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Life is too short for boring stories

Sie hielt inne und sah hinauf zu den Sternen, als würde sie dort den Ansatz zum Fortgang ihrer Geschichte finden.

„Meine Mutter und mein Vater haben geheiratet, und so weit ich das beurteilen kann, müssen sie wohl glücklich gewesen sein, denn es gibt über die folgenden Jahre nichts weiter zu berichten, und es gibt nur eines, worüber man nicht berichten kann und das ist der Zustand des Glücks. Und es kann nur ein Zustand sein, das Glück, denn darin gibt es keine Entwicklung und kein Wachsen. Wozu auch? Man ist ja eigentlich schon dort, wo man hinwill. Meine Mutter und mein Vater waren also glücklich miteinander, so lange sie diesen Zustand aushielten und als sie es eines Tages nicht mehr aushielten, beschlossen sie Kinder in die Welt zu setzen, denn das sollte ihre Liebe vervollkommnen. So sagt man wohl dazu.

In Wahrheit ist es doch nichts weiter als das Leben wieder spüren zu wollen, herauszukommen aus dem vegetativen Sumpf des Glücks, zurück in die Ungeordnetheit und das Chaos, das wachsen und werden beinhalten, Leben, das unbezähmbar und unbegreiflich ist und bleibt, in seiner überbordenden Leidenschaft. Ein Wahn, ein Rausch, eine Ent-setztheit, die niemand auf Dauer erträgt, sodass man Phasen des Glücks einbauen muss um sich ein wenig zu erholen und auszuruhen, um wieder genügend Kräfte zu sammeln um das Leben wieder leben zu können. Das ist wohl auch gemeint, wenn man von jemandem sagt, er lebt schnell oder langsam. Da gibt es wohl Menschen, die in einer Woche so viel Leben verbrauchen wie andere in Jahren nicht, und immer noch nicht genug bekommen, immer noch geifern und gieren nach mehr Leben, immer mehr, dem Mehr als Alles, das sie nicht zu benennen wissen, und wohl auch nicht was das eigentlich sein soll. Manche suchen unermüdlich weiter, und andere – so wie meine Mutter und mein Vater – setzen eben Kinder in die Welt. Mindestens zwei sollten es sein, doch dann bekamen sie drei auf einen Schlag. Drillinge, drei Mädchen, Sophie, Sabrina und Sarah, wurden sie genannt, und nun, nun sollte ihr Glück vollkommen sein.

Vielleicht hätte es so sein können, doch meine Mutter hatte wohl keine Zeit mehr, über Glück oder dessen Abwesenheit zu philosophieren, denn ihr Tag wurde von da an von den Bedürfnissen dieser drei kleinen Mädchen bestimmt. Noch einmal hatte sie ihrem Leben eine völlig neue Ausrichtung gegeben, hatte eine Entscheidung getroffen, die wohl die ihre war, und auf die sie – wie sich herausstellte – doch keinen Einfluss hatte. Aber Rat, ja Rat hat sie keinen mehr erteilt.“

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