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Life is too short for boring stories

Ein kleiner Ort in Franken, mit einem mittelalterlich anmutenden Stadtkern, gediegenen Fachwerkhäusern und Kopfsteinpflaster, das für stöckelschuhtragende Dame immer wieder aufs Neue eine Herausforderung darstellt. Der Name ist Kronach, und wenn es Dich mal ins Fränkische verschlägt, wirst Du es sicher nicht bereuen einen Abstecher dorthin zu unternehmen. In diesem malerischen Ort gibt es eine Galerie, die gleichzeitig eine Bar ist, oder umgekehrt, wie man will. Diese wird geführt von dem Maler Martin Ludwig, woraus sich diese Symbiose beinahe organisch ergibt. Heimelig ist das Lokal und einladend. Betritt man den weitläufigen, verwinkelten Hinterhof, so fühlt man sich eingeladen und vertraut, bis man sich wiederfindet an dem kleinen Teich. Liegen bieten an dort einfach zu verweilen und den klaren Sternenhimmel zu genießen. Oder den Sonnenschein. Je nach Tageszeit.

Im April 2018 hatten wir das Vergnügen dieses Lokal kennenzulernen. Damals lasen wir, im Freien, aus einem gemeinsamen Erotikbuch „Die Banane schält sich nicht alleine“, und wir wurden so herzlich und offen aufgenommen, dass wir beschlossen, dies bei Gelegenheit zu wiederholen. Nun ergab sich die Gelegenheit, doch diesmal mit veränderter Rollenaufteilung als das Duo, das „Lesung & Lieder von der Liebe & vom Leben“ macht, wobei ich für die Lesung und mein Partner für die Lieder verantwortlich ist.

 

Gewohnheitsmäßig, auch um sich die Gelegenheit zu geben sich einzustimmen, sind wir knapp eine Stunde vor Beginn am Ort des Geschehens. Alles wird aufgebaut und hergerichtet. Noch in Ruhe was trinken. Die Umgebung wahrnehmen und annehmen, was in diesem Fall ganz besonders leichtfällt. Nach und nach treffen die Gäste ein. Wir beschließen eine Viertelstunde später zu beginnen, es eilt nicht. Wir wollen auch denen die Möglichkeit geben anzukommen, die immer in der letzten Minute erscheinen. Ich kenne das sehr gut. Vor allem von mir selbst. Dann kehrt Ruhe ein. Die Begrüßung. Die Auswahl an Geschichten und Liedern ist groß. Wir entscheiden spontan, aus der Situation. Nach unserem momentanen Dafürhalten, nach der Reaktion der Gäste, die wir wahrnehmen. Eintauchen in meine Geschichten, um sie wirklich nahebringen zu können. Mich von der Musik tragen lassen, die die Geschichten so wunderbar ergänzt, auch. Ich verliere die Zeit aus dem Blick, gehe zurück zu den Situationen, in denen ich die Geschichten geschrieben habe, in meine damaligen Empfindungen, lese, weil ich nahebringen will. Dann wird es authentisch und kann die Zuhörer*innen erreichen. Da zu sein, mit allem was ich bin, da, im Sinne von mitten drinnen in jenem Geschehen, ohne die Verbindung zu verlieren. Immer wieder ein Drahtseilakt. Nicht dort zu bleiben, wo es war, und doch dort zu sein.

 

Bis zu dem Moment, da ich das Manuskript zuklappe, da wir unseren Platz gegenüber dem Publikum verlassen, um Gespräche zu suchen, zu finden, gesucht und gefunden zu werden, wenn ich dann erfahre, dass meine Geschichten berührten, anregten, nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Träumen, dann ist es für mich ein gelungener Abend gewesen. Dann macht das, was ich mache, für mich Sinn. Und ich beginne mich schon wieder zu freuen, auf den nächsten Abend, an dem ich meine Geschichten erzählen darf, auf meinen nächsten Besuch in dieser zauberhaften Location.

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