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Life is too short for boring stories

Seit zumindest 30 Jahren träume ich davon, ich will einmal auf die Frankfurter Buchmesse – und wenn ich mir eine Karte kaufen muss. Das war und ist natürlich nicht meine erste Wahl, denn wenn schon, denn schon. Das bedeutet in diesem Falle, als geladene Autorin. Diesen Traum begrub ich im Laufe der Zeit und der an Verlage verschickten Manuskripte. Dann also doch den zweitbesten Weg gehen. Es gab aber, wie ich herausfand, noch einen dritten Weg, den ich als den eineinhalb besten bezeichnen würde, bei dem ich mir die Karte nicht direkt kaufte, sondern quasi im Gesamtpaket mitbekam. Ausgestellte Bücher auf der Messe, ein Eintrag im Katalog und eine Eintrittskarte. Mein Buch war also auf der Frankfurter Buchmesse, die – trotz aller wohlbekannten Unkenrufe – immer noch einen hohen Stellenwert genießt.

Richtig, ich habe mir den Platz für meine Bücher erkauft. Noch vor ein paar Jahren hätte ich das, mit allen divaesken Attitüden der Künstlerin, abgelehnt, denn – so war ich überzeugt – es kommen die Bücher auf die Frankfurter Buchmesse, die es sich verdient haben, also einem gewissen Niveau entsprechen, sei es nun den künstlerischen Ausdruck oder das kreative Potential betreffend. Festgestellt wird dieses Niveau, mit professioneller Sicherheit von den Verlagen. Was diese sagen, das gilt. Und nur wer gut genug ist, erhält einen heißersehnten Vertrag bei einem Verlag, wobei es natürlich wiederum prestigeträchtigere und weniger prestigeträchtigere gibt. Und Hand aufs Herz, welche aufstrebende Autorin würde nicht davon träumen bei suhrkamp oder Herder oder wie sie alle heißen, unterzukommen. Wenn einem das nicht gelingt, dann kommt man irgendwann zu dem Punkt, an dem man denkt, dass irgendein Verlag immer noch besser ist als gar keiner. Und erst die alleraller aller allerletzten Möglichkeiten ist der Weg des Selfpublishing. Etablierte Verlage sehen immer noch naserümpfend auf diese herab, weil in der Branche immer noch die Meinung vorherrscht, der nur selbst verlegt, der eben kein entsprechendes Niveau hat, um einen richtigen Verlag zu finden. Und wenn man es als Autorin einmal gewagt hat, sich in diesem Bereich zu bewegen, dann braucht man bei Verlagen gar nicht mehr anklopfen, wie ich selbst erfahren durfte. „Wir haben festgestellt, dass sie im Selfpublishing-Bereich tätig sind. Da ist das für uns von vornherein uninteressant“, wurde mir erklärt. Das ohne auch nur ein Wort gelesen zu haben. Da begann ich erstmals wirklich darüber nachzudenken, was denn das bedeutet.

 

Ein Verlag ist ein kommerzielles Unternehmen, auf Gewinn ausgerichtet, da es sonst keine Überlebenschance am Markt hat. So gesehen eine banale Sache. Ein Unternehmen zu führen inkludiert immer auch unternehmerisches Risiko zu tragen. Dieses Risiko möchte jeder Unternehmer so gering wie möglich halten. Bleiben wir im Bereich Literatur, so hält man das Risiko so gering wie möglich, indem man sich z.B. an Trends anhängt. Trendige Themen, die dem Lebensgefühl der Zeit entsprechen oder trendig gemacht wurden. Da kann man sich für Monate kaum vor zauberstabschwingenden Kreaturen Kinderbüchern retten, konzipiert für 12jährige, vorzugsweise gelesen von Erwachsenen. Oder vor moralschwingenden Geschichten, die mit innigster Überzeugung den Mädchen wieder beibringen, dass sie jungfräulich in die Ehe zu gehen haben, denn sonst verbrennen sie, zumal wenn es sich bei dem Gemahl um einen Vampir handelt. Wenn auch um einen vegetarischen. Wer es nicht weiß – und ich hoffe, das sind doch einige, die sich nicht vom Morgen- bis zum Abendrot durch diese Lektüre beißen ließen -, vegetarische Vampire sind jene, die nur Tier- und kein Menschenblut konsumieren. Oder vor gelangweilten, dummen Hausfrauen, die sich freudestrahlend von einem ebenso mental unterentwickelten Macho semisadistisch behandeln lassen. Da hängt sich dann jeder Verlag dran, bis das Thema völlig ausgelutscht ist und man verzweifelt auf den nächsten Trend wartet, damit man auf diesen rechtzeitig aufspringt, um ihn nicht zu verpassen. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass die Minimierung des unternehmerischen Risikos zu Lasten der Themenvielfalt geht, und auch gehen muss, denn Themen, die gerade nicht hip sind bedeuten ein unnötiges Risiko. Allerdings ist die Auswahl für den Leser auch dementsprechend eingeschränkt. Dabei geht es – wie sich leicht erschließen lässt – nicht um Qualität, sondern um die reine Thematik. Natürlich kann man nun endlich darüber diskutieren, was Qualität bedeutet, doch für mich heißt es ein gewisses sprachliches Niveau, und ja, man kann den Leser*innen auch manches Fremdwort oder manchen Wortwitz zumuten, und sich aus den seichten Untergehölzen erheben, denn leichte Literatur impliziert nicht notwendiger Weise ein seichtes Sprachniveau. Es wird nur allzu gerne zusammengespannt. Dennoch lassen sich die Leser*innen von der Abneigung von Verlagen gegenüber dem Selfpublishingbereich nicht abhalten dort zu kaufen, was mich zu der kühnen These verleitet, dass es sich um simplen Brotneid handelt. Es ist aber immer ein Armutszeugnis, wenn man nichts weiter aufzubieten hat, als die Konkurrenz schlecht zu machen. Dann lassen wir doch einfach den Konsumenten entscheiden. Lassen wir einfach?

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