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Life is too short for boring stories

Die Rosen blühten. Verschiedenste Rot-, Gelb-, Orangetöne besprenkelten den Hof mit bunten Farbklecksen und ein betörender Duft entströmte den Blüten. Immer wieder gingst Du durch die Reihen der Blumen, bliebst bei jeder stehen um ihr Wachstum zu sehen. Nichts weiter, nur sehen und sein lassen.

 

„Ist es nicht faszinierend wie sie wachsen, sich entfalten und den ganzen Hof mit Leben erfüllen, ohne ein Wort, still und sanft?“, fragte ich, indem ich neben Dich trat.

„So oft ich das jetzt auch schon gesehen und miterlebt habe, immer wieder bin ich erstaunt wie das Leben sich Bahn bricht und sich entfaltet, ganz von selbst ohne jedes Zutun“, bestätigtest Du mich.

„Und sollte es nicht schneller gehen? Ich meine, bist Du gar nicht ungeduldig?“, fragte ich weiter.

„Natürlich bin ich ungeduldig, aber die Pflanzen brauchen nun mal ihre Zeit um zu wachsen, die Blätter und die Knospen auszubilden, die Blüten zu öffnen. Da kann ich nichts machen, nur abwarten und sehen“, antwortetest Du.

„Also Du kämst nicht auf die Idee an den Blättern zu ziehen, dass sie schneller wachsen, an den Blüten zu zupfen, dass sie sich früher entfalten, an den Ästen herumzuschneiden, dass sie die Form bekommen, die Du Dir vorstellst?“, fragte ich weiters.

„Warum sollte ich das tun? Damit würde ich die Pflanzen doch bloß kaputt machen“, sagtest Du voll Überzeugung.

„Die Pflanzen würdest Du also kaputt machen? Und Du meinst Menschen gehen nicht kaputt, wenn Du an ihnen herumziehst und zupfst und sie ständig in Façon schneidest?“, fuhr ich fort.

„Sicher gehen auch Menschen dabei kaputt. Man sollte sie doch so lassen wie sie sind und sie nicht zu einem einheitlichen, englischen Garten machen“, entschiedst Du.

„Und warum tust Du es dann ständig? Warum willst Du ständig jemand dazu bringen anders zu sein als er ist? Warum versuchst Du ständig zu manipulieren und Einfluss zu nehmen? Warum schaffst Du es nicht die Menschen sein zu lassen und über das Anders-sein, das Wunder der Vielfalt zu staunen? Warum fällt Dir das nicht einmal ein, was für Dich bei den Blumen offenbar selbstverständlich ist?“, führte ich meine Gedanken aus.

„Weil ich helfen und unterstützen möchte. Ich kann doch nicht zusehen, wenn jemand einen Unsinn macht, wenn er offenen Auges in sein Unglück rennt oder einfach nur dumme Sachen macht“, entgegnetest Du.

„Auch wenn Du nicht um Hilfe und Unterstützung  gebeten wirst, auch wenn der andere meint, dass es sein Weg ist, egal wie dumm oder unüberlegt er Dir erscheint?“, merkte ich an.

„Ja, aber ich will doch da sein für den anderen …“, versuchtest Du Dich zu rechtfertigen.

„Indem Du ihn bevormundest und sagst, dass Du besser mit seinem Leben umgehen kannst als er selbst?“, unterbrach ich Dich.

„Aber ich habe es trotzdem immer gut gemeint. Was soll ich denn sonst machen?“, fragest Du verwirrt.

„Genau das was Du bei den Rosen auch machst“, antwortete ich.

„Da mache ich doch nichts“, entgegnetest Du.

„Eben, nichts. Lass mich sein, so wie Du die Rosen sein lässt. Lass das Leben sich entfalten und seinen Weg finden, und Du wirst sehen, Du wirst ebenso darüber staunen können“, erklärte ich.

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