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Life is too short for boring stories

Leben ist Präsenz. Wenn Leben lebendig ist, dann ist es in der Annahme des Moments, des Augen-blickes, der sich bietet, mit all seinen Annehmlichkeiten, mit all seinen Unannehmlichkeiten. Ist angenommen zu sein, annehmlich oder unannehmlich? So gesehen gibt es kein unannehmlich, es sei denn, wir negieren die einzige Zeit, die uns als lebendige geschenkt ist, die des Jetzt. Früher, das war. Ist bestenfalls Erinnerung. Verschwiegen oder offen. Es ist gut daran zu denken, oder auch nicht. Aber immer ist es gewesen. Nicht mehr veränderbar, nicht mehr lebbar, denn nur die Veränderung trägt Leben in sich. Veränderung ist Leben. Annahme des Lebbaren ist Leben. Nichts weiter. Ebenso ergeht es mir mit dem Später. Ich habe keinen Einfluss darauf. Unabwägbar. Unfassbar. Unvorhersehbar. Jeder Schritt, den ich setze, steht im Gesamtzusammenhang aller anderen Schritte, aller anderen Lebendigen. Es ist unübersehbar. Denn das Kommende ist weit mehr als die Fortschreibung des Gewesenen in eine andere Zeit, denn dann gäbe es wohl Entwicklung, aber keine Veränderung.

Leben ist Verheißung. Leben als ein in sich Formendes, ist niemals eine abgeschlossene Präsenz, sondern Verheißung des Werdenden. Verheißung auf ein Mehr, Mehr als alles, was ich sehe, denn mit dem Gedanken, dem Tun, dem Erfahren werde ich reicher an Eindruck und Ausdruck. Verheißung auf das Kommende, das ich im Je-Jetzt der Präsenz erfahre. So bleibt die Präsenz, die ich erfahre immer auch eine überraschende, eine, die mich staunen lässt ob der Vielfalt und Farbenprächtigkeit des Lebens, das sich in sich zeigt.

Leben ist Präsenz. Wenn ich mich zu Dir setze und Dich ansehe, dann weiß ich Dich anwesend. Bei mir. Bei Dir. Seiend. Dann weiß ich um Deine Lebendigkeit, die mich ansteckt. Es ist ein anderer Blick auf die Welt, das Vorhandende, das Dingliche, wenn Du da bist. Leben ist Präsenz, noch mehr im Miteinander, denn wo Du mir Deine Präsenz offenbarst, werde ich weiter um Deine Wahrnehmung der Welt. Heiterer, freudiger und erfüllter ist es mit Dir präsent zu sein.

Leben ist Verheißung. Wenn Du Deine Hand in meine legst und mich mit Dir nimmst, in ein Werden, das mehr ist, als das eigene, mehr als die Möglichkeiten in mir, denn es ist eine Verheißung des Zueinander. Mehr zu werden, indem ich Dich hineinnehme in die Weite meines Werdens, Du mich hineinnimmst in die Weite Deines Werdens. Ist das Gegebene wohl das Vorhandene, aber doch erst zu Entdeckende. Hättest Du es gewusst, ja geahnt, was in Dir steckt, bevor Du es mir offenbartest? Hätte ich es gewusst, ja geahnt, was in mir steckt, bevor ich es Dir offenbarte?

Leben ist Präsenz und Verheißung. Präsenz im Sein. Verheißung im Werden. Präsenz ist sichtbar. Verheißung ist mitteilbar, miterlebbar. Und in der Verbindung von Präsenz und Verheißung, von Verwurzelung und Wachstum, wird sich das Leben erst gänzlich und unvoreingenommen seiner selbst bewusst und im umfassendsten Sinne des Wortes seiner selbst gerecht, indem es nichts weiter ist, als lebendig.

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