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Life is too short for boring stories

„Die Banane schält sich nicht alleine“ erzählt die Geschichte einer erotischen Begegnung. In aller Schlichtheit, die die Besonderheit dieser einen Begegnung zum Ausdruck bringt. Gerade in dieser Besonderheit kann sie aber auch Verbindlichkeit beanspruchen, denn in ihrem bewussten Verzicht auf alle Künstlichkeit, kristallisieren sich die verbindenden Elemente dessen, was eine gelungene Begegnung sein kann, auch und gerade in diesem Bereich, heraus. Respekt, Achtsamkeit, Zugewandt sein gehören dazu, und spiegeln sich im Umgang der Protagonisten. Dies spiegelt sich auch in der Art der literarischen Umsetzung. Durchgehend kommen beide Stimmen zu Wort, gleichberechtigt und offen. Ein heterosexuelles Paar, das sich in seiner Körperlichkeit findet, und doch weit darüber hinaus geht. Alles ganz normal, möchte man meinen. Und doch ist es gerade in dieser scheinbaren Normalität, ein Buch des Widerstandes, ein Stein des Anstoßes und ein Plädoyer für die Freiheit.

Ein Buch des Widerstandes, weil die Protagonisten es wagen nichts weiter zu tun, als sich auf den Partner und sich selbst, einzulassen. Den Körper zu sehen, als ein Teil der Gesamtpersönlichkeit, ihn zu entdecken, ohne zu vereinnahmen, zu erfahren, ohne sich von Vorgaben leiten zu lassen, zu lernen, als Deinen Körper, zu dem es keinen Vergleich geben kann. Und das in einer Zeit, in der eine einzelne, offen gezeigte, weibliche Brustwarze eine Welle der Empörung hervorrufen kann, einerseits, andererseits aber jede Art der Pornographie für jeden online zugänglich ist. Verschämt und versteckt, aber mit der immanenten Aufforderung, so musst Du es machen, dass es Sex ist. Neben überkommenen Rollenmustern, die durchgehend bemüht werden, wird darin die Sexualität in eine Norm gepresst. Gerade junge, unerfahrene Menschen lernen daraus bloß, dass es so etwas wie eine Vorgabe geben muss, derer sie zu entsprechen haben. Was sie nicht erfahren und was ihnen auch keiner sagt, weil in einer übersexualisierten Welt alles verschwiegen wird, was Erotik betrifft, ist, dass gelungene Sexualität in der Hingabe an den Partner und das Einlassen auf das eigene Wollen und Sehnen bedeutet, dass körperlichen Ausdruck findet.

 

Ein Stein des Anstoßes, weil es sich gegen die Technisierung der Sexualität stellt, gegen die Ansicht, dass man nur das Richtige tun muss, dass es funktioniert. Und was das Richtige ist, das steht in der Gebrauchsanweisung. Dabei gibt es grundsätzlich nichts gegen Gebrauchsanweisungen zu sagen. Sie können sehr nützlich sein, wenn man z.B. den Wunsch hegt ein elektrisches Gerät zu benutzen oder eine neue Software. Wird aber dieses Denken in Anweisungen auf die Sexualität übertragen, so dass der Körper auch entsprechend wie eine Maschine benutzt wird, als wäre er ein bloßes Ding, abgetrennt von der Person. Deshalb empfindet es auch kaum jemand als Entmündigung, schon gar nicht als Entwürdigung, wenn für den Ausgleich von Funktionsstörungen Hilfsmittel angeboten werden. Denn es geht um ein bloßes Funktionieren, nichts weiter. Dem gegenüber plädiert das Buch für eine Sicht auf den Menschen als Gesamtperson, die sich dem anderen schenkt, darbringt und offenbart, dem anderen, und damit immer auch sich selbst. Sacht und zärtlich zu entdecken, zentriert und fokussiert auf den Moment, so dass nichts anderes zählt, als das Geschenk, das man sich in diesem Augenblick ist. Alles andere findet sich dann ganz von selbst.

 

Ein Plädoyer für die Freiheit sich auch in der Sexualität nicht beschränken zu lassen. Gut ist, was beiden guttut, also die Freiheit sich selbst, seinem Körper und seinem Fühlen zu vertrauen, ohne sich irgendetwas vorschreiben zu lassen, geschweige denn irgendwelche Vorgaben erfüllen zu müssen. Sie sind sich darin selbst genug. Doch diese Freiheit ist unerwünscht, denn sie bedeutet Unabhängigkeit, nicht nur vom Markt, sondern auch von der Meinung anderer. Sie wissen um sich, ihre Wünsche und Bedürfnisse, ebenso, wie sie einen Weg finden diesen gerecht zu werden. Es verführt die Menschen dazu, selbständig zu denken.

 

Ein Buch des Widerstandes, ein Stein des Anstoßes und ein Plädoyer für die Freiheit, scheinbar harmlos versteckt in einer erotisch-liebevollen Geschichte. Man kann und darf das alles mitnehmen, und dennoch einfach Spaß daran haben.

Veranstaltung-Header (1)

„Die Banane schält sich nicht alleine“ – Lesungstermine, Buchungsmöglichkeit, Grundlegendes und Wissenswertes findet ihr hier.

 

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