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Life is too short for boring stories

„Heart’n’Heavy“, wie sich die beiden seit ihrer Bandgründung nannten, war ein Erfolgskonzept von Anfang an gewesen. Wobei Band eher übertrieben klingt, denn im Endeffekt war es ein Duo, „Mic’n’Mike“ wie sie sich nannten. Und das aus der Verlegenheit heraus, dass sie beide den gleichen Vornamen hatten. Sie hießen Michael. Seit der Volksschule kannten sie sich. An ihrem ersten Schultag hatte die Lehrerin gemeint, sie sollten sich so weit wie möglich voneinander entfernt hinsetzen, damit sie nicht auf die Idee kämen, dass sich keiner angesprochen fühlte, wenn sie einen von den beiden rief. Ob das nun ursächlich mit der Namensgleichheit zusammenhing oder aus dem gemeinsamen Vorgehen gegen die Lehrerin, die sie unbedingt trennen wollte, resultierte, ist wohl kaum mehr zweifelsfrei festzustellen. Unbestreitbar war jedoch, dass sie sich auf Anhieb verstanden und die besten Freunde wurden und blieben. Miteinander brachten sie die Schulzeit, die Auswüchse der Pubertät und sogar den Wehrdienst hinter sich. Dabei hatten sie wohl wenig ausgelassen, wie ich aus so manchen Anekdoten, die mir im Laufe der Jahre zum Besten gegeben wurde, erahnen konnte. Aber vor allem begannen sie miteinander zu musizieren. Zu Anfang nur zum Spaß und für sich, nach und nach drängte es sie auf die Bühne. Doch wo sollten sie sich musikalisch positionieren?

Beide waren sie großgewachsen, wobei Mic, der erste Michael eher schmal gebaut war, mit langen, zarten Fingern, was mir als Erstes ins Auge stach, und Mike, der zweite Michael, breit und robust war. Deshalb war Mic auch eher für die sanften Töne zuständig und Mike liebte den Speed und das Laute. Nach langem Hin und Her, kamen sie auf den Gedanken, das Beste aus beiden Welten zu vereinen, eben „Heart’n’Heavy“. Eigentlich ein Kompromiss, der sich aber als zukunftsweisend herausstellte.

„Nur noch 500 km“, dachte ich, nach einem Blick auf den Tachostand. Es war eine angenehme Fahrt, in einer lauen Juninacht mit wenig Verkehr. „Nur noch 500 km, dann kann ich mich in mein Bett fallen lassen“, präzisierte ich die Aussichten, die mich zusätzlich motivierten. Ich hatte die endlosen, ewig gleichen, sterilen Hotelbetten im Moment so satt. Dabei war auch die erste Nacht mit Mic, unsere erste gemeinsame Nacht, in eben so einem Hotelzimmer passiert. Aber das war mir damals egal gewesen. Seltsam, wie das Leben so spielt. Ich hatte es nicht geplant, ja nicht einmal für möglich gehalten, weil ich so ganz anders war, als all die Mädels, die sich so offensichtlich um die Gunst der beiden bewarben. Mike sprach gerne darauf an, doch Mic erkannte, dass es diesen Mädchen einfach um den Triumph ging, einen Musiker ins Bett zu kriegen. Typisches Groupie-Verhalten. Dennoch war ich überzeugt davon, dass die Burschen solche Mädchen bevorzugten. Heute gehabt, morgen vergessen. So wie sie heute an einem Ort waren, am nächsten Tag an einem anderen. Wie sehr ich mich doch von meinen Vorurteilen blenden ließ. Zugutehalten konnte ich mir nur, dass ich sie nicht auf Biegen und Brechen aufrechterhielt, sondern mich eines Besseren belehren ließ. Alles begann mit einem ihrer ersten Auftritte in einem kleinen Lokal in einem abgelegenen Dorf. Eigentlich wollte ich an diesem Abend ganz woanders sein, aber nachdem mich mein damaliger Freund abserviert hatte, ziemlich rüde, meine Freundinnen keine Zeit hatten und ich keine Lust hatte zu Hause zu bleiben, beschloss ich einfach mal dahin zu gehen. So sehr ich damals mit dem Schicksal haderte, so dankbar war ich ihm im Nachhinein, aber das, was dann geschah, hätte ich mir nicht einmal in meinen kühnsten Träumen ausmalen können.

Als ich das Lokal betrat, stimmten die beiden gerade ihre Gitarren und ich war eher skeptisch. Was konnte schon Gutes in solch einer Spelunke passieren, wer würde sich hierher verirren, der nur halbwegs was konnte. Aber bereits die ersten Töne lehrten mich eines Besseren. Es war die perfekte Ergänzung zwischen Herz & Stärke, eben „Heart’n’Heavy“. Nach dem Konzert saßen wir noch zusammen. Ab diesem Abend war ich bei jedem Auftritt dabei und unterließ es auch nicht, Leute einzuladen, die ich kannte, doch das ausführliche Gespräch danach, das blieb ab einer gewissen Publikumsgröße, mir vorbehalten. Vor allem Mic freute sich über meine Rückmeldungen. Das waren die Anfänge gewesen, und ich war dabei, und Blondie sah es mit wachsendem Misstrauen, wie unsere Freundschaft enger wurde. Ich merkte davon nichts, zunächst.

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