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Life is too short for boring stories

und mir dachte, dass ich doch einen Blogbeitrag schreiben könnte, da war es das erste Mal, dass Du meine professionelle Arbeit in Zweifel zogst. Und das kam so.

Es sollte nicht nur irgendein Blogbeitrag werden, sondern einer, der perfekt sein würde. Und diese Perfektion musste unerbittlich vom ersten Satz, was sag ich, vom ersten Wort, von der ersten Silbe an gegeben sein. Am Anfang, das ist wohl gewiss, steht eine Überschrift. Da kann mir keiner widersprechen, das ist nun mal so, und diese Überschrift, die muss, um perfekt zu sein, so viel wie möglich über den kommenden Text aussagen. Natürlich, man kann seine Leserinnen auch im Dunklen tappen lassen und ihnen Titel wie „F“ vorlegen. Man kann. Man muss aber nicht. Nichtssagendst auf der einen Seite und allessagendst auf der anderen Seite. Was darf es sein? Vielleicht noch ein wenig mehr? Aber ich will ja, dass meine Leserinnen auf den ersten Blick wissen worauf sie sich einlassen. Deshalb entschied ich mich für die zweite Variante, und schrieb darselbst:

 

An dem Tag, an dem ich vor dem Kamin saß und mir dachte, wie schön es doch wäre, jetzt eine Tasse Tee zu trinken

 

„Gar nicht gut“, säuseltest Du mir ins Ohr, woraufhin ich dennoch erschrocken zurückwich, weil ich nicht bemerkt hatte, dass Du gekommen warst.

„Du meinst also wirklich, dass das nicht perfekt ist?“, fragte ich, ernsthaft, aber ich hätte es wissen müssen, dass Du es weniger ernst nehmen würdest.

„Weit entfernt, einfach schlecht, viel zu lang und zu wenig aussagekräftig“, erwidertest Du.

„Wie bei F“, dachte ich, und bewunderte dieses Können, das Nicht-sagen in so eine Prägnanz und Kürze zu verpacken. Wahrscheinlich arbeitete er im Brotberuf als Vordenker von Wahlwerbeslogans. Dann überflog ich den Satz ein weiteres Mal, und musste eingestehen, dass ich meiner eigenen Vorgabe nicht gerecht geworden war. Beinhart löschte ich meine ganze Arbeit und ersetzte sie durch folgende Überschrift:

 

An dem Tag, an dem ich vor dem Kamin saß und mir dachte, wie schön es doch wäre, wenn Du jetzt kämst um mit mir eine Tasse Tee zu trinken

 

„Das ist aber jetzt gelogen“, stelltest Du, immer noch überschultersprechend, fest, doch diesmal zuckte ich nicht, nicht einmal mit der Augenbraue, denn ich war gewappnet.

„Was heißt gelogen?“, fragte ich irritiert.

„Weil ich Dich kenne und Du nicht daran dachtest mit mir Tee zu trinken, sondern bloß daran, dass ich jetzt kommen sollte um Dir einen zu machen. Wenn ich mit Dir mittränke, nun, so würdest Du es eben dulden“, gabst Du zurück, und auch der neue Satz fiel der gemeinen Löschtaste zum Opfer. Bald darauf stand da zu lesen:

 

An dem Tag, an dem ich vor dem Kamin saß um mich zu wärmen, weil es bitterkalt war, und mir dachte, wie schön es doch wäre, wenn Du jetzt, in dem Moment spüren würdest, dass ich mein Glück perfekt sähe, hätte ich eine Tasse Tee in meiner Hand, und Du kämst, ihn mir zu machen und ich nicht aufzustehen bräuchte, da kamst Du tatsächlich.

 

Schriebs und verließ hurtig den Schreibtisch, nicht nur um Deiner weiteren Kritik zu entgehen.

„Wieso gehst Du jetzt weg?“, fragtest Du, und es war nun an Dir, irritiert zu sein.

„Weil ich fertig bin“, erklärte ich ruhig, lächelnd wie eine, die ihr Tagewerk getan hatte.

„Aber Du hast doch gerade eben erst die Überschrift geschrieben“, gabst Du zu bedenken. Aber ich war gewappnet, mit aller intellektueller Spitzfindigkeit, die mir angesichts dieser schweren Arbeit möglich war.

„Und bei der Überschrift ist gar nichts weiter mehr nötig“, erklärte ich stolz. Ich musste ja nicht dazusagen, dass ich mir das abgeschaut hatte. Sprachs und versank mit geschlossenen Augen in diesem Moment damals, in dem Du wirklich gekommen warst, mir eine Tasse Tee machtest und Dich zu mir setztest. Ich genoss Deine Nähe noch mehr als den Tee, aber das muss man doch nun wirklich nicht einfach so ausplaudern.

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