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Life is too short for boring stories

„Aber was ist ein Knurx?“, reiße ich mich aus meinen Gedanken.

„Nicht jetzt, Papi.“, höre ich noch, und schon fällt die Haustür ins Schloss. Was wollte ich jetzt? Ach ja, ich schaue auf den Bildschirm und meine Finger greifen in was Klebriges, als sie auf die Tastatur sinken. Das war die kleine, verärgert gesenkte Schokoriegel-Hand. Na super! Jetzt kann ich da auch nicht weiterarbeiten, denke ich. Doch was ist ein Knurx? Vergiss den Unsinn, sage ich zu mir selbst, aber aus irgendeinem Grund geht es mir nicht aus dem Kopf. Nachdem ich sowieso nicht weiterarbeiten kann, beschließe ich mir einen Kaffee zu machen. Eine Schokoriegel-Spur ziert meinen Weg. Ich drehe das Wasser auf. Kalt. Den Installateur wollte ich auch anrufen. Was ist ein Knurx? Jetzt ist mir das kalte Wasser und die Schokoriegel-Spur egal. Das kann doch einfach nicht sein, dass meine kleine Tochter etwas kennt, was ich nicht kenne, ja wovon ich noch nicht einmal etwas gehört habe. Ich setze mich ins Auto – ich muss es jetzt wissen.

Aber wo soll ich nachschauen wo ich Wikipedia nicht benutzen kann? In der Bibliothek? Nein, dort fahre ich nicht hin! Ich starte das Auto während mir von sehr ferne her die Bekanntschaft mit einem Physiker einfällt – da muss ein Knurx hingehören, denn das klingt schon so kompliziert. Vielleicht ist es die Abkürzung für irgendein neu entdecktes Element. Ich starte das Auto, zumindest versuche ich es, doch der Motor stottert, stottert – ein Wink, der Hoffnung gibt, bevor er endgültig schweigt. Das Schweigen, die Schuldgefühle – wichtig steige ich aus dem Auto aus, öffne die Motorhaube und sehe hinein. Kabeln, und überhaupt sieht das nach einem ganz großen Durcheinander aus. Wozu schaue ich da hinein, wenn ich sowieso keine Ahnung habe? Trotzdem beuge ich mich nochmals darüber, als würde mir der Motor irgendetwas zuflüstern. Gerade als ich mir seufzend eingestehe, dass es für mich nicht das geeignete Gebiet ist meine Männlichkeit unter Beweis zu stellen und beschließe meinen Mechaniker anzurufen, fällt mir das Handy aus der Tasche. Ich beobachte nur mehr, wie ein schöner, großer Mercedes darüber rollt. Das Handy ist unterlegen, muss ich eingestehen, als das plattgewalzte Ding wieder zum Vorschein kommt.

Wie geht das Leben jetzt weiter? Ohne Auto, ohne Telefon? Ich versuche mich zurückzuerinnern, wie das war, als ich noch kein Auto hatte. Oder soll ich vielleicht einfach ins Haus zurückgehen und warten bis meine Frau und meine Tochter nach Hause kommen, doch das würde bedeuten, dass ich mein Versagen eingestehe. Unschlüssig blicke ich mich um.

Eine Telefonzelle! – Dass es so etwas noch gibt, dass so etwas noch jemand braucht? Gibt es denn noch irgendjemanden, der kein Handy besitzt? Muss wohl so sein, denn schließlich zahlt es nicht ja nicht aus nur für Leute den Apparat aufzustellen, denen gerade ein Mercedes über das Handy gefahren ist. Ich zwänge mich durch die Schwingtür hinein, und suche automatisch nach der Menütaste, um zum Telefonbuch zu gelangen. So ein komisches Telefon, doch warum sollten auch in einem öffentlichen Telefon meine Nummern eingespeichert sein. Misstrauisch betrachte ich das gelbe Buch, das unter dem Telefon liegt. Dem Buch verweigere ich mich ein weiteres Mal, und entschließe mich auf andere Weise in die Stadt zu gelangen. Doch wie? Befindet sich nicht gegenüber von unserem Haus eine Bushaltestelle? Sie ist mir deshalb erinnerlich, weil ich mich immer so über die Verzögerungen ärgere, die ich durch die Busse und ihre Fahrgäste in Kauf nehmen muss. Jetzt bin ich dankbar, dass sie da ist.  Ich stelle mich zu den Leuten dazu, die schon warten. Ich schließe daraus, dass bald ein Bus kommen muss. Wirklich! Wenige Sekunden später hält der Bus und ich steige ein.

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