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Life is too short for boring stories

Es war eine wunderschöne, klare Vollmondnacht, diese Nacht, als ich sie entdeckte, an den Stamm der Weide gelehnt, ganz klein, ganz versteckt, ganz in sich gekehrt. Eine beunruhigende Ruhe ging von ihr aus, und da selbst die Weide nicht sprach, da der Wind noch schlief, setzte ich mich ganz einfach zu ihr, neben sie, ohne die Distanz aufzuhalten, ohne sie zu forcieren.

„Ich bin hier, weil ich Dir meine Geschichte erzählen will, und ich habe gehört, hier ist der Ort um seine Geschichte zu erzählen, hier, in Deiner Welt, in der nichts verloren geht, und die mit und aus dem Erzählen lebt, Dir meine Geschichte zu erzählen, die Dich erweitern könnte und Dich wachsen lässt.“, sagte sie ohne Umschweife.
„Hier ist der Ort, jetzt ist die Zeit, und ich bin da. Erzähle – ich höre.“, forderte ich sie auf.
„Der, dem ich mit meinem ganzen Herzen, meiner ganzen Seele und meinem ganzen Sein verbunden bin, sagte eines Tages zu mir:

‚Wir wollen uns auf den Weg machen, wollen unsere Boote verbinden, so wie wir einander verbunden sind und uns hinausführen lassen auf das weite Meer, uns dem Wind und den Wellen anvertrauen, so wie wir uns uns anvertrauen. Wohin sie uns auch tragen und treiben, dort soll unser Platz und unserer Bestimmung sein, so wie wir uns bestimmt sind.’Es war eine wunderbare Idee unser Gemeinsam zu leben und zu entfalten. So verbanden wir unsere Boote, so dass sie wie eins aussahen, so kompakt und verschmolzen, als hätte sie sie einzeln niemals gegeben. Bei einer leichten Brise und sanftem Wellengang, legten wir ab. Dennoch waren wir bereits nach kürzester Zeit weit draußen auf dem Meer, hatten das Ufer weit hinter uns gelassen, und weit und breit war kein anderes zu sehen. Nach kürzester Zeit? Nun, ich kann es nicht sicher sagen, denn es war eine beglückende, erfüllte Zeit, die sich nicht in Maße passen lässt, und sich jeder Einengung widersetzt. Vielleicht waren es nur wenige Minuten. Genauso gut könnten es auch Jahre gewesen sein. Es war auch völlig einerlei, denn die Zeit sagt nur etwas über das Ausmaß des Unglücks und nichts über das Glück aus. Dem Glücklichen schlägt keine Stunde, aber dem Unglücklichen gräbt sich jede einzelne Minute schmerzlich ein, und wir waren auf der Seite der Glücklichen, von keiner weiteren Absicht beseelt als uns zu sein, und selbst das ist zu viel gesagt, denn wir waren nicht einmal absichtsvoll, nur gewiss, bis jene Nacht hereinbrach, die alles ändern sollte.Es war eine wunderbare Idee unser Gemeinsam zu leben und zu entfalten. So verbanden wir unsere Boote, so dass sie wie eins aussahen, so kompakt und verschmolzen, als hätte sie sie einzeln niemals gegeben. Bei einer leichten Brise und sanftem Wellengang, legten wir ab. Dennoch waren wir bereits nach kürzester Zeit weit draußen auf dem Meer, hatten das Ufer weit hinter uns gelassen, und weit und breit war kein anderes zu sehen. Nach kürzester Zeit? Nun, ich kann es nicht sicher sagen, denn es war eine beglückende, erfüllte Zeit, die sich nicht in Maße passen lässt, und sich jeder Einengung widersetzt. Vielleicht waren es nur wenige Minuten. Genauso gut könnten es auch Jahre gewesen sein. Es war auch völlig einerlei, denn die Zeit sagt nur etwas über das Ausmaß des Unglücks und nichts über das Glück aus. Dem Glücklichen schlägt keine Stunde, aber dem Unglücklichen gräbt sich jede einzelne Minute schmerzlich ein, und wir waren auf der Seite der Glücklichen, von keiner weiteren Absicht beseelt als uns zu sein, und selbst das ist zu viel gesagt, denn wir waren nicht einmal absichtsvoll, nur gewiss, bis jene Nacht hereinbrach, die alles ändern sollte.

Wie stark war sie wirklich? Wie viel würde sie aushalten, diese, unsere Verbindung? Wie lange würde sie den auf sie wirkenden Kräften zu trotzen vermögen?

Ängstlich und kleinlaut hielten wir uns an den Händen, während wir mitansehen mussten, wie sich die Verbindung immer mehr lockerte, wie sie schließlich brach und uns letztendlich auch unsere Hände entglitten, wie unsere Boote immer mehr voneinander drifteten, ohne Möglichkeit es aufzuhalten, bis wir uns aus den Augen verloren, und nun jeder für sich kämpfen musste, durch Sturm, Nacht und Regen.“ So erzählte sie mir. Und ich sah es vor mir, die Verlorenheit und die Ohnmacht, den Schmerz und die Demütigung, doch war die Geschichte wirklich hier zu Ende?

Der Vollmond blieb ungerührt, nur der Wind ließ die Äste der Weide noch immer schweigen, als sie fortfuhr:

„Ich rief seinen Namen, doch meine Worte zerbrachen am Tosen des Windes, wurden verschluckt vom Brausen des Sturms, wurden weggespült vom Klatschen des Regens. Ich rief seinen Namen, trotz allem, weil ich nicht aufgeben wollte, nicht aufgeben konnte. Und die Nacht brach herein. Allmählich hörte alles auf, der Regen und der Sturm. Plötzlich war alles still um mich. Nochmals versuchte ich es, ihn zu rufen, und sein Name scholl weithin übers Meer, doch ich bekam keine Antwort. Eine beinahe gespenstische Stille umgab mich, die desto drückender war nachdem gerade eben noch der Sturm gebrüllt hatte. War das bereits die Todesstille? Sollte er in den tosenden Wellen sein nasses Grab gefunden haben? Wenn es so wäre, so wollte ich ihm nach, da es denn der einzige Weg gewesen wäre doch noch mit ihm vereint zu sein. Aber ich wusste es nicht. Was wenn es ihm genauso erginge? Wenn die Nacht vorbei wäre, dann würde ich sein Boot sehen und wir würden sie wieder verbinden. Alles wäre wieder so wie früher, als ob nichts passiert wäre. Wir würden wieder verbunden und glücklich miteinander sein. Irgendwann muss ich dann wohl doch eingeschlafen sein. Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass ich in irgendeiner Weise Erschöpfung gespürt hätte, nur, dass ich eingeschlafen war, das stand fest, denn ich erwachte. Automatisch griff meine Hand hinüber zu Dir, hinüber zu Deinem Boot, doch sie griff ins Leere. Vielleicht hatte ich auch gedacht, hatte mir einzureden versucht, das, was da geschehen war, war bloß ein schrecklicher Albtraum gewesen, doch es war wahr, war wirklich geschehen. Die Sonne stand bereits am Himmel und der Himmel war strahlend blau, stumpfsinnig und trostlos. Ich wusste, ich musste auf mich achten, um nicht auch diesem Stumpfsinn und dieser Trostlosigkeit zu verfallen, mich nicht hineinziehen zu lassen. Doch woher sollte ich Sinn nehmen? Woraus sollte ich Trost schöpfen? Mein Boot trieb dahin, einfach dahin, und ich ließ es. Ich könnte auch nicht mehr sagen, wie lange ich so dahintrieb, mich dahintreiben ließ, bevor ich ein Ufer erreichte, irgendeines, irgendwo. Hier, dachte ich mir, hier wird wohl meine Reise zu Ende sein. Ich begann mich einzurichten, in diesem Hier, denn wenn ich irgendwo bliebe, so würde er mich leichter finden. Dann wieder machte ich mich auf den Weg, weil ich die Vermutung hatte, dass er den gleichen Gedanken gehabt haben könnte und irgendwo darauf wartete von mir gefunden zu werden. Letztendlich kehrte ich wieder zu diesem Hier zurück. Doch ganz gleich was ich mache, ob ich finden will oder gefunden werden will, ich habe keinen Hinweis, nicht den kleinsten gefunden, wo er sich aufhält.“

An dieser Stelle hielt sie inne, in ihrer Erzählung. Wohl weil sie im Gegenwärtigen angekommen war. Und der Wind ließ die Äste immer noch schweigen, als würde er gespannt lauschen.

„Wenn es der ist, den Deine Seele und dessen Seele Dich sucht, so kannst Du bleiben oder gehen, ihr werdet euch finden, unausweichlich. Geh Deinen Weg, ganz gleich wo er Dich hinführt. Wenn es sein soll, dann werden sich eure Wege wieder kreuzen. Du kannst es weder beschleunigen noch verhindern – wenn es sein soll, dann wird es sein. Du hast keinen Einfluss darauf, aber Du kannst etwas tun: Halte die Augen offen und Dein Herz weit, damit Du es nicht übersiehst, dann wenn es sein soll, wenn es sein soll.“, sagte ich ihr.

„Das ist alles? Mehr kannst Du mir nicht sagen?“, fragte sie, offenbar enttäuscht.
„Ich kann Dir nicht mehr geben als Hoffnung, und ich habe auch nie mehr in Aussicht gestellt.“, antwortete ich.

Sie ging zurück in ihre Welt. Es war ihr wohl zu wenig.

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