novels4u.com

Life is too short for boring stories

Was hat es auf sich, mit dieser ungebändigten und unbändigbaren Sehnsucht, die sich in mir breit macht, in mir wütet, wie ein rasch wachsendes Geschwür, das ohne Heilung und Linderung bleibt, weil es kein Mittel dagegen gibt?

Was hat es auf sich, mit dieser ewig vorwärtstreibenden Ruhelosigkeit, die in mir wohnt, mich immer mehr und mehr in Besitz nimmt?

Was hat es auf sich, mit diesem ewig ungestillten und unstillbarem Verlangen nach dem Mehr, nach dem Mehr als Alles, das es geben muss, einfach geben muss, auch wenn ich es niemals finden werde?

Dort vorne, inmitten meines Rosengartens, hat sie kurz aufgeleuchtet, war sie für einen Moment eingetaucht in das fahle, sanfte Licht des Mondes, das sie aufblitzen ließ und damit selbst die ganze Pracht der herrlichen Rosen überstrahlte, die blaue Blume, der Inbegriff der fortwährenden Suche nach dem, was ich eigentlich nicht finden will. Nur die Gewißheit, dass es sie gibt, dass ich sie erreichen könnte, dass ich mich vor ihr niederknie und sie mir aneigne, sie mir zu eigen machen könnte, nur diese Gewißheit genügt mir. Denn ganz gleich, ob ich sie pflücken oder mitsamt den Wurzeln ausgraben würde, sie würde sterben, genau in diesem Moment, würde den Kopf hängen lassen und nie mehr blühen, nie mehr leuchten, würde mir nie mehr blühen, mir nie mehr leuchten. Jegliches Ziel, jegliche Orientierung und jeglicher Sinn wären mir verloren.

Die blaue Blume, die sich mir kurz zeigt, sie ist der Inbegriff aller Antworten auf meine ungebändigte und unbändigbare Sehnsucht. Doch was kommt nach allen Antworten, nach der Gewißheit? Nichts mehr worauf sich meine Sehnsucht richten könnt, ja nicht einmal mehr die Sehnsucht selbst!

Die blaue Blume, die sich mir zeigt, sie ist der Ort, zur Ruhe zu kommen, der Ort, an dem sich alles Vorwärtsstreben erledigt, ist Verführung zum Stillstand und Godot. Doch was wäre alles Streben ohne Antrieb? Nichts mehr worauf sich meine Entdeckerfreude richten könnte!

Die blaue Blume, die sich mir zeigt, sie ist das Mehr als Alles, an das ich glaube, weil ich daran glauben will, das Mehr als Alles, das alle Halbheiten, alle Mißverständlichkeiten, alles Trennende überwindet, indem es zur Ganzheit zusammenführt, alles Versprengte und Verlorene in sich fasst und vereint. Doch was kommt nach der Gesamtheit, nach der Vereinigung zur Ganzheit? Nichts mehr was es wert wäre auch nur die Augen zu öffnen.

Ich werfe nochmals einen Blick zu der Stelle, an der ich die blaue Blume kurz aufblitzen sah, doch der blaue Schimmer ist verschwunden, so dass ich aufs Neue anfangen kann, sie zu suchen, so dass ich sie noch immer als Ziel vor Augen haben darf, und sie mir als solches nicht verloren geht. Ich mache mich wieder auf den Weg, zur blauen Blume. Vielleicht finde ich sie ja in Dir.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: