Das namenlose Geschlecht (13): Der Verlust der Unschuld

„Bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit wandte sich Adam an Gott, um das Problem zu besprechen.

‚Gott’, sprach Adam Gott deshalb das nächste Mal auf diese Ungeheuerlichkeit an, als dieser das nächste Mal vorbeischaute, weil er die Gesellschaft seiner Menschen angeblich schätzte, weiß der Teufel warum, ‚Die Gefährtin, die Du mir gegeben hast, sie ist völlig außer Kontrolle geraten und schamlos und respektlos mir gegenüber.’

‚Ja, ich weiß was Du mit schamlos meinst. Ich habe Euch zugesehen, da, wo sie Dich zugeritten hat wie einen Vollbluthengst. Aber ich muss schon sagen, betragen hast Du Dich eher wie ein lahmer Ackergaul, aber bitte, wenn sie zufrieden ist mit Dir, dann soll es mir recht sein. Sie scheint überhaupt ein äußerst verständnisvolles, rücksichtsvolles Wesen zu sein. Die ist mir echt gut gelungen’, erwiderte Gott, sehr zufrieden mit sich und seiner Schöpfung, ‚Aber von Respektlosigkeit hätte ich nichts gemerkt. Das musst Du mir schon erklären.’

‚Das hast Du nicht gemerkt?’, fragte Adam, und man hätte meinen können, er wäre aus allen Wolken gefallen, wäre er nicht gerade am Boden mit Gott spazieren gegangen. Von lustwandeln konnte nicht die Rede sein, denn Adam verspürte wenig Lust dabei, und auch an Gott war es sich ein wenig unwohl zu fühlen, ‚Diese Frau, die Du mir da gegeben hast, die stellt sich einfach hin, zwischen mich und die Sonne, sieht mich an, mit diesem Blick, der ihr gar nicht zusteht, und dann setzt sie sich einfach auf mich und hat drei Orgasmen. Nicht nur, dass die mich auf schamloseste Weise dazu benutzt hat ihre animalischen Triebe zu befriedigen, sie hat auch nicht gefragt ob sie das darf oder sonst was. Und eine Frau hat nun mal unten zu liegen. Anders geht das nicht!’

‚Aber Dir hat dieser Akt doch ebenfalls Befriedigung verschafft?’, fragte Gott nun nach, der das eigentliche Problem immer noch nicht verstanden hatte, obwohl er Gott war, aber er wollte wohl einfach nicht glauben, dass ein Wesen, das er geschaffen hatte, noch dazu nach seinem Ebenbild, über ein solch überbordendes Maß an Dummheit verfügte.

‚Ja, aber nur einmal. Und was war mit ihr, drei Mal. Nur benutzt. Ich wurde benutzt. Sie sagte wo es langgeht. Dabei ist das doch auf jeden Fall meine Aufgabe. Ich mag sie nicht mehr! Bring mir eine andere!’, forderte Adam nun unmissverständlich. Da war Gott natürlich in einem Dilemma. Schließlich war auch er fasziniert von der klugen, offenen, lebendigen Lilith, die sein bestes Werk war. Ohne Frage. Aber er mochte auch Adam, trotz seiner Dummheit und Ignoranz, seiner Präpotenz und seinem Hang leicht beleidigt zu sein.

‚Hast Du mit ihr darüber geredet?’, versuchte Gott das Unausweichliche hinauszuschieben.

‚Ja, natürlich, aber sie versteht mich nicht. Mit der kann man ja nicht reden, und das soll eine Gefährtin sein, die mich und meine naturgegebene Überlegenheit nicht anerkennen will. Das ist keine Gefährtin. Wenn sie da ist, dann fühle ich mich immer ganz klein und hilflos. Dabei sollte ich ja groß und stark sein. Sie sagte nur, wir könnten es ja einmal so machen wie sie es will und dann wieder so wie ich es will. Das nennt sie dann einen Kompromiss. Dabei ist das kein Kompromiss, sondern nur, dass sie wieder recht hat. Sie ist so rechthaberisch. Ein Kompromiss wäre, wenn ich was vorschlage und sie sagt ja. Aber das tut sie nicht, also schaff sie weg und eine andere her, eine die brav und anständig ist und mich so respektiert wie es sich gehört’, meinte Adam verschnupft. Gott war erstaunt, dass es neben ihm selbst noch etwas anderes gab, was unendlich und vollkommen war, aber es war da, in Form von Adams Dummheit.

‚Wirklich faszinierend’, murmelte Gott, um dann laut hinzuzufügen, ‚Also schön, ich werde mit ihr reden und sie dazu bewegen ein Einsehen zu haben. Sie ist schließlich eine kluge Frau.’

‚Siehst Du, und damit fängt sich das Unglück schon an, sie ist klug. Klug sein ist nicht gut für meine Frau’, schloss Adam das Gespräch und stiefelte davon. Gott ging zu Lilith um mit ihr zu reden, auch wenn er wusste, dass sie nicht klein beigeben würde. Schließlich war er ja Gott und allwissend. Lilith verließ den Gefährten, der ihr nicht ebenbürtig war und wurde zum Dämon. Adam blieb im Paradies. Das war der Anfang von allem Unglück.“, damit schloss er seine Erzählung.

„Warum Unglück, Adam hatte doch, was er wollte?“, fragte ich interessiert.

„Das kann schon sein, aber hast Du noch nie erlebt, dass Du meintest, Du wolltest etwas, und kamst dann drauf, dass es anders besser gewesen wäre?“, entgegnete er.

„Aber ist es denn anders möglich“, wandte nun unsere Freundin ein.

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