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Life is too short for boring stories

Kühn, verwegen und extrem, sagten die einen, die, die es nicht besser verstanden. Empathisch, verbunden und leidenschaftlich, sagten die anderen, die, die es besser verstanden, Dich verstanden. Eigentlich kann man niemandem, der es nicht verstand, einen Vorwurf machen. Das waren jene Menschen, die sich in Parfümwolken hüllten, statt im Gras zu liegen und jene am Himmel zu betrachten, jene, deren schlimmster Alptraum während einer Pandemie, geschlossene Friseure und Kosmetiksalons waren. Du rochst nach Erde und Laub und Holz, nach Verbundenheit und Vertrautheit mit der Natur, nach Verwurzelung und Eins-Sein. So oft ich Dich sah, warst Du in Dir gefestigt. Du hast Dir die Haare kurz geschnitten, weil es störte, beim Wandern durch die Wälder und beim Klettern auf Bäume.

Wildtiere kannten keine Scheu vor Dir. Sie nahmen wahr, dass Du da mit ihnen warst, nicht neben ihnen. Und eines Tages, als Du auf einen hohen Berg gestiegen warst, die Baumgrenze weit hinter Dir lassend, den Blick zum Himmel erhoben, in die Ferne schweifen lassend, da wurde aus dem Gefühl des Eins-seins ein Bewusstsein, Du selbst bleibend, warst du allem verbunden, alles andere selbst sein lassend, standst Du doch im Einklang. Da wuchsen Dir Flügel, große, weite Schwingen, die Dich hochtrugen und die Klarheit der Sicht verstärkte sich. Die Freiheit, die dem offen steht, der dem Leben aufs Innigste verbunden ist, war Dir beschieden. Es gab keine Schranken und Gräben mehr, die Du nicht überwinden hättest können, sondern nur mehr Brücken und Durchgänge. So hätte es Dir beschieden sein können, zu einen, was getrennt war, zu versöhnen, was geschieden war und zum Leben zu führen, was in Leblosigkeit verharrte. Du hättest die Kraft gehabt, so dass Du Dich unter die Menschen wagtest, mit nichts, als dieser Begeisterung für das Leben, die Du weitergeben wolltest, in Deiner Geschichte und Deinem Vorbild.

Die Menschen, die Du trafst, weit entfernt von Freiheit, noch weiter von sich selbst und somit jeder anderen Verbindung, hörten nicht, was Du sagtest, sondern sie ergrimmten, ob dem, was Dir selbstverständlich war. Sie wollten, was Du hattest, und doch ihr Leben nicht ändern. Du wurdest für sie zu einem Mahnmal ihres eigenen Versagens, ihrer Bewusstlosigkeit und Ohn-macht, gegenüber den Verhältnissen, die sie sich selbst geschaffen hatten. Deshalb fielen sie über Dich her, zerbrachen Deine Flügel, so dass Du nicht mehr aufsteigen konntest. Doch sie begnügten sich nicht damit. Es war zu wenig, denn die Stümpfe auf Deinem Rücken blieben, so dass sie Dir auch diese herausschnitten. Zwei große, offene Wunden blieben. Mahnung und Warnung. Fast wärst Du daran zugrunde gegangen, doch Du zogst Dich zurück, für eine Weile, bis die Wunden verheilt waren. Zwei Narben blieben, die sich über Deinen ganzen Rücken zogen, doch die Flügel wuchsen nicht nach, weil Du nicht mehr die Kraft fandest, zurückzukehren zu dieser Unschuld des Ursprungs, zu jener Vertrautheit. Dennoch gabst Du nicht auf. Noch nicht.

Du kehrtest zurück zu den Menschen, ohne Flügel, vielleicht mit ein bisschen mehr Verständnis für deren Situation. Dennoch stachst Du heraus, immer noch, wegen Deiner Lebendigkeit. Sie hatten Dich noch nicht genug zerstört, Dir noch nicht genug genommen, um Dich wirklich als eine von ihnen akzeptieren zu können, gefangen in der gleichen Isolation und Lebensverneinung, immer noch nicht genug. Untertänigkeit und Gehorsam, so dass sie Dir auch diesen Rest nahmen, bis nichts mehr war, von dem, was Dein Eigen-sein in Verbundenheit, Dein Eigen-sein lassen im Miteinander gewesen war. Du drangst nicht zu ihnen durch. Du konntest nicht bleiben, so dass Du Dich zurückzogst, zu Deinen Anfängen. Zumindest versuchtest Du es, doch Du fandst sie nicht mehr. Zuviel war geschehen. Stück für Stück löstest Du Dich auf, vertragen vom Wind, bis zu den Wolken, bis Du nicht mehr warst, nichts mehr von Dir und Du Dich vollständig aufgelöst hattest im Eins-sein, weil Du keine Chance hattest, niemals eine gehabt hattest. Was bleibt ist der Geruch, den Du mit Dir trugst, nach Erde und Lehm und Holz, nach Verbundenheit und Vertrautheit mit der Natur, nach Verwurzelung und Eins-Sein. Es hätte sein können, aber Du bist untergegangen. Wie sehr ich Dich vermisse.

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