Der Glanz in meinen Augen

Du sagst, meine Augen hätten ihren Glanz verloren, seit ich Dich verlassen habe. Du fandest darin so viel sprühende Lebensfreude und Heiterkeit, Ausgeglichenheit und Verbundenheit, Verstehen und Verträumtheit, Lachen und Glück. Eben all das, was ich nur verspüren könne, wenn ich mit Dir zusammen bin. Deshalb wäre es nur folgerichtig, dass meine Augen ihren Glanz verloren hätten, seit ich Dich verlassen habe. Sagst Du.

Interessiert betrachte ich die Bilder, die seit damals entstanden sind, vergleiche sie mit jenen, aus der Zeit davor und finde keinen Unterschied, außer Deinem Wunsch, dass meine Augen den Glanz verlieren, wenn ich mich erdreiste eine Entscheidung zu treffen, jene, Dich zu verlassen. Weil Du meinst, dass es keine Lebensfreude und keine Heiterkeit, keine Ausgeglichenheit und keine Verbundenheit, kein Verstehen und keine Verträumtheit, kein Lachen und kein Glück für mich geben darf, wenn Du nicht in meinem Leben bist.

„Du wirst eines Tages begreifen, was Du an mir verloren hast, als Du mich verließt. Und dann wirst Du todunglücklich sein und alles bereuen“, meinst Du. Vielleicht tut es Dir gut, wenn Du Dir einreden kannst, dass ich leide, unter meiner Entscheidung, Deinem Ego und Deinem Selbstwert. Kann sein, dass Du es brauchst, damit Du Dich besser fühlst. Und die Selbstbestätigung, dass Du noch immer jede Menge Frauen in Dein Bett bringen kannst. Nur mit Liebe hat das nichts zu tun.

Liebe ist, wenn ich mich am Glanz in Deinen Augen erfreue und ihn aufs Neue zu entfachen suche, wenn er zu verglimmen droht. Sie ist, wenn ich mir, selbstlos und bedingungslos, wünsche, dass Du die Lebensfreude und die Heiterkeit, die Ausgeglichenheit und die Verbundenheit, das Verstehen und die Verträumtheit, das Lachen und das Glück in Dir findest, ganz gleich welche Rolle ich in Deinem Leben spiele, denn Liebe steht für sich, ist nicht angewiesen auf Deine Zustimmung oder Deine Anerkennung. Sie erfreut sich nicht an Deinem Leid, um sich selbst zu bestärken. Sie definiert sich nicht über ein Haus oder ein Auto oder einen anderen gemeinsamen Besitz, über gar keinen Besitz, auch nicht darüber, Dich zu besitzen. Liebe ist, wenn ich Dich zu Dir selbst freigebe und akzeptiere, dass Wege, die für eine Zeit zusammenführten, sich auch wieder trennen. Liebe ist, wenn ich Dir den Wunsch mitgeben kann, dass Du aus Deinem Leben das Beste machen wirst, was Dir möglich ist.

Doch Du meinst, dass ich unglücklich sein muss, weil ich Dich verlassen habe, auch wenn ich selbst noch nichts davon weiß. Denn Du bist jemand, der sich in jeder Hinsicht so einprägt, dass ich mich für den Rest meines Lebens nach Dir verzehren muss. In Wahrheit erträgst Du es nicht, verlassen worden zu sein. Wenn dann verlässt Du. Es passt nicht in Dein Weltbild, dass ich einfach weiterlebe, ohne mich um Dich zu grämen.

Doch wenn Du es schaffst, all den Trotz und die Vereinnahmung, die Egozentrik und die Eigensinnigkeit beiseite zu lassen, dann wirst Du sehen, dass der Glanz immer noch in meinen Augen ist, obwohl ich Dich verlassen habe und Du wirst Dich mit mir darüber freuen.

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