedoch nicht wahrnehmen. „Ich hatte es bereits zugegeben. Ja, Du warst meine Lückenbüßerin, zu Anfang. Willst Du wissen wie alles gekommen ist? Willst Du mir zuhören? Willst Du mich verstehen?“, fragtest Du mich, und ich verstand sie durchaus, die Dringlichkeit in Deiner Frage, verstand, und nahm doch nicht an. „Ich weiß nicht ob es noch einen Unterschied macht. Ja, genau, was macht es für einen Unterschied ob ich weiß wie alles gekommen ist oder nicht? Was macht es für einen Unterschied ob ich Dir zuhöre oder nicht? So viel weiß ich inzwischen, habe ich gehört und verstanden: Ich bin Deine Lückenbüßerin, eigentlich nichts weiter als der Kitt zwischen den Fenstern …“ „und willst offenbar auch noch der Nagel zu meinem Sarg werden.“, fielst Du in meinen Gedankenfluss, der den Waggon immer noch mehr beschleunigte, so sehr hatte ich mich in Rage und in mein Selbstmitleid geredet. „Entschuldige, aber ich sagte doch, das war zu Anfang, nur zu Anfang. Ich habe zugegeben, dass Du recht hattest, recht hattest für den Anfang.“, versuchtest Du einzulenken, doch es war zu spät, ich wollte mich nicht mehr einwickeln lassen von Deinen Worten, von Deinen peinlichen Versuchen Dich herauszuwinden. „Ich bin für Dich nichts weiter als Deine Lückenbüßerin, in diesem Anfang, in dem die Basis für unsere Beziehung gelegt wurde. Egal was Du darauf baust, die Basis bleibt die gleiche, ändert nichts und wird niemals wieder etwas ändern.“, sagte ich und glaubte es, in diesem Moment, glaubte die Endgültigkeit, und fügte damit den letzten Stein in diese Mauer zwischen uns. Und der Waggon rollte weiter, ungelenkt, ungebremst, dem Abhang entgegen.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: