Dia.logue (4): Beyond the Death

Influential is the word. Once pronounced, it cannot be taken back. Like a thought that flashed through the head only once, just to disappear, but it left traces behind. Never again can one go behind the once thought back again. Even more important is the word. Once it is expressed in space and there is no turning back, no denying and no refusal. It stands there like the staff on which the listener rests, or as a memorial, which eternally recalls, immovable and indestructible. Words can move and raise, enrich and comfort, promising hope, and encouraging confidence. But it can also judge and condemn, inflict pain and suffering, mock and scorn, humiliate and destroy. That is why we bear the responsibility for every word, no matter how thoughtless, the responsibility for the spoken and no longer recoverable thoughts, the responsibility for the hearing of the listener.

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Dia.log (4): Über den Tod hinaus

Wirkmächtig ist das Wort. Einmal ausgesprochen, kann es nicht mehr zurückgenommen werden. Wie ein Gedanke, der nur ein einziges Mal durch den Kopf blitzte um gleich wieder zu verschwinden, doch er hinterlässt Spuren. Niemals wieder kann man hinter das einmal Gedachte wieder zurück. Noch schwerwiegender ist es mit dem Wort. Einmal ausgesprochen steht es im Raum und es gibt kein Zurück mehr, kein Ableugnen und kein Weigern. Es steht da wie der Stab, an dem sich der Hörende aufrichtet oder wie ein Mahnmal, das ewig erinnert, unverrückbar und unzerstörbar. Worte können bewegen und aufrichten, bereichern und Trost schenken, Hoffnung verheißen und Zuversicht erwachsen lassen. Aber es kann auch richten und aburteilen, Schmerz und Leid zufügen, verhöhnen und verspotten, erniedrigen und vernichten. Deshalb tragen wir die Verantwortung für jedes noch so unbedachte Wort, die Verantwortung für den gesprochenen und nicht mehr rückholbaren Gedanken, die Verantwortung für die Wirkmacht beim Hörenden.

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Dia.logue (2): Immerse in the flow of words

And we look at each other, the looks are found, and the world around us is finally devoured by these trenches, this world of valuations and prejudices, this world of the It and the One, this world of having and possessing, this world of categories and drawers, this world of coldness and distantness, this world of thrownness and undwellness, sinks into the irrelevancy in which it has always been, when we find each other, and know nothing more than this little word, You. Names take space, determine. Origin settles you in a certain place, paralyzes you. Position makes you appear one-dimensional, halves you. Only the one word which is spoken with the whole being, the You, sets you in motion and leaves you in your wholeness and diversity, and places you free to your innermost possibilities. How liberating it is to speak of the primordial trust of the beginning, in which the interest is an existential one, and the understanding wants to be an immanent. And while we are slowly bathed by the words that flow away from the legend, the world is also colorful, since it is the echo of the saying of the You, like a many-voiced Gloria, entangled in all beings, that vies to open up to us, who re-learned to see, immersed in the primordial flow of the Word, to which all being sprang from, bearing the foundation and curving into the dwellness. It is only the one word, that You, which carries all the others within it, and which gives birth to all others, the words of the power of action as long as they become out of the Thou and do not slip back into the non-commitment and poverty of it.

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Dia.log (2): Eintauchen in den Fluss der Worte

Und wir sehen einander an, die Blicke finden sich, und die Welt um uns wird endgültig verschlungen von diesen Gräben, diese Welt der Taxierungen und Vorverurteilungen, diese Welt des Es und des Man, diese Welt des Habens und Besitzens, diese Welt der Kategorien und Schubladen, diese Welt der Kälte und Ferne, diese Welt der Geworfenheit und Unbehaustheit, versinkt in die Belanglosigkeit, in der sie schon immer war, wenn wir uns finden und nichts weiter voneinander wissen als dieses eine kleine Wort, Du. Namen nehmen Raum, legen fest. Herkunft setzt Dich an einen bestimmten Platz, lähmt Dich. Stellung lässt Dich eindimensional erscheinen, halbiert Dich. Nur das eine Wort, das mit dem ganzen Wesen gesprochene, das Du, setzt Dich in Bewegung und lässt Dich in Deiner Ganzheit und Vielfalt, setzt Dich frei zu Deinen innersten Möglichkeiten. Wie befreiend ist es doch, das Du zu sprechen aus dem Ur-Vertrauen jenes Anfangs, in dem das Inter-esse ein existentielles war und das Ver-stehen wollen ein immanentes. Und während wir langsam umspült werden von den Worten, die dem Du-Sagen entfließen, wird auch die Welt bunt, da sie das Echo des Du-Sagens ist, wie ein vielstimmiges, allem Seienden entrungenes Gloria, das wetteifert darin sich uns zu öffnen, die das Sehen wiedererlernten, eingetaucht in den Ur-Fluss des Wortes, dem alles Sein entsprang, Fundament tragend und in die Behaustheit wölbend. Nur das eine Wort, das Du, das alle anderen in sich trägt und alle anderen aus sich gebiert, das Worten Wirkkraft gibt, so lange sie aus dem Du werden und nicht in die Unverbindlichkeit und Armut des Es zurückrutschen.

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Dia.log (1): Der Eintritt

Inmitten von Menschen, umgeben, umringt, umzwungen, umzäunt, misstrauisch umschlichen, ängstlich weiträumig umrundet, je nach Temperament, und doch so viel Weite, diese erzwungene Nähe in der Straßenbahn, in der Wartehalle, in der Schlange, im Raucherhäuschen, erzwungene Nähe, die ein Graben ist, zwischen mir und den Umgebenden, Maßlosigkeit heuchelnd, verstummt, zu Boden blickend oder in die Unbestimmtheit, in die Belanglosigkeit.

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Seeing was first

In Cooperation with VASA Journal on Images and Culture, Images @Roberto Muffoletto

Introduction

 

Seeing was first. Both in phylogeny and ontogenesis. Man perceives his world, from the beginning, and is equally non-verbal. The verbal expression comes comparatively late. When a baby comes to the world it looks. Probably in the restricted space, but just so far that it can recognize the face of who takes it up and accepts it. Seeing is turning. Then the view widens into the world into which it is thrown. This limitation in the beginning is a protection from the primordial imbalance of the living that surrounds the world. The starting point of being in the world is the inclusion in the community. From there, the going out takes place and becomes familiar in the view. This amazement over the surplus can be understood later, when one climbs a high mountain and the world spreads itself in front of you one time. Amazement, which manages without words, because there is none.

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Das Sehen war zuerst

In Kooperation mit VASA Journal on Images and Culture, Bilder @Roberto Muffoletto

Hinführung

 

Das Sehen war zuerst. Sowohl in der Phylo- als auch in der Ontogenese. Der Mensch nimmt seine Welt sehend wahr, von Anfang an, und teilt sich ebenso nonverbal mit. Der verbale Ausdruck kommt vergleichsweise spät. Wenn ein Baby auf die Welt kommt sieht es. Wohl im eingeschränkten Raum, doch gerade so weit, dass es das Gesicht dessen erkennen kann, der es auf- und annimmt. Sehen ist Hinwendung. Dann erst weitet sich der Blick in die Welt, in die es geworfen ist. Diese Einschränkung im Beginn ist ein Schutz vor der Urwucht des Lebendigen, das die Welt umfasst. Ausgangspunkt des In-der-Welt-seins ist die Aufnahme in die Gemeinschaft. Von dort aus geschieht das Hinausgehen und das sich im Blick vertraut machen. Dieses Staunen über die Überfülle kann man später noch nachvollziehen, wenn man einen hohen Berg erklimmt und sich die Welt mit einem Mal vor einem ausbreitet. Staunen, das ohne Worte auskommt, weil es keine gibt.

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