novels4u.com

Life is too short for boring stories

fbm6Ich hatte mir vorgestellt, ich würde fasziniert, beeindruckt, wenn nicht gar überwältigt sein. 2.000.000 Bücher und viele, viele Menschen, doch ich fand nichts von all dem, sondern merkte eher, dass ich enerviert und genervt war. Automatisch dachte ich, so viel bedrucktes Papier. Wer soll das bitte alles lesen? Und da soll sich der normale Durchschnittskonsument durchfinden? Allein um einen Marktüberblick zu bekommen, muss man so viel Zeit aufwenden, dass wohl zum Lesen selbst keine Zeit mehr bleibt. Aber um das zu vermeiden, hat man doch die sogenannten Experten, die als erste gefragt sind, sich einen Überblick über den Markt und die Neuerscheinungen zu verschaffen, um den Kund*innen dann entsprechend weiterhelfen zu können.

Nun, es gibt sie noch, die kleinen Buchhändler*innen, die mit Herz und Seele bei der Sache sind, und die Quadratur des Kreises schaffen, wenn sie auch nur halbwegs einen Überblick hat. Es wird sogar schon in Nischen schwierig. Abgesehen davon, dass es immer mehr Konsument*innen gibt, die zur einschlägigen Buchhändlerin gehen, sich umfassend beraten lassen, um bei Amazon zu bestellen. Doch auch stationäre Ketten halten sich stets an die Verkaufsschlager und vernachlässigen die Ausgewogenheit. Sicher ist sicher. Natürlich ist Sicherheit gut, aber sobald man sich nur mehr darauf verlässt, was von den Verlagen als Bestseller kreiert wird, ist man sehr schnell in der 08/15 Liga. Natürlich kann auch jeder Buchhändler jedes Buch bestellen, aber wo bleibt das Flair vom durchflanieren und schmökern, spontan entdecken und kaufen? Hat noch jemand die Zeit dafür? Ich habe sie, ab und an. Dafür kaufe ich auch keine Schuhe, oder nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

 

Mündige Konsument*innen sollen doch gefälligst ihre eigene Entscheidung treffen und die Verantwortung dafür übernehmen. Doch es bleibt einem kaum die Chance eigenständige Entscheidungen zu treffen. Die meisten wollen es auch nicht. Der Mensch ist nun mal ein Herdentier und mag es einem Leithammel zu folgen. So gefallen Bücher nicht unbedingt, weil sie einem tatsächlich gefallen, sondern weil so viele um einen sagen, das ist ein gutes Buch. Wenn ich es jetzt nicht gut finde, dann kann doch irgendetwas mit meinem Geschmack nicht in Ordnung sein. Also sage ich im Zweifelsfall, es gefällt mir, so lange, bis ich selbst davon überzeugt bin und in der Folge ohne die Einflüsterung eines anderen gar nicht weiß, was mir gefällt. Man könnte auch gegen die Meinung der anderen sein, einfach so, ohne sich besonders aufspielen zu dürfen. Doch dazu haben im Allgemeinen nur die Experten die Berechtigung. Doch wer ist Experte? Die Leser*innen, in ihrer eigenen Lebenswirklichkeit, in ihrer Rezeption des Gelesenen. Auch da wäre eine gewisse Form des eigenständigen Denkens nicht schlecht. Ist ja auch keiner gezwungen es an die große Glocke zu hängen. Eines ist jedenfalls sicher, etliche jener, die nun in den hochhehren Kanon der Weltliteratur ihren Platz haben, wären von den meisten dieser Schnösel wohl abgewiesen worden. Doch ohne ein gewisses Maß an Wagnis und Mut zum Neuen, Außergewöhnlichen und Besonderen, gibt es nur mehr die Wiederholung des ewig Gleichen. Und selbst das beste Plagiat bleibt ein Plagiat, es mag noch so ausgefeilt und ausgetüftelt sein.

 

All das denke ich, wenn ich mich durch die Menschenmengen zwänge, bis ich den Platz erreiche, an dem meine Bücher stehen, und sofort verschwinden all der Hass auf und der Frust über Entwicklungen, die ich weder ändern noch beeinflussen kann, außerhalb meines bescheidenen Rahmens. Und an deren Stelle treten Liebe und Lust, die Liebe in den „Geschichten über die Liebe und andere Absonderlichkeiten“ und die Lust in „Die Banane schält sich nicht alleine“, die ich mit einem Partner gemeinsam schreiben durfte. Da sitze ich bei meinen Werken, beobachte fremde Menschen, die daran vorübergehen, wohl auch den einen oder anderen der stehenbleibt und näher hinsieht. Ich blättere durch den Katalog und lese mir die Beschreibungen durch, und frage mich, wie viele es wohl sind, die es mir gleichtun. Und in diesem Moment erscheint mir dies als die beste aller Möglichkeiten, selbst mit gekaufter Eintrittskarte, wiewohl im Gesamtpaket, weil ich da bin, umgeben von vielen Hoffnungen und Träumen, die wohl jede hegt, die ein Buch veröffentlicht und damit dem Publikum preisgibt, bis zu einem gewissen Grad. Es ist einfach gut hier zu sein. Was daraus wird, das weist die Zukunft.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: