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Life is too short for boring stories

„Das ist jetzt wirklich nicht Dein Ernst!“, fuhr sie ihn an, und er zog sofort seine Hände zurück, weil selbst ihm als Mann nicht entgangen war, dass sie genau das meinte, was sie sagte, ausnahmsweise. Möglicherweise war es auch nur der schrille Ton, der ihn zurückzucken ließ. Als sie plötzlich und völlig unvorhergesehen in Tränen ausbrach, „Du siehst, dass es mir beschissen geht und Du, Du, Du, Du Mann, Du, Du denkst immer nur an das Eine. Nie kuschelst Du mit mir!“, und wenn sie noch etwas gesagt haben sollte, dann ging es in heillosem Schluchzen unter. Eigentlich, so hätte er nun einwenden können, hatte sie normal dagesessen und ihre Frauenzeitschrift durchgeblättert, ohne das geringste Anzeichen dafür, dass es ihr schlecht ging. Darüber hinaus, hatte er bloß seine Hand auf die ihre gelegt. Was heißt da, seine Hand, seine Fingerspitzen. Das hätte er sagen können, aber er war lang genug geschult worden, dass er wusste, das war nicht das, was sie hören wollte. Aber wenn er nicht einmal die Fingerspitzen in die Nähe ihrer Haut bringen durfte, ohne sofort in den Verdacht zu geraten, sie bloß vögeln zu wollen, wie sollte er sie in den Arm nehmen. Es war ein wahrhaftes Dilemma. Deshalb saß er einfach nur da und sah verwirrt drein.

„Ich bekomme bald meine Tage, fühle mich aufgeschwemmt wie ein Rhinozeros, und Du denkst mal wieder nur an Sex. Meine Gefühle sind Dir völlig egal“, setzte sie hinzu, „Fett und unansehnlich.“ Brachte sie noch hervor, als sie wiederum in Tränen ausbrach. Wenige Minuten später stopfte sie Berge von Eiscreme und Schokolade in sich hinein. Das war wohl das richtige Mittel dagegen, sich fett zu fühlen. Dann durfte er sogar den Arm um sie legen. Natürlich wollte er mit ihr vögeln. Seine Hormone sagten es ihm. Der Auftrag seinen Samen so weit wie möglich zu verbreiten, war sein genetisches Erbe. Aber immerhin, er war zivilisiert und diese Tage würden vorbeigehen.

„Also Du lernst auch wirklich nichts dazu!“, herrschte sie ihn an, als er tatsächlich einen weiteren Vorstoß wagte, nachdem er eine, für ihn langandauernde, Zärtlichkeitsphase überstanden hatte, voll kuscheln und warmhalten und emotionalen Gesprächen. Er hatte bereits die vage Befürchtung in den beste Freundinnen-Status befördert zu werden. Deshalb war es an der Zeit, seiner Meinung nach, ihr den Herrn zu zeigen. Aber auch damit war er schlecht beraten. „Du meinst doch nicht im Ernst, dass ich während meiner Tage auch nur die geringste Lust auf Sex habe!“, ergänzte sie, wobei ihm einfiel, dass er da schon ganz anderes erlebt hatte und sich ernsthaft zu fragen begann, ob mit den Jahren das Zickigkeitslevel anstieg oder ob sie es früher nur gut kaschiert hatte. „Und wann meinst Du, dass ich dann mit meiner eigenen Frau schlafen darf?“, entfuhr es ihm unwillkürlich und weil selbst er langsam die Geduld verlor. „Also, wenn Du weiterhin so unsensibel und despotisch bist, nie mehr“, herrschte sie ihn an, „Sowas von emotionslos, was Du bist, und dann meinst Du wahrscheinlich, ich müsste sofort parat stehen, wenn der Herr es wünscht.“ Daraufhin ging er hinaus, denn es war ihm eingefallen, dass noch Holz zum Hacken und Abreagieren da war. Wusste sie denn nicht, dass die beste Prophylaxe für seine Prostata regelmäßiger Sex war? Aber auch sie war die Gefangene ihrer Hormone und scherte sich nicht um seine Gesundheit, auch nicht um seine männliche Bedürftigkeit. Aber, so versuchte er sich selbst zu trösten, das würde nicht lange dauern.

„Du hast wirklich keine Ahnung vom weiblichen Körper. Wie alt musst Du eigentlich werden, bis Du irgendetwas dazulernst?“, herrschte sie ihn an, als er tatsächlich einen weiteren Annäherungsversuch wagte, nachdem er – seinem Empfinden nach – genug Zeit hatte verstreichen lassen. „Jetzt hatte ich gerad erst meine Tage und nun braucht mein Körper Ruhe um sich zu regenerieren. Der weibliche Körper ist so ein sensibles Machwerk, da kommt ihr mit eurem rein mechanischen Hebelfunktionsmechanismus nicht mit.“, erklärte sie ihm. „Dafür ist der nicht so anfällig“, gab er zurück. Und nachdem es kein Holz mehr zu hacken gab, verließ er wortlos das Haus.

„Und, hat er es geschluckt?“, fragte ihr Geliebter, als sie sich an diesem Nachmittag wohlig in seinen Armen rekelte. „Natürlich“, erwiderte sie verschmitzt, „Denn wer nichts weiß, muss alles glauben.“

2 Gedanken zu “ADPM-Syndrom – Ante, durante & post-menstruales Syndrom

  1. oma99 sagt:

    nicht schlecht, Frau Specht 😉

    Gefällt 1 Person

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