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Life is too short for boring stories

Als Du gingst, kam der Schmerz. Ein Kommen und Gehen. Ihr gabt Euch die Klinke in die Hand. Ich weiß nicht, ob es unerwartet war, nur, dass ich sprichwörtlich aus allen Wolken fiel. Gerade noch hattest Du davon gesprochen, was wir nicht noch alles miteinander tun sollten. Aufgeschobenes. Immer wieder Aufgeschobenes.

„Aber nicht aufgehoben“, beteuertest Du jedes Mal, wenn Du ein Treffen absagtest, „Glaub ja nicht, dass ich darauf vergesse.“ Dass Du es vergaßt, das hatte ich auch nicht angenommen, es passte einfach nicht in Deine Zeitplanung, zunächst ab und zu, dann immer öfter. Trotzdem dachte ich mir nichts dabei, es war eben so. Vor allem mit Deinen Beteuerungen im Ohr. Ich vertraute, auch weil ich es wollte und übersah vielleicht, dass Du Deine Zusagen nicht einhieltst. Leichthin gingst Du darüber hinweg und begannst wieder von vorne.

Und dann kam der Tag, an dem Du gingst, ohne jede Beteuerung oder Versicherung oder Aussicht. Du verabschiedetest, bloß mit einem Winken. Auch wenn Du es nicht aussprachst, so wurde mir im selben Moment bewusst, dass ich Dich nie wiedersehen würde. Und mit diesem Bewusst-werden kam der Schmerz. Er nistete sich ein, in meiner Brust. Ebenso wie ich wusste, dass Du für immer gegangen warst, wusste ich, dass dieser Schmerz für immer bleiben würde. Zwei für immer, die ich gerne gegeneinander ausgetauscht hätte, aber das lag nicht in meinem Einflussbereich, weder Dich von Deinem Entschluss abzubringen, noch den Schmerz zu verjagen. Zu intensiv und beglückend und Begeisterung weckend war unser Miteinander gewesen. Du warst mir vertraut, wie ich es mir selbst nicht bin, hatte ich manchmal den Eindruck. Du nahmst mich wahr und an, genau so, wie ich war. Ich hatte keinen Grund mich zu verstellen, keinen Moment war ich auch nur versucht, Dir etwas vorzuspielen. Ganz sacht hattest Du Dich in mein Leben und mein Herz geschlichen, hattest Dich unentbehrlich gemacht, als Freund und Tröster, einfach jemand, der mich aushielt. Das ist alles andere als selbstverständlich. Natürlich forderte ich Dich und Deine Geduld mit mir heraus. Du hieltst stand, meinen Eskapaden und mir. Es zeichnete Dich aus, dass Du zu mir standst und mich unterstütztest, wenn Du spürtest, dass es notwendig und wichtig war. Du hast mich aufgefangen, wenn ich strauchelte. Und Deine starke Hand umfasste die meine, schenkte mir Kraft und Zuversicht. Das alles war, bis zu dem Tag, an dem Deine Anwesenheit durch den des Schmerzes vertauscht wurde, so unvorhergesehen und gleichzeitig so offensichtlich.

Der Schmerz begann sich einzunisten, zuerst in meiner Brust, von wo er sich über meinen ganzen Körper ausbreitete. Am Anfang hatte ich noch Hoffnung, doch die verblasste nach und nach, während der Schmerz immer stärker wurde. Du hattest eine Aussichtslosigkeit in meinem Leben hinterlassen, weil Du zuerst Aussicht geschenkt hattest. Ich begann mich zu fragen, wie das vor Dir war. Da hatte mein Leben auch funktioniert. Doch dazwischen war diese Begegnung, die mich veranlasste, mich einzulassen und mich auf Dich zu verlassen. Hätte ich es nicht getan, so wäre ich nun nicht so verlassen. Und mit dem Schmerz kam auch etwas anderes, ein klarer, emotional weniger aufgeladener Blick, der mich endlich sehen ließ, was ich bis zu diesem Moment nicht wahrhaben wollte, dass ich für Dich nichts weiter war, als eine Herausforderung. Du wusstest, ich würde nicht leicht zu knacken sein, wie es so schön, oder eher unschön, heißt. Aber Du hast es geschafft, hast Dich in meine Leben geschlichen, so subtil und verführerisch, dass ich einfach glauben wollte, was Du mir vorspieltest. Dabei zeigtest Du so viel Geduld und Einfühlungsvermögen, dass ich irgendwann überzeugt davon war, dass nur jemand, der es wirklich ernst meinte, so viel investieren würde, bis ich erkennen konnte, dass es genau das war, was Dich reizte, Deinen Jagdinstinkt herauforderte, wie ein besonders scheues und seltenes Wild. Dein Ehrgeiz war geweckt. Du setztest alles daran, mich zu überzeugen. Du hast das Spiel grandios gespielt. Ich hegte keinen Argwohn. Erst als Du mich erlegt hattest, wurde es uninteressant und ich nur eine weitere Trophäe in Deiner Sammlung, so dass Du bereit warst, wieder auf die Jagd zu gehen, Dir eine neue Herausforderung zu suchen. Dabei wäre es so schön gewesen, einfach vertrauen zu können und sich in die Geborgenheit einzurollen. Stattdessen war der Schmerz alles, was mir blieb.

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