novels4u.com

Life is too short for boring stories

Ich ging so meinen Weg, wie so viele von uns, nachdem sie schon mehrere Jahrzehnte in diesem Leben zugebracht haben, geradlinig, ohne besondere Umwege und Hindernisse. Bisweilen lag da wohl noch das eine oder andere Steinchen, das vielleicht zwang das Bein ein wenig höher zu heben als gewohnt, aber ansonsten war alles geregelt. Der Weg war gerade und überschaubar. Keine besonderen Vorkommnisse zeichneten sich ab, keine Abweichungen kamen in den Blick.

Zu Anfang des Weges, da war es ein wenig anders gewesen. Da waren noch Unsicherheiten und jede Menge Entscheidungsmöglichkeiten, die herausforderten, aber auch mürbe machten. Da wünschte ich mir nichts mehr, als diesen einen geraden Weg für mich zu finden, auf dass da endlich Ruhe einkehren und das ewige Auf und Ab zwischen Euphorie und Apathie aufhören möge. Mittlerweile hatte ich genau das erreicht was ich mir damals wünschte. Ich hatte es also geschafft, und ging den Weg in Ruhe und Beschaulichkeit. Es war wohl auch langweilig und wenig zufriedenstellend, aber das war wohl der Preis dafür, für die Ruhe, die Beschaulichkeit und die Vorhersehbarkeit. Man kann ja schließlich nicht alles haben! Immer wieder zwang sich dieser Gedanke hervor, dass da vielleicht doch noch mehr sein könnte, und immer wieder gelang es mir ihn wieder einzusperren. Aber er war nachhaltig und gewitzt. Durch die kleinsten Ritzen vermochte er zu schlüpfen und die kleinste Unachtsamkeit auszunutzen. Aber auch ich blieb nicht untätig und wusste ihn immer besser zu verstecken, vor mir. So ging ich meinen Weg, ruhig, beschaulich und bescheiden.

Wogegen war ich da gerannt? Gerade eben war das noch nicht dagewesen. Wo war das hergekommen? Ich rieb mir meine schmerzende Nase. Hätte denn da keiner ein Hinweisschild hinstellen können? Einen so zu erschrecken, aufzustören, das gehört sich nicht. Da war es eingefallen, auf meinen Weg, ohne Warnung, ohne Zeichen, ohne Hinweis. Ich versuchte daran vorbeizusehen, doch es ging nicht, also sah ich mal genauer hin, und da standst Du und warst wohl genau so verdattert wie ich. Niemals wäre mir das eingefallen.

„Hör mal, musst Du gerade da stehen, auf meinem Weg?“, fragte ich herausfordernd.
„Es ist genau umgekehrt, Du stehst auf meinem Weg.“, entgegnetest Du, die Herausforderung annehmend.
„Das kann nicht sein. Ich bin schon die ganze Zeit hier gegangen, alles war klar und übersichtlich. Und dann warst Du plötzlich da.“
„Hör mal, ich werde doch wissen was ich weiß, und genau das war bei mir der Fall. Es war mein Weg, gerade und eindeutig. Du hast Dich mir in den Weg gestellt.“
„Aber was war es dann, das es machte, dass wir auf unserem Weg einfielen, Du in meinen und ich in Deinen, einfach so, ohne Vorwarnung?“
„Ich kann Dir nicht sagen was es war, aber ich frage mich warum es einfach so passiert, dieses Einfallen, dieses Da-sein?“
„Warum gerade jetzt, warum gerade Du?“
„Fragst Du eigentlich immer so viel?“, fragtest Du, unwillkürlich lächelnd
„Und Du, fragst Du immer so viel?“, bemerkte ich, Dein Lächeln erwidernd.
„Ich möchte verstehen was passiert ist und durch wen und wieso.“
„Vielleicht gibt es einfach Dinge, die nicht zu verstehen sind oder einfach jetzt noch nicht.“
„Dann lass es uns doch gemeinsam herausfinden.“

Niemals wäre es mir eingefallen ….

2 Gedanken zu “Niemals wäre es mir eingefallen

  1. oma99 sagt:

    Ja, so kann es gehen und es ging so… *smile*
    Faszinierende Parallelen *smile*

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: