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Life is too short for boring stories

Es gibt so viel zu tun. Es gibt immer viel zu tun. Vor allem, weil die Welt eben so ist, wie sie ist. Miteinander geht es besser, umgeben von Menschen, die für dieselbe Sache eintreten und ihre individuellen Ideen einbringen. Man findet sich, wenn man will, arbeitet miteinander, setzt sich auseinander und freut sich, wenn die Dinge gelingen. Und eines Tages, da sah ich auf und sah ein unvertrautes Gesicht. Von irgendwoher bist Du zu uns gestoßen. Und dann warst Du da.

Ich begrüßte Dich und sagte Dir, dass ich mich freute, Dich in unserer Runde begrüßen zu dürfen. Du erwidertest meine Begrüßung und mein Lächeln. So wie bei allen anderen. Dann vertieften wir uns wieder in die Arbeit. Du brachtest Deine Vorstellungen und Ideen ein, wie alle anderen, brachtest Deine Bedenken vor und Einwände ein, wie alle anderen. Wir diskutierten, räsonierten, änderten, machten neu, bis wir zufrieden waren mit dem Ergebnis. Endlich konnten wir uns kurz zurücklehnen, für einen Moment und uns an dem freuen, was wir geschafft hatten. Mein Blick traf Dich. auch. Aber es fühlte sich für mich ein klein wenig anders an. Es war gut, wohl auch wie bei allen anderen. Aber es irritierte mich, dass es mir vielleicht ein klein wenig näher ging. Auch, dass Du da warst.

Ich wandte den Blick ab, weil ich nicht wusste, was ich sagen sollte. Es gab nichts zu sagen, nichts Besonderes, so meinte ich. Und Du sagtest auch nichts. Was sollte das Ganze also. So verging die Zeit. die Gruppe festigte sich immer mehr. Wir wurden, wie man so sagt, ein eingespieltes Team, wohl auch mit den entsprechenden und vertrauten Verschleißerscheinungen. Müdigkeit und Resignation, ab und an, stellten sich ein, weil wir nicht so vorankamen, wie wir es uns vorstellten, weil Projekte, von denen wir uns viel versprachen, im Sand verliefen und wir wieder von vorne beginnen mussten. Dann sprachen wir uns gegenseitig Mut zu und gaben uns Hoffnung. Ich merkte, dass ich in diesen Momenten Deinen Zuspruch am meisten suchte. Weil ich ihn auch immer fand. Denn Du warst da.

Und es kam ein Tag, da war es ganz besonders schlimm. Es war ein Gefühl. weit über bloße Mutlosigkeit oder Resignation hinaus. Alles erschien mir mit einem Mal vollkommen sinnlos. Am liebsten hätte ich alles hingeschmissen, von jetzt auf gleich. So viel Energie hatten wir investiert und nichts schaute heraus. Ganz im Gegenteil, es wurde immer schlimmer. Da nahmst Du mich in den Arm und es passierte mir etwas, was ich mir nie zugestanden hätte. Ich weinte. Und es geschah, ohne, dass ich etwas dagegen tun konnte. Du tatst nichts weiter, als mich zu halten. Nichts weiter. Hieltst mich, bis das Weinen aufhörte und ich wieder bei mir selbst war. Anstatt zu sagen, dass es mir gut tat, dass Du da warst und mich hieltst, anstatt auf meine Ängste einzugehen, auch die der Verlorenheit, schwafelte ich was von peinlich und wird nicht wieder vorkommen und von Stärke, die ich eigentlich haben müsste. Dann wandte ich mich wieder unserer Arbeit zu. Ich war bereit. Es musste weitergehen, trotz allem. Ich stürzte mich hinein, um alles andere draußen zu lassen, doch als ich aufsah, zwischendurch, da warst Du nicht da.

Zum ersten Mal wurde mir schmerzhaft bewusst wie blind und taub ich die ganze Zeit über gewesen war, wie sehr ich es verdrängt hatte, dass es ganz speziell gut war, dass Du da warst. Aber es war so selbstverständlich geworden. So hatte ich Dich auch behandelt. Dabei hattest Du nichts weiter gesucht, als einen Zugang zu mir, und da, wo es hätte sein können, da hatte ich Dich brüsk von mir gewiesen. Von einem Moment zum anderen sah ich klar. Doch war es nicht schon zu spät? Hatte ich Dich durch meine Pragmatik und die Abschottung meiner Gefühle nicht vertrieben? Nein, so schnell wollte ich nicht aufgeben. Ich ging hinaus und suchte Dich, so lange, bis ich Dich fand, auf einer Bank im Park. Du saßt vornübergebeugt am Rand des Teiches und Dein Blick verlor sich im Wasser. Ich ging neben Dir in die Hocke und sagte, was ich konnte: „Du warst nicht da, mit einem Mal, und da wurde mir bewusst, dass es mir wichtig ist, dass Du da bist.“

Und Du nahmst meine Hand. Gemeinsam gingen wir zurück. Und dann waren wir da.

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